Aus der Amazon.de-Redaktion
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Qualitativ hochwertige Umsetzung eines wichtigen Films. Das Bonusmaterial ist herausragend, sowohl in Länge, als auch Inhalt.
Bild: Wie schon bei Filmen wie etwa "Der neunte Tag" oder "Napola" wurde auch "Sophie Scholl" in sehr kühlen Farben gefilmt. Der Regisseur hat bewusst darauf gesetzt, schon allein durch die visuelle Darstellung eine Abgrenzung vom Hier und Heute zu schaffen, ohne direkt auf Schwarzweißfilm ausweichen zu müssen. Die Farben bleiben dezent, kalt, einschüchternd, selbst die rote Strickjacke von Sophie Scholl wirkt matt - nur das Rot der Hakenkreuzfahne sticht heraus und konterkariert das Geschehen. Der Kontrast ist sehr stark, was besonders bei den vielen dunklen Szenen im Gefängnis oder beim Verhör hilft. Gelegentlich neigt er jedoch bei hellen Szenen zum Überstrahlen (Fensterkreuz bei 01:13:29). Der Schwarzwert ist hoch und sorgt für schöne, tiefschwarze Flächen. Die Schärfe ist nicht ganz gelungen, schwankt oftmals zwischen angenehm und gut. Hin und wieder, vor allem bei ganz starken Kontrasten, sind Halos erkennbar (00:52:52), doch der Störwert derselbigen ist nicht allzu groß. Rauschen ist nur dezent vorhanden (01:19:42). Die Kompression arbeitet gut, aber es fällt immer wieder mal leichtes Blockrauschen auf.
Ton: Der Ton ist sehr schön. Eigentlich erwartet man sich bei einem dialoglastigen Film wie diesem nicht allzu viel, doch neben der sauberen Dialogführung, die zu jeder Sekunde glasklar zu verstehen ist, ist es auch die bedrückende Musik, die aus allen Richtungen erschallt und nicht unwesentlich zum Gelingen des Films und der Generierung der Stimmung beiträgt. Türknallen, Schritte auf dem Flur, Umgebungsgeräusche aus allen Richtungen werden sinnig eingesetzt und tragen zur weiteren düsteren Stimmung des Films dar, was natürlich auch und vor allem für die Gefängnisszenen gilt.
Extras: Das Bonusmaterial hat es wahrlich in sich. Neben dem informativen Audiokommentar von Marc Rothemund, Julia Jentsch und Autor Fred Breinersdorfer gibt es ein mehr als 75 Minuten langes Making of, das Einblick in alle Belange der Produktion gewährt und nicht nur zeigt, mit welchem Einsatz alle Beteiligten diesen Stoff umsetzten, sondern auch mit Informationen gespickt ist. Nicht minder interessant sind die mit noch lebenden Zeitzeugen aufgenommenen Interviews, die knapp 80 Minuten Laufzeit haben und aus erster Hand über die Weiße Rose berichten. Die entfallenen Szenen sind ebenfalls einen genaueren Blick wert, haben sie doch eine Spielzeit von mehr als 45 Minuten. Hier gibt es einige Szenen, die interessant gewesen wären. Der Film an sich ist zwar in sich ganz und gar rund, sodass man diese Szenen nicht wirklich benötigt, aber sie geben Aufschluss über den Schnittprozess eines Films, wenn dieser mit jeder weiteren Version perfektioniert wird. An weiteren Extras gibt es den Teaser, den Trailer, Originaldokumente und eine Bildergalerie. Lediglich die Outtakes mit unter einer Minute sind etwas kurz ausgefallen. --movieman.de
VideoMarkt
Video.de
Blickpunkt: Film
Mit Michael Verhoevens 'Die weiße Rose' (mit Lena Stolze in der Rolle der Sophie Scholl) und Percy Adlons 'Fünf letzte Tage' (beide aus dem Jahr 1982) wurde die Geschichte einer der wenigen Heldinnen der deutschen Geschichte bereits zweimal verfilmt. Letzterer konzentrierte sich bereits ganz ähnlich Rothemunds Ansatz auf das kammerspielhafte Drama um Scholls letzte fünf Tage vor ihrer Hinrichtung, allerdings aus der Sicht ihrer Zellengenossin. Verhoeven zeigte dagegen die Geschichte der Widerstandsgruppe bis zum Februar 1943. Rothemund beginnt nun dort, wo Verhoeven endet - mit der Verhaftung der Geschwister Scholl nach deren Flugblatt-Aktion im Lichthof der Münchner Uni - und endet (unter Voraussetzung der Kenntnisse der Zeitgeschichte) mit der Hinrichtung der Scholls. Dazwischen liegen Verhöre bei der Gestapo und ein Psycho-Duell zwischen Sophie und dem Vernehmungsbeamten Robert Mohr (gespielt von Alexander Held).
Die Rededuelle zwischen Scholl und Mohr wie auch jenes zwischen Scholl und Richter Roland Freisler (André Hennicke mit einer an Bruno Ganz in 'Der Untergang' fast heranreichenden Performance) auf der Anklagebank basieren auf Vernehmungsprotokollen und Zeugenaussagen. Über weite Strecken ist 'Sophie Scholl - Die letzten Tage' so mit kammerspielartiger Inszenierung zum Teil an Originalschauplätzen eine asketische Personenstudie, die zwangsläufig Vergleiche mit Romuald Karmakars 'Der Totmacher' wachruft. War es dort die spannende Sezierung der Psyche eines Mörders, macht das Duell zwischen Angeklagter und Kläger hier deutlich, wie einer starken, jungen und lebenslustigen Studentin die Folgen ihres Handelns immer bewusster werden, wie sie erst zu diesem Zeitpunkt zu der Heldin wird, als der man sich heute ihrer erinnert. Während am Ende zwar ihre Angst vor den Konsequenzen wächst, gewinnt damit gleichzeitig auch ihr Rechts- und Pflichtbewusstsein gegenüber ihrer Überzeugung an Bedeutung, sodass sie mit dem Wunsch, ein Zeichen zu setzen, in den Tod geht.
Ihrer Figur Menschlich- und Glaubwürdigkeit zu verleihen, gelingt Julia Jentsch in jedem Moment ihrer beeindruckenden Darstellung -ganz besonders im letzten Drittel des Films, wenn Sophie aus dem Gerichtssaal in den Todestrakt gelangt und allein mit den Folgen ihres Handelns konfrontiert wird. Vor allem diese Momente tragen der emotionalen Intensität und der Konzentration auf die inneren Konflikte der Protagonisten der Inszenierung Rechnung, wobei Rothemunds Umgang mit dem historischen Stoff bei aller Schwere und Präzision beeindruckend unverkrampft bleibt und dennoch einen angemessenen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, als Film wider das Vergessen, der sich nur in wenigen Momenten ganz betont Licht gönnt und doch bei aller Beklemmung auch hoffnungsvoll ist. deg.