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4.0 von 5 Sternen
Spannendes Drama mit wichtiger Botschaft!, 16. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Sophie Scholl - Die letzten Tage (DVD)
Die Geschichte von Sophie Scholl ist die Geschichte einer unglaublich mutigen Frau, deren Einsatz für die Freiheit "zum Edelsten und Größten gehört, was in der politischen Geschichte aller Völker hervorgebracht wurde", wie Winston Churchill einmal sagte. Nicht nur deshalb sollten Sie sich diesen Film keinesfalls entgehen lassen! "Sophie Scholl - Die letzten Tage" ist ein leises, fast kammerspielartiges und gerade deshalb besonders eindringliches Porträt des unbeugsamen Kampfes einer Frau gegen das nationalsozialistische Regime. Das herausragende Drama gehörte zu den größten Kinoüberraschungen des Jahres 2005 und gewann unter anderem den Friedenspreis des Deutschen Films, drei Auszeichnungen beim Deutschen Filmpreis und die Preise für beste Regie und beste Darstellerin bei der Berlinale.
Während sich die frühere Verfilmung "Die Weiße Rose" aus den 80er Jahren auf das Entstehen und die Hintergründe der Widerstandsorganisation konzentrierte, setzt Regisseur Marc Rothemund ganz auf die erzählerische Kraft der letzten Tage vor der Hinrichtung Sophie und Hans Scholls (Julia Jentsch und Fabian Hinrichs). Die Handlung beginnt unmittelbar mit dem waghalsigen Plan, Flugblätter gegen die Nazi-Diktatur an der Münchener Universität zu verteilen. Die Aktion schlägt fehl und führt zur Festnahme durch die Nationalsozialisten. Was folgt, sind nervenaufreibende Verhöre mit Gestapo-Ekel Robert Mohr (Alexander Held), Tage im Gefängnis, ein vollkommen einseitiges Gerichtsverfahren und letztlich die Todesstrafe. Weil die Hauptfigur Sophie Scholl dabei in jeder einzelnen Szene präsent ist, steht und fällt der Film mit der Leistung der Darstellerin Julia Jentsch - die ihre schwierige Aufgabe mit Bravour meistert.
Für ihre Darstellung der schüchternen, hoch intelligenten Studentin, die sich den Nazis nicht beugt, sondern an ihrem Widerstand wächst, ist die Nachwuchsschauspielerin zu Recht mehrfach ausgezeichnet worden. Alexander Held spielt den Gegenpart des zuerst eisernen, dann unsicheren, aber immer feigen Gestapo-Beamten Robert Mohr ebenso überzeugend, die restlichen Schauspieler müssen jedoch vor der gewaltigen Präsenz dieser beiden Figuren zurückstehen. Die Kameraeinstellungen geben sich unspektakulär und verlassen sich meist auf das Minenspiel der Akteure. Und die wenigen Einstellungen, in der das Bild die Hauptdarstellerin verlässt und den blauen Himmel hinter den Gefängnisgittern zeigt, sind nicht mehr als eine etwas platte Freiheitsmetaphorik.
Aufgrund seiner Beschränkung auf die letzten Tage von Sophie Scholl ist der Film mehr Zeugnis eines beeindruckenden moralischen Kampfes für die Freiheit und weniger politische Dokumentation, obwohl in einer Schlüsselszene die zentralen Positionen zum "Endsieg" Hitlers, den Konzentrationslagern und dem barbarischen Massenmord ausgetauscht werden. Doch vielleicht macht gerade die emotionale Stärke den Film "Sophie Scholl - Die letzten Tage" zu mehr als einem öden Schulkino-Pflichttermin und zu einem spannenden Drama mit wichtiger Botschaft. Das Prädikat "besonders wertvoll" hat sich der Film jedenfalls unzweifelhaft verdient.
Die "Deluxe 2 Disc Edition" enthält neben dem preisgekrönten Drama haufenweise Extras auf gleich zwei DVDs. Highlight ist der überaus interessante und spannende Audiokommentar von Regisseur Marc Rothemund, Hauptdarstellerin Julia Jentsch und Autor Fred Breinersdorfer. Statt des Originaltons können Sie die Stimmen dieser drei Hauptverantwortlichen einblenden, die Ihnen über die gesamten 116 Minuten des Films in lockerem Plauderton alles über die Entstehungsgeschichte, den historischen Bezug und die Regiearbeit in jeder Szene erzählen.
Das professionelle, in diverse Kapitel gegliederte "Making of" informiert über die schauspielerischen Bedingungen beim Dreh und die Drehorte in München und anderswo. Die politisch besonders Interessierten werden von den Interviews mit Zeitzeugen begeistert sein, unter anderem mit dem Sohn des Gestapo-Beamten Robert Mohr. Die auf der DVD-Box versprochenen "Originaldokumente" wie die Flugblätter der "Weißen Rose", die Vernehmungsprotokolle und die Gerichtsurteile sind leider nur auf einem Computer vollständig einsehbar, beim Abspielen in einem DVD-Player werden Ihnen nur kurze Ausschnitte präsentiert. Dennoch bietet Ihnen dieser DVD-Doppelpack weit über die üblichen Standardextras hinaus stundenlanges lehrreiches Material für die Schulbank oder das häusliche Wohnzimmer.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Das Gesetz ändert sich...Das Gewissen nicht" ( Sophie Scholl), 21. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Sophie Scholl - Die letzten Tage (DVD)
Zur Vorgeschichte: Als Hitler an die Macht kam lebte die Familie Scholl in Ulm. Trotz der Warnungen ihres Vaters waren die Geschwister Sophie und Hans mit Begeisterung in der Hitlerjugend. Doch Hans begann allmählich zu zweifeln. Auch für Sophie wurde das halbe Jahr Arbeitsdienst und ein weiteres halbes Jahr Kriegshilfsdienst zu schweren Probe.
Der Vater ist mehrfach von der Gestapo verhört und verhaftet worden. Endlich konnte Sophie 1939 ihr Studium beginnen. Dort traf sie wieder auf ihren Bruder Hans und seine Freunde.
Stark beeindruckt wurde die Gruppe von Professor Kurt Huber, einem Philosophen und Psychologen. Als Sophie die "Flugblätter der Weißen Rose" las, die kurz nach dem Beginn des Studiums plötzlich in der Universität auftauchten, kamen ihr die Sätze darin seltsam vertraut vor und bald musste sie entdecken, dass ihr Bruder daran wesentlichen Anteil hatte.
Nach einem Fronteinsatz der Medizinstudenten während der Semesterferien wurde die Widerstandsarbeit wieder aufgenommen und wirkte sich auch nach Freiburg und Hamburg aus.
Nach Katastrophe in Stalingrad beteiligte sich Sophie aktiv an der Herstellung und Verbreitung von Flugblätter. Das ist der Moment, wo der Film seinen Anfang nimmt:
Man sieht Sophie, dargestellt von Julia Jentsch, zunächst in ihrem Zimmer einen Brief schreibend, in welchem sie völlig entzückt ein Schubertlied erwähnt. Alles wirkt friedlich, beinahe idyllisch.
Schon wenig später jedoch ist es aus mit der Idylle. Einige Mitglieder der "Weißen Rose" verfassen einen Aufruf , der demokratische Strukturen für Deutschland fordert und das Ende des Terror-Regimes der Nazis dezidiert postuliert. Der Aufruf wird vervielfältigt. Hans und Sophie verteilen ihn u.a. an der Uni in München, wo sie vom Hausmeister entdeckt und sofort Gestapo übergeben werden.
Jetzt beginnen die Verhöre, die übrigens textlich über lange Passagen den Original-Verhörprotokollen entsprechen.
Der Gestapomann Mohr(hervorragend dargestellt von Alexander Held), ein typischer NS-Spießer, befragt Sophie zur Sache und verliert aufgrund ihrer Stärke während des Verhörs immer mehr an Dominanz. Am Ende versteckt er sich nur noch hinter den Gesetzen als Sophie Scholl ihn mit Fragen des Gewissens konfrontiert.
Die Scholls versuchen soviel "Schuld" wie möglich auf sich selbst zu ziehen, nachdem die Indizienlage das Leugnen der Flugblattaktion unmöglich gemacht hat, weil sie ihre Freunde schützen wollen.
Schließlich findet ein Schauprozess statt, wo man die Geschwister Scholl und ihren Freund Christoph Probst des Hochverrates und der Wehrkraftzersetzung anklagt.
Sophie träumte in der Nacht vor dem Prozess sie sei mit einem Kind im Arm in eine Gletscherspalte gestürzt, habe das Kind aber noch auf der sicheren Seite ablegen können. Diesen Traum erzählt sie ihrer Zellenmitbewohnerin und analysiert, dass das Kind die Idee sei , die nach ihrem Tod am Leben bleiben werde.
Freisler verurteilt die drei jungen Studenten zum Tode. Sophie lässt sich von diesem fürchterlichen Menschen allerdings nicht einschüchtern und spricht aus, was sie denkt.
Bevor sie tags darauf zur Guillotine geführt wird, notiert sie in ihrer Zelle auf ein Blatt das Wort Freiheit, betet mit einem Priester und saugt die morgendliche Sonne nochmals ganz bewusst ein.
Die drei Freunde treffen sich auf eine Zigarette, umarmen sich, dann wird Sophie abgeführt. Man sieht Sophie auf der Guillotine liegen und vernimmt das martialische Klacken .....
All dies, was der Film zeigt, ist real geschehen. Einfach unfassbar!
Die Widerstandgruppe die "Weiße Rose " forderte zum passiven Widerstand auf und zwar im Namen der Gerechtigkeit, der Menschlichkeit, der anständigen Gesinnung und der christlichen Glaubens. Dass die Antwort der Nazis auf diesen Idealismus ohne Gewalt und Organisation die Hinrichtung war, kennzeichnet noch schärfer als das Vorgehen vom 20. Juli 1944 das Wesen des Dritten Reiches.
Im Anschluss an den Film, der sehr überzeugend -auch im Detail- den Geist der NS-Zeit wiedergibt, erfährt man , wie dieser entstanden ist und wie die einzelnen Schauspieler sich mit ihren schwierigen Rollen mental auseinandergesetzt haben.
Sehr empfehlenswert!
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4 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Ethisch wichtig, historisch marginal, ästhetisch eine Katastrophe, 23. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Sophie Scholl - Die letzten Tage (DVD)
Darf man über einen Film mit einem so sensiblen und ethisch relevanten Thema ästhetisch urteilen?
Man darf und man muss!
Dieser Film ist schlecht und alle Lobhudeleien sind nichts weiter als Ausfluss einer pseudoernsthaften Betroffenheitsdusselei, eines noch immer und zu Recht zentnerschweren Schuldkomplexes und einer völlig falsch verstandenen political correctness.
Das Drehbuch ist mies, wer ernsthaft den stümperhaft choreografierten und verbalisierten Verhören Sophie Scholls durch den Gestapomann zuhört, kann nichts anderes behaupten. Die Leistung der Schauspieler korrespondiert dem Script. Traurig!
Dabei ist das Thema so wichtig. Der deutsche Widerstand als marginale Bewegung wider den Zeitgeist. Wer hat den Mut, selbst auf Kosten des eigenen Lebens, sich der übermächtigen und unmenschlichen Gewalt entgegenzustellen. Ich bezweifle, dass ich ihn gehabt hätte '
Die einzig gute Szene sieht man zum Schluss: Es ist das Gesicht der Scholl, als man sie unter das Fallbeil schiebt. In Sekundenbruchteilen spiegeln sich hier Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Trauer. Es ist das Gesicht einer jungen Frau, die nicht sterben will, die ein Recht auf ein erfülltes und langes Leben hat. Ich muss angesichts des namenlosen und nackten Grauens schlucken, wenn ich dieser Szene gedenke '
Eine Szene macht aber noch keinen guten Film '
P.S. Ich habe diese wenigen Zeilen bereits vor sehr vielen Jahren hier veröffentlicht, als es noch keine negativen Bewertungen außer meiner gab - irgendwann hat man sie still und heimlich gelöscht! Warum?
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