Der Titel des Taschenbuchs "Sophies Vermächtnis" klingt nach Rosamunde Pilcher, birgt aber ein Stück Zeitgeschichte. Mit Akribie und Herzblut zeichnet die Autorin das Leben einer Frau nach, die als Kunstsammlerin, Ausstellungsmacherein und Künstlerfreundin "unter normalen Bedingungen" zur Legende geworden wäre. Sophie, Tochter aus großbürgerlichem Haus, trug mit ihrem ersten Ehemann Paul Erich Küpper, künstlerischer Leiter der Kestner-Gesellschaft, eine Sammlung von Avantgarde-Kunst von heute unschätzbarem Wert zusammen. Nach dem frühen Tod ihres Mannes verliebte sie sich in den russischen Künstler El Lissitzky, dem sie 1927 in seine Heimat folgte. Die Sammlung, unter den Nazis als entartet eingestuft, ließ sie in vermeintlich guten Händen zurück. Ingeborg Prior hat das filmreife Schicksal dieser Frau dem Vergessen entrissen und dabei einen Kunstkrimi vorgelegt, der bis heute ohne Happy-end geblieben ist. Renommierte Galeristen mit guten Manieren und knallhartem Geschäftssinn spielen darin eine wenig rühmliche Rolle. Sophie Lissitzky-Küpper starb 1978 in sibirischer Verbannung.