Die bildungsdurstige Sophie lernt in der christlichen Schule die Bibel lesen und verstehen und erkennt bald, daß das Leben im Dorf und in ihrer Familie keineswegs der christlichen Lehre entsprechen, sondern in vielen Dingen sich noch an dem überlieferten heidnischen Brauchtum und am Ahnenkult ausrichtet. Sie erkennt auch, daß das polygame Familienoberhaupt, ihr Vater, seine drei Frauen und deren Kinder nur deshalb in einigermaßen Harmonie unter einem Dach zusammenhalten kann, weil er autoritär das Zusammenleben ordnet und die Frauen ihrer traditionellen Rolle gerecht werden, sich unterordnen. Als die Zeit kam und Sophie heiraten sollte, widersetzte sie sich einem solchen Schicksal und flüchtete schließlich in ein Kloster, wollte lieber der Welt entsagen als einen Ehemann mit anderen Frauen teilen zu müssen. Doch die Familie übte großen moralischen Druck auf sie aus, dem sie schließlich schweren Herzens, weil sie sich durch das 4. Gebot verpflichtet fühlte, nachgab, um sich nach einiger Zeit auch zu verheiraten. Doch tief enttäuschte sie, daß ihr Mann die christliche Eheschließung allein deswegen verweigerte, weil er der Vielweiberei nicht entsagen wollte. Dennoch brachte sie große Opfer, um dem mittellosen Mann zu dem für sie zu zahlenden Brautpreis zu verhelfen. Doch sie bekam keine Kinder, was dem Mann nach altem Brauch das Recht gab, sich eine weitere, eine "fruchtbare" Frau ins Haus zu nehmen. Nun begann für sie ein Martyrium dergestalt, daß sie von ihrem auch sonst treulosen Mann geschlagen und zutiefst gedemütigt wurde. Schließlich faßte sie den festen Entschluß, dieses quälende, würdelose Dasein zu beenden, sich von ihrem Mann zu trennen. Im Vertrauen auf Gott und in ihre Kraft macht sich diese starke Frau daran, mit großer Energie und unsäglichen Opfern den für sie einst bezahlten Brautpreis, von dem sie das meiste ja selbst beigetragen hatte, zusammenzubekommen. Denn das war der unabdingbare Preis, den sie zur Wiederlangung von Freiheit, Würde und Selbstachtung zu zahlen hatte. Ob sie das schaffte, und ob - so war es Brauch - der Dorfälteste auch dann den Trennungsspruch sprach, soll nicht vorweggenommen werden. - Jedenfalls ist "Sophies Brautpreis" ein Buch, das zu lesen sich lohnt - für Frau und für Mann -, denn dadurch, daß die Autorin viele Jahre dort gelebt und Freud und Leid der Menschen hautnah miterlebt hat, ist es authentisch, die Handlung glaubhaft.