Der Roman ist die mit ironischem Augenzwinkern verbrämte Geschichte des über aller Herren Länder und Kontinente verstreuten Adels-Clans derer von Sand, der sich nach der Wende 1989 immer wieder auf dem heruntergekommenen Familiensitz Distelitz im Norden der Insel Rügen zusammenfindet.
Dort lebt die fast 100-jährige unverwüstliche Sophie von Sand (passender Spitzname: " die Sand-Distel"!) quasi als eine Art stachelige Matriarchin, der die meisten der zahlreichen ungebetenen Familienmitglieder ziemlich auf die Nerven gehen; insbesondere ihr erstgeborener Sohn Franz, mit dem sie vor Jahrzehnten im Unfrieden auseinandergegangen ist, macht ihr zu schaffen. Dessen vorrangiges Ziel ist es nämlich, Gut Distelitz möglichst bald und möglichst gewinnbringend zu vermarkten. Dass die "Sand-Distel" in dem zähen Ringen die Oberhand behalten wird, ist unschwer zu erraten.
In vielen Passagen des Romans spürt man als Leser förmlich, wie die unbändige Fabulierlust die Autorin beim Schreiben gepackt und wohl selbst oft zum Schmunzeln gebracht haben muss: Wenn sie etwa beim großen Familientreffen im Sommer 1992 eines der Clan-Mitglieder den Erstickungstod an einem Stück Hartwurst erleiden lässt(weil Fressgier in Verbindung mit zuviel Alkohol und einem neuen Gebisshaftgel tödlich sein können)!
Ein kleines Manko sind hin und wieder auftretende Detail-Unstimmigkeiten, etwa dass der enttäuschte Franz binnen 8 Jahren gleich zweimal erfährt, dass ein von ihm als sein Erbe betrachtetes Ölgemälde von Sophie verkauft wurde, um das ausufernde Clan-Treffen 1992 zu finanzieren. Hier hätte ein sorgfältigeres Verlags-Lektorat notgetan.
Insgesamt gesehen aber ein heiteres Buch, mit leichter Hand geschrieben, das mit dem Thema "Deutsche Einheit" und den Ossi-Wessi-Klischees ziemlich unkonventionell - und ganz und gar nicht staatstragend umgeht.