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Sophie Scholl Biographie
 
 
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Sophie Scholl Biographie [Gebundene Ausgabe]

Barbara Beuys
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 3 (8. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446235051
  • ISBN-13: 978-3446235052
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 319.835 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Barbara Beuys
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"...ein atemberaubendes, erschütternd bewegendes Buch, in dessen Mittelpunkt Sophie Scholl ohne jede Verklärung steht." Wolf Peter Schnetz, Nürnberger Zeitung, 30.03.10 "Barbara Beuys ist mit dieser Biografie ein großer Wurf gelungen." Wolfgang Hädecke, Sächsische Zeitung, 03.04.10 "In einer großartigen Biografie entschlüsselt Barbara Beuys das Leben der Sophie Scholl" Johannes Tuchel, Die Welt, 20.03.10 "Ausführlickeit und Nachempfinden: Das sind die Qualitäten des Buches." Alexandra Kedves, Tages-Anzeiger, 11.06.10 "Beeindruckende Biographie." Damals, 12/10 (Platz 1 in der Rubrik "Biographien" des Wettbewerbs "Das Historische Buch 2010)

"Diese Sophie-Scholl-Biografie ist ein Ereignis: Sie ist nicht nur glänzend geschrieben, sondern öffnet auch neue Zugänge zum Verständnis der Widerstandskämpferin." Volker Ullrich, Die Zeit, 11.02.10 "Die bislang umfassendste Sophie-Scholl-Biografie. Sehr lesenswert." Christian Schröder, Der Tagesspiegel, 08.02.10 "'Freiheit. FREIHEIT.' Barbara Beuys ruft diese Botschaft auf eindrucksvolle Weise in Erinnerung." Dorion Weickmann, Süddeutsche Zeitung, 06.02.10 "Dies ist die wichtigste Neuerscheinung zum Thema Widerstand und NS-Geschichte. Alles, was man bis heute dazu (zu Sophie Scholl) wissen kann, steht in diesem großen Buch." Michael Grill, Abendzeitung, 22.02.10 "Man erfährt in dem faktenreichen, dicht und zugleich verständlich geschriebenen Buch vieles aus dem Innenleben einer ungewöhnlichen Familie." Angela Bachmair, Augsburger Allgemeine Zeitung, 22.02.10 "Barbara Beuys hat eine einfühlsame, dabei historisch und psychologisch informative, spannend zu lesende Biographie geschrieben." Silverster Lechner, Südwest Presse, 11.02.10 "Barbara Beuys´ überzeugende Biografie lichtet den mythischen Nebel um Sophie Scholl, ohne die Person zu demontieren." Ulrike Frenkel, Stuttgarter Zeitung, 13.03.10 "Die bislang umfassendste Sophie-Scholl-Biografie. Behutsam und überzeugend relativiert und korrigiert Barbara Beuys die Mythen, die sich um die zu Ikonen des Widerstands verklärten Geschwister Scholl ranken, schärft vor allem den Blick für Widersprüche und unbeantwortbare Fragen." Oliver Pfohlmann, Frankfurter Rundschau, 13.03.10 "In einer großartigen Biografie entschlüsselt Barbara Beuys das Leben der Sophie Scholl. Barbara Beuys spekuliert nicht, sie wägt die Quellen und Ereignisse miteinander ab und lässt den Leser an dieser Arbeit teilhaben. Diese Vorsicht macht das Buch zu einer herausragenden politischen Biografie." Johannes Tuchel, Die Welt, 20.03.10

