Diese Rezension enthält minimale Spoiler. Wer das Spiel noch nicht durch hat, kann sie aber trotzdem getrost lesen, da nichts von der Story verraten wird.
Ich bin eigentlich jemand, den Spiele meistens nicht lange fesseln. Nicht so bei Uncharted: Golden Abyss. Schon am ersten Tag bannte mich das Spiel mehrere Stunden vor die PSV. Was man hier in den Händen hält, ist eines der besten Handheld-Games, die ich seit langem (durch)gespielt habe. Doch gehen wir mal auf die Einzelheiten ein...
GRAFIK:
Schon visuell weiß dieses Spiel von Anfang an zu überzeugen. Natürlich entspricht die Grafik nicht der Hauptreihe auf der PS3, sie ist dennoch atemberaubend gut. Wer hier meckert, der meckert auf sehr hohem Niveau. Mir ist es öfter passiert, dass ich mich mehr auf die Landschaft konzentriert habe, als auf das eigentliche Geschehen. Es sieht einfach nur geil aus, anders kann man es nicht ausdrücken. Grafikfehler konnte ich nicht feststellen, und auch ansonsten sind mir keine Patzer aufgefallen, wo man sagen könnte "Das sieht jetzt aber nicht gut aus". Egal ob Pflanzen, Berge, Tempel, Wasser, Feuer - es sieht einfach alles super aus. Auch die Charaktere sind schön gestaltet, über kleine Mängel wie etwas seltsam aussehende Augen kann man leicht hinwegsehen.
SOUND:
Die musikalische Untermalung ist ebenfalls sehr gut, und reicht von orchestralen Klängen bis zu altertümlichen Männerchören. Meistens fällt die Musik gar nicht auf, da sie immer sehr gut zur jeweiligen Situation passt, und sich nicht aufdrängt. Hier wurde alles richtig gemacht. Die Sprachausgabe ist auch top, alles ist klar verständlich, und die Synchronsprecher haben einen guten Job gemacht.
STEUERUNG:
Die Steuerung ging mir nach kurzer Eingewöhnungszeit butterweich von der Hand. Hier merkt man einfach die Vorzüge der PSV gegenüber der PSP. Die Kamera lässt sich in den meisten Situationen mit dem rechten Analogstick frei drehen, während man Drake mit dem linken Analogstick steuert. Waffen werden einfach über den Touchscreen aufgesammelt, auch nachladen kann man sie damit - geht aber auch, wenn man das Steuerkreuz nach unten drückt. Die meisten Klettereien und Sprünge werden ganz herkömmlich mit den Buttons abgewickelt, knifflige Sprünge kann man wahlweise auch mit dem Touchscreen erledigen, was ich vor allem bei sehr weiten Sprüngen und Sprüngen an Seile genutzt habe. Einfach die Stelle auf dem Touchscreen antippen, an die Drake springen soll, und er legt los.
Auch Gegner lassen sich lautlos über den Touchscreen ausschalten. Sobald man nah genug dran ist, erscheint ein Symbol, mit dem man sie erledigen kann. Der Touchscreen wird außerdem für viele andere Dinge verwendet, z. B. um Kohleabdrücke von diversen Artefakten zu machen, Dinge zu reinigen, zu paddeln oder Rätsel zu lösen. Auch bei speziellen Kämpfen wird er genutzt. Da der Touchscreen sehr präzise reagiert, hatte ich nie Probleme damit.
Das Spiel macht ebenfalls Gebrauch vom Touchpad auf der Rückseite der PSV, vor allem um gefundene Gegenstände zum Reinigen zu drehen. Das funktioniert mehr oder weniger gut, jedoch lange nicht so präzise wie der Touchscreen.
Die Neigungssensoren der PSV werden auch genutzt, und zwar, um beim Balancieren über Planken, Baumstämme etc. das Gleichgewicht zu halten. Hier hatte ich das ganze Spiel über massive Probleme - nicht wegen der Steuerung ansich, sondern weil ich die PSV irgendwie immer in die falsche Richtung geneigt habe. Da war ich aber wohl einfach nur zu blöd.
Sogar die Kamera wird an einer Stelle im Spiel genutzt, mehr verrate ich an dieser Stelle nicht.
Ansonsten funktioniert die Steuerung reibungslos, es ist praktisch fast unmöglich, irgendwo daneben zu springen, oder abzustürzen, da Drake z. B. gar nicht loslässt, wenn sich unter ihm nichts befindet. Es ist lediglich möglich, irgendwo drüberzuspringen, wo danach nichts mehr kommt, aber da ist man dann wirklich selbst schuld. Kein Vergleich z. B. zu alten Tomb Raider Titeln, in denen einen die ungenaue Steuerung schonmal in den Wahnsinn treiben konnte. Drake wird fast schon magnetisch von Vorsprüngen etc. angezogen.
GAMEPLAY ALLGEMEIN:
Mit Uncharted: Golden Abyss bekommt man einen abwechslungsreichen Mix aus Action und Rätseln präsentiert. Nebenbei kann man noch tonnenweise Schätze sammeln, was allerdings sehr zeitaufwändig ist. Ich habe auf meinem Weg durch das Spiel nur einen Bruchteil der Schätze, Fotos etc. gefunden, obwohl ich sehr aufmerksam war. Wer hier wirklich alles finden will, der sollte viel Zeit und Geduld mitbringen. Zum Glück ist es aber kein Zwang, all die Fotos zu schießen und all die Schätze zu sammeln.
Die Rätsel sind allesamt sehr leicht, bieten aber eine nette Abwechslung zum Geballere. Es gibt auch sehr viele Zwischensequenzen, in denen viel geredet wird. Sollte einem das mal zu viel werden, lassen sