Bei der Bewertung dieser CD muss man meines Erachtens differenziert vorgehen: Zunächst handelt es sich bei dieser Platte im Wesentlichen um eine Compilation, d.h. die meisten Stücke sind bereits veröffentlicht worden. So gibt "Sospiri" einen Einblick in die Diskographie der Cecilia Bartoli und enthält einige ihrer beliebtesten Aufnahmen. Dabei handelt es sich um berühmte Melodien von Händel und Mozart über Belcanto-Stücke von Bellini und Rossini bishin zu Faure.
Jenseits aller künstlerischen Qualität, die, abgesehen von den Bellini-Stücken, wirklich sehr hoch ist, bedeutet dieser Umstand für Bartoli-Fans vor allem eines: Das meiste besitzen sie bereits. Daher kam Decca auf eine sehr schlaue Idee: Auf dem Album befinden sich auch zwei Raritäten, die bislang nicht auf Tonträger zu bekommen waren. So singt Bartoli exklusiv für die Prestige-Edition die Welterstaufnahme der Arie "Cervo in bosco" des Barockkomponisten Leonardo Vinci, die einst zu den Lieblingspartien des berühmten Kastraten Farinelli gehört hatte. Außerdem gibt es noch eine Neuaufnahme von Rossinis "Una voce poco fa" zu hören. Und diese beiden Stücke kann man sich NICHT als mp3-Format herunterladen - im Gegensatz den anderen Stücken der CD (übrigens hätte man Vincis Arie auch sehr bequem bereits auf der Zusatz-CD zur Deluxe-Edition des "Sacrificium-Albums" unterbringen können). Sehr geschäftstüchtig also, denn genau aus diesem Grund habe ich die CD gekauft; natürlich sind die Raritäten ausschließlich auf der teureren Prestige-Edition enthalten. Ehrlich gesagt, finde ich diese Art der Geschäftemacherei ein bisschen frech.
Trotzdem:
"Greatest-Hits-Alben" bringen Käufern sowie Produzenten meist ordentlich Profit. Für Einsteiger ist die CD nämlich sehr zu empfehlen, denn sie zeigt eine Art Retrospektive von über 20 Jahren Bartoli, die sich lohnt. Allerdings muss ich Decca zwei Sterne abziehen wegen übertriebener Profitgier...