Kurzbeschreibung

Sophie Scholl ist eine Ikone der deutschen Geschichte. Mit Flugblättern hatte sie es gewagt, die verbrecherische Politik Adolf Hitlers anzuklagen. Doch ihr Weg von der jugendlichen NS-Führerin zur entschiedenen Gegnerin des Nationalsozialismus war länger, widersprüchlicher und differenzierter als bisher dargestellt. Barbara Beuys hat Hunderte bisher unbekannte Dokumente gesichtet, die das Rückgrat der ersten umfassenden Biographie über Sophie Scholl bilden. Eingebettet in die farbige, historisch präzise Schilderung der Nazi-Herrschaft beschreibt sie meisterhaft die ganze Lebensspanne der Widerstandskämpferin der Weißen Rose.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Inzwischen habe ich dies Buch, das ein absolutes Wunschbuch war, zweimal gelesen. Barbara Beuys schreibt sehr ausführlich. Zieht man aber am Schluss des Buches ein Fazit, so ist man gewillt zu behaupten, daß viele Fakten in den Hintergrund geraten, weil Frau Beuys immer wieder die Gedankengänge und die Formulierungen der Briefe hinterfragt. Jeder Leser wird sich sein ganz eigenes Urteil bilden und vielleicht auch hinterfragen. Aber das muß die Autorin, die eine Biographie schreibt, nicht zusätzlich tun, zumal sich auf die vielen Fragen doch keine Antworten finden. Da wäre ich mit Fakten sinnvoller vorangekommen. Zudem finde ich es schade, daß viele Briefe der Sophie Scholl, die wirklich wichtig waren, gerade in ihrer Beziehung zu ihrem Freund Fritz Hartnagel, so auseinandergerissen wurden. Manchmal findet man nur einen einzelnen Satz aus einem Brief und das ist nicht ausreichend, um verstehen zu können, was in Sophie Scholl oder Fritz Hartnagel vorgegangen sein mag. Ich war geneigt, hypothetisch in meiner Denkweise zu werden, habe mich dann aber an mein Wissen gehalten, das ich mir aus früheren Büchern angeeignet hatte.

Erschreckend für mich, wie viele Fehler dies Buch aufweist. Mit dem Geburtsdatum der Sophie Scholl stehen wohl viele Autoren auf dem Kriegsfuß. Frau Beuys auch. Formulierungen aus Briefen wurden abgeändert. Warum? Und ein verheerender Fehler: Aus dem Wort Schweigen" wurde das Wort Schreiben" gemacht. Ich frage mich, ob es sich hierbei um einen Fehler während der Recherche handelt oder um einen Druck- bzw. Schreibfehler. Du machst uns viel Angst mit Deinem Schreiben" steht dort zu lesen. Richtig muß es aber heißen: Du machst uns viel Angst mit Deinem Schweigen", was ja auch sinnbildlich wichtig ist zu verstehen, denn der Fritz Hartnagel schwieg in einer Krise seiner Beziehung zu Sophie Scholl. Es kamen keine Briefe von ihm. Über solch einen Fehler wundere ich mich doch sehr und frage mich, wie das passieren kann.

Ein Fazit am Schluss. Einige Seiten weniger hätten es auch getan. Das viele Hinterfragen und die Meinung der Autorin waren überflüssig. Das sollte die Frau Beuys dem Leser selbst überlassen. Nur die Fakten und vielleicht ein bißchen ausführlicher ausgedruckte Briefe wären interessanter gewesen. Ich hatte während des Lesens so den Eindruck, als wolle sich die Autorin neben der Hauptperson, der Sophie Scholl zusätzlich ins rechte Licht rücken. Dies Buch enttäuscht wegen der vielen Fragen der Autorin, die doch keine Antworten zur Folge haben und der vielen, vielen Fehler. Inhaltlich ist es sicherlich wissenswert, und doch stehe ich dem kritisch gegenüber, weil mich die Arbeit der Autorin nicht überzeugt hat. Um diese Biographie interessanter und richtiger zu gestalten, würde sich eine Überarbeitung lohnen. Wer sich nicht so intensiv mit dem Leben der Sophie Scholl befassen möchte, und sich mehr auf Fakten stützen möchte, ist mit früheren Biographien oder den Büchern, in denen die Briefe komplett veröffentlich wurden, besser bedient.
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16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schade... 2. Juni 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Sophie Scholl (1921 - 1943) zählt zu den Lichtgestalten in der Finsternis des Faschismus; die Weiße Rose ist der Gegenentwurf zum braunen Schmutz der Nazi-Ideologie. Deshalb verdient diese einfühlsame und gescheite Biographie unser uneingeschränktes Interesse; es geht um das Drama des Erwachsenwerdens, um die Suche nach dem eigenen Weg, um die faszinierende Umkehr der jugendlichen NS-Führerin zur mutigen Widerstandskämpferin. Doch nach der aufmerksamen Lektüre legt der kundige Leser dieses Buch beiseite und seufzt: Schade, es wäre ein wahrhaft großartiges Buch geworden, wäre die Autorin nicht der Versuchung erlegen, aus Sophie Scholl eine Vorzeigeprotestantin zu machen. Die konfessionalistische Engführung wirkt störend. So fällt es nicht leicht, eine Rezension zu schreiben - eine kontroverstheologische Polemik drängt sich auf. Ich will den Streit um die Sache und um die Wahrheit nicht ausklammern.

Der Lieblingsgegner von Autorin Barbara Beuys ist der dezidierte Jungkatholik Otl Aicher; denn laut Beuys ging es ihm »nie um Schönheit, immer nur um Wahrheit - im christlich-katholischen Sinn.« Sie hält ihm sogar vor, dass er »alles Protestantische« von Sophie Scholl fern hielt. Die Frage sei erlaubt: War Sophie Scholl wirklich so unmündig, um sich von Otl Aicher bevormunden zu lassen? Oder weiß Beuys nicht, dass in Carl Muths Zeitschrift »Hochland« das Thema »Begegnung der Konfessionen« immer wieder aufgegriffen wurde? Entscheidend ist freilich, dass Otl Aicher seiner Weggefährtin Sophie Scholl den Weg zu Augustinus, dem leidenschaftlichen Gottsucher, eröffnete.

Nach meiner Deutung ist Karfreitag 1941 der Umschlagspunkt in der Lebensgeschichte von Sophie Scholl: »Heute abend (...) sah ich durch's Fenster den Abendhimmel. Da fiel mir plötzlich ein, daß Karfreitag war. Der so seltsam ferne, gleichmütige Himmel machte mich traurig. Oder die vielen lachenden Menschen, die so beziehungslos zu dem Himmel waren.« Barbara Beuys sieht nicht, wie dieses innere Erlebnis für Sophie Scholl die entscheidende Wende markiert, wenn sie kommentiert: »Aber jetzt sind Gefühle fehl am Platz. Disziplin ist angesagt und Beschäftigung mit den heiligen Texten.« Indes: Disziplin und Lektüre allein beschäftigen den Geist nur, sie formen ihn nicht. So ist Sophie Scholl auf der Suche nach den Spuren des Göttlichen. Am 4. November 1941 schreibt sie in ihr Tagebuch: »Ich war Samstag nachmittag in der Kirche. (...) Es war ganz leer. Es ist eine kleine bunte Kapelle. Ich versuchte zu beten. Ich kniete hin und versuchte zu beten.« Am 12. Dezember 1941 beginnt sie ihre Tagebuchnotiz mit Psalm 13: »Gib Licht meinen Augen, oder ich entschlafe des Todes...« Die Epiphanie an Karfreitag 1941, so denke ich, war für Sophie Scholl nicht nur ein punktuelles Ereignis, sondern es begann damit auch ein mühsamer Weg. Hier gelingen Barbara Beuys immer wieder großartige Sätze, wenn sie diese quälende Sinnsuche von Sophie Scholl auf den Punkt bringt: »Sophie Scholl wird gebeutelt vom uralten Dualismus zwischen Geist und Fleisch, Leib und Seele, Verstand und Herz.«

