Die Farbe des Umschlags täuscht über den Inhalt, es handelt sich um keine esoterische Heilslehre. Ludwig Reiners war belesen und erfahren zugleich: er schöpfte aus der Literatur und aus dem Leben, so gibt er in sechs Kapiteln fundierten Rat.
Zum Beispiel das Kapitel »Mut«.
Reiners skizziert darin zunächst knapp aber lebendig das Leben des englischen Politikers Disraeli: ein Mann, der sich in seiner Jugend das Ziel setzte, entweder ein neuer Homer oder ein neuer Alexander zu werden. Er geht einen Weg voller Tiefschläge und Enttäuschungen, gibt nie auf, am Ende triumphiert er: wird Premierminister und regiert England sechs Jahre lang. An seiner Bahre schließlich »feiern selbst seine erbittertsten Feinde diese Laufbahn, in der ein beispielloser Mut die unbezwinglichsten Hindernisse überwunden habe.«
Auf dieses »Beispiel« läßt Reiners seine eigenen Betrachtungen folgen: »Daß die Furcht vielfach erst die Gefahren herbeiruft, vor denen sie zittert« sagt er und stellt sich die Frage, ob Mut lehrbar sei? Aus seinen Antworten spricht Erfahrung und Philosophie von Seneka bis Schopenhauer, und zwar so, daß sie jeder verstehen kann.
So ist jedes Kapitel aufgebaut: eine Lebensskizze (Goethes oder Helen Kellers); dann eigene Betrachtungen, und am Ende jedes Kapitels finden sich »Eideshelfer«, das sind Zitate großer Männer, die dem Gesagten Nachdruck verleihen (Fontane, Claudius, Luther...).
Reiners schreibt bestimmt, anschaulich und kraftvoll genug, daß die zahlreichen Zitate nicht erdrückend sondern belebend wirken: die Lektüre ist ein Vergnügen - wenn man gerade keine Sorgen hat. Und hat man welche, so wird dieses Buch in einigen Fällen tatsächlich helfen, sie zu meistern.