Sophie Dorothea - ein höfischer Skandal. Dieser Untertitel vor allem hat meine Neugierde geweckt.
Was steckt hinter dem Fall der Kurprinzessin von Hannover? Was hat sie verbrochen, dass sie lebenslang gefangen gehalten wurde, ihre Kinder nicht mehr sehen durfte, ja als "persona non grata" bei Hofe und in der Historie totgeschwiegen wurde?
Mord, Freiheitsberaubung, Zeugenbestechung, Vernichtung von Akten - ein Kriminalfall in höchsten Kreisen!
Der Tübinger Literaturwissenschaftler Jürgen Walter deckt in seinem akribisch recherchierten Buch nicht nur die Hintergründe des Skandals auf. Er schildert einfühlsam und spannend dieses Frauenschicksal in der Barockzeit. Der Leser fühlt und leidet mit der Prinzessin, deren einzige Verfehlung es war, den falschen Mann geliebt zu haben. Er teilt ihre Ängste um den spurlos verschwundenen Geliebten - ist er ermordert worden? - und ihre Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihren Kindern und auf die Freiheit, die sie niemals wieder erlangen wird.
Erst im 20. Jahrhundert haben Historiker den Kriminalfall Graf Königsmarck und Sophie Dorothea wieder aufgerollt und neue Indizien und Beweise gefunden. Jürgen Walter greift die gewonnenen Erkenntnisse und Fakten auf und beleuchtet die Ereignisse des 17. Jahrhunderts aus heutiger Sicht.
Die Geschichte eines gescheiterten Emanzipationsversuchs aus höfischen Zwängen hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Jürgen Walters Buch liest sich wie ein spannender Krimi und ist doch bittere Wahrheit - heute so aktuell wie damals.