Aufschlussreich ist das Kapitel über die Bewegung »renouveau catholique«, zu der u.a. Schriftsteller und Gelehrte wie Georges Bernanos, Paul Claudel, Francis Jammes und Jacques Maritain gehörten. Im Juni 1940 konnte Hans Scholl in Frankreich die beiden Bernanos-Bücher »Sous le soleil...« und »Journal d'un curé de campagne« erwerben. Monate später schlug er die deutsche Bernanos-Ausgabe »Tagebuch eines Landpfarrers« zur gemeinsamen Lektüre vor. Hier bauten nun Otl Aicher und die Geschwister Scholl an einer gemeinsamen tragfähigen Brücke des Geistes gegen den Ungeist ihrer Zeit. Die folgenden Beuys-Sätze freilich müssen in Gänze zitiert werden; denn sie schreibt: »Dafür wird der Schluss von >Tagebuch eines Landpfarrers< dem protestantischen Glaubensverständnis der Scholl-Geschwister sehr vertraut gewesen sein. Der schwerkranke Landpfarrer, der das Böse als eine mächtige und reale Kraft erlebte und mit Gebet und Demut bekämpfte, nimmt alle Kraft zusammen, um mit seinen letzten Worten die Summe seines Lebens und Sterbens zu ziehen: >Alles ist Gnade.< Martin Luther hätte es nicht besser sagen können.« Man hält beim Lesen inne und wünscht sich, Autorin Beuys würde mitunter ihre Quellen angeben! Vernehmlich gesagt: >Tout c'est la grace< - das ist Wort für Wort die Summe des Glaubens der katholischen Heiligen Thérèse de Lisieux (1873 - 1897). Georges Bernanos war mit ihrer Lebensgeschichte sehr vertraut; mehrfach hatte er ihre Autobiographie »Histoire d'une âme« gelesen. Mit dem Schlusssatz seines »Tagebuchs eines Landpfarrers« nahm er explizit Bezug auf diesen berühmten Satz seiner Lieblingsheiligen.

Immer wieder stören Fehler, wenn Beuys Wertungen über die christlichen Konfessionen abgibt. So heißt es über Theodor Haecker, dass er nach seiner Konversion zum Katholizismus 1921 Kierkegaard übersetzte. Richtig ist vielmehr, dass Haecker ab 1921 überwiegend Bücher von John Henry Newman ins Deutsche übertrug. Schon seit 1913 hatte Haecker nachweislich Kierkegaard übersetzt. Der Überschritt Theodor Haeckers von der feurigen Leidenschaft eines Kierkegaard hin zur reifen Besonnenheit eines John Henry Newman muss Barbara Beuys fremd bleiben.

»Der ferne, der verborgene Gott wurde zur Grundlage von Luthers Glauben und Theologie« - auch in diesen Kontext wird Sophie Scholls Gläubigkeit gestellt; dabei wird freilich die Dialektik von Nähe und Ferne übergangen. Es wird zwar Carl Muth zitiert, der am 2. Januar 1942 über Sophie Scholl und das Grabtuch von Turin schreibt. »Noch nie hat sich ein Betrachter so vertieft, wie heute Sophie Scholl. Sie scheint ein sehr innerliches und ernstes Mädchen zu sein.« Aber Sophie Scholls eigene Worte werden dem Leser vorenthalten; denn sie wunderte sich ihrem Bruder Hans gegenüber, »dass das Bild nicht mehr Aufsehen erregt.« Sie fuhr fort: »Denn ein Christ muss doch darin Gottes Angesicht sehen, mit leiblichen Augen. Das ist ungeheuer.« Ja, es ist ungeheuer, wenn hier ein Originalzitat einfach beiseite geschoben wird, wenn es nicht ins vorgefertigte Bild passt. Sophies Jugendfreundin Susanne Hirzel erinnert sich so: »Sie war mit den Jahren beinahe katholisch geworden, so überkandidelt religiös, sonst hätte sie das auch nicht machen können.« Wenn Beuys die ungeschützte These vertritt, dass kaum ein Theologe Augustinus so beim Wort genommen hat wie Martin Luther, dann hält man beim Lesen wiederum inne. Die »Bekenntnisse« des Augustinus sind ein Dokument der Innenschau; er hatte gute Gründe, vor dem Abgrund der eigenen Seele zurückzuschrecken. Aufgrund dieser Einsicht war die Kirche für Augustinus das Volk und das Haus Gottes; sie konnte den Absturz in den eigenen Seelengrund bannen.

Für den historisch gebildeten Leser wäre es hilfreich, hätte Beuys auch ihre Quellen angegeben. Zwar wird im Anhang eine sehr umfangreiche Literaturliste angeführt, aber es ist offenkundig, dass sich die Autorin nur in Ausnahmefällen damit auch befasste. Es bleibt mein Fazit: Schade! Eine einzigartige Chance wurde leider vergeben...
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68 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von nugavio
Format:Gebundene Ausgabe
"Geschichte ist ungerecht", hat einmal ein ehem. Mitglied der "Weissen Rose" gesagt : Traute Lafrenz. Hat man dieses Buch gelesen, ist man nicht abgeneigt, ihr aus vollem Herzen zuzustimmen.
Zunächst einmal ist prinzipiell jede Publikation über Sophie Scholl und die "Weisse Rose" überhaupt zu begrüßen - von allem, was dienlich ist, diese außergewöhnlich ernsthafte, reflektierende, wache junge Frau und ihre ebenso faszinierenden Freunde im kollektiven Gedächtnis zu bewahren.

Genau hier liegt aber auch das Problem : Schon wieder ein Buch ausschließlich über Sophie Scholl!

Man mag die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ob der historischen Ignoranz des Verlages - es hilft nichts. Dieses (vollkommen überteuerte!) Werk reiht sich in die Reihe der Bücher (und des Films) ein, die bereits über Sophie Scholl veröffentlicht worden sind : Briefe, Auszüge aus den Tagebüchern, Interviews mit Zeitzeugen, Monographien, Jugendbücher usw.
Hinzu kommt, daß auch diejenigen Werke, die sich mit der gesamten Geschichte der "Weissen Rose" beschäftigen, den Schwerpunkt immer schon hauptsächlich, z.T. fast ausschließlich auf die Scholl-Familie gelegt haben.
Wie sich die Angehörigen und Nachkommen der Familien Probst, Huber, Graf, Schmorell usw. hierbei fühlen - man mag es nur erahnen.

Wenn das Buch denn wenigstens weltbewegend Neues bieten würde!
GENAU DIESES TUT ES NICHT!
Als "umfassend recherchierte" oder als die "abschließende, alles sagende Biographie" über Sophie taugt dieses Werk nicht.
Gerade einmal drei relativ uninteressante Bildchen sind vorher noch nicht veröffentlicht worden (auf einem ist Sophie gerade einmal als Silhouette erkennbar) und ansonsten ist nichts wirklich Neues dabei, was meines Wissens nach nicht eh schon im Kanon der "Weissen Rose"-Literatur in irgendeiner Weise nachzulesen oder in den Dokumentarfilmen zu sehen ist. Das wenig Neue rechtfertig meines Erachtens nach nicht eine erneute, alleinige Biographie über Sophie.

Nachtrag zu den Bildern :
Wenn die Autorin besser recherchiert hätte! Der Film "DIE WIDERSTÄNDIGEN" macht überdeutlich, wieviel unveröffentlichtes Fotomaterial es über die "Weisse Rose" neben den gut bekannten, ja, berühmten Bildern gibt - nicht ein einziges davon fand Eingang in dieses Buch !!!
Hinzu kommt, daß Frau Beuys sehr viel schreibt und noch mehr behauptet, daß aber die QUELLENANGABEN äußerst wirr anmuten und unvollstänig wirken.
Außer mit der wunderbaren und couragierten Susanne Hirzel hat die Autorin mit KEINEM ZEITZEUGEN gesprochen!!!
Das ist für mich unvorstellbar und nicht nachzuvollziehen!

Wie es sich für eine ehem. Redakteurin beim "Stern" und bei der "Zeit" gehört, geht Frau Beuys äußerst penetrant-kritisch mit der Affinität der Geschwister Scholl zum Katholizismus um.
Frau Beuys insinuiert, daß die beiden sich nur deswegen von der katholischen Kirche angezogen gefühlt hätten, weil sie niemals mit protestantischen Vorbildern wie Bonhoeffer oder Barth bekannt geworden wären... Ach ja ??!
Man könnte hier kurz gegenfragen : Wo sind solche Menschen im großen, großen Umkreis der Scholls gewesen??? Gab es sie ?!?
Es ist überaus müßig, vielleicht auch gewagt, hier etwa auf die bloße Existenz der sog. protestantischen "Deutschen Christen" allein hinzuweisen ---
Allzu schnell wird deutlich, wohin solche Umschreibungen der Geschichte und schablonenhafte Überlegungen führen : Sie sind rein spekulativ und fragwürdig, sollen nur dazu dienen, den Lesern die Weltanschauung des Schreibers (der Schreiberin) deutlich zu machen, bzw. aufzudrücken. Und so geht es lehrerinnenhaft weiter :
Willi Graf wird kurz, schnell und pflichtgemäß als kritischer Katholik charakterisiert und als Beleg wird eine Briefstelle herangezogen (eine einzige von sovielen!), in der es ihm um das Christentum allgemein geht. Daß er regelmäßig, nahezu täglich die Hl. Messe besucht hat, wird klammheimlich unter den Tisch gefegt.
Und auch die dramatischen Geschehnisse kurz vor der Hinrichtung der beiden Geschwister wertet die Autorin in die Richtung, daß die Scholls angeblich nur konvertieren gewollt hätten, weil Christoph Probst sich kurz vor seinem grausamen Ende hatte kath. taufen lassen und sie mit ihm gemeinsam die Hl. Kommunion empfangen wollten. Die beiden hätten sich dann aber doch ganz bewußt für den Protestantismus entschieden - wie kann frau angesichts so einer Extremsituation zu solchen Schlußfolgerungen kommen? Den Tod vor Augen, die evangelische Mutter vor Augen, welche über einen Wechsel tief verletzt gewesen wäre und sich darüber sogar in Gegenwart der todgeweihten Geschwister befremdet gezeigt hat?
Zudem hätte die Autorin hier ein wenig psychologisches Fingerspitzengefühl beweisen können und die Ernsthaftigkeit und die geistige Reife und den bisherigen Weg der Geschwister berücksichtigen müssen, bevor sie zu solchen Sch(l)üssen kommt.
Es geht mir nicht darum, für die eine oder andere Kirche Partei zu nehmen (die Mitglieder der Weissen Rose haben vorbildlich ökumenisch gehandelt), sondern möchte ich deutlich machen, wie problematisch es ist, wenn jemand die Geschichte nur aus seiner eigenen, engen Sicht zu sehen vermag und dieses so, fröhlich auf dem Zeitgeist surfend, unter die Leute bringt.

Und eben WEIL die "Weisse Rose" so ökumenisch gehandelt hat, finde ich es verwerflich, nachträglich mit solch fragwürdigen Unterstellungen einen weltanschaulichen Keil hineinzutreiben - wie Frau Beuys es tut.

Alles in allem lohnt der Kauf dieses teuren Buches also nicht.
Interessierte mögen sich an das gut recherchierte (und günstigere!) Taschenbuch von Barbara Leisner halten, an "Das kurze Leben der Sophie Scholl" von Hermann Vinke (dies besonders für Jugendliche), oder an die Briefwechsel der Widerstandskämpferin - herausgegeben von Inge Jens.
Zu empfehlen für die Gesamtgeschichte der "Weissen Rose" sind die Bücher von Richard Hanser ("Deutschland zuliebe" - alt, aber nach wie vor sehr umfassend recherchiert) und die rororo-Monographie von Harald Steffen - und dann auch wieder die oft nur SELBSTVERLEGTEN Bücher über Probst (zu beziehen über das Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching), Graf und Huber.
Über Hans Scholl ist noch überhaupt kein Einzelwerk auf Deutsch erschienen! Ebenso wenig über Alexander Schmorell - in der russisch-orthodoxen Kirche wird er wie ein Heiliger verehrt.
!!! Die beiden letzteren sind außerdem die Initiatoren der Weissen Rose gewesen !!!

Dazu muß man nicht mehr sagen -
Peinlich für den Hanser-Verlag.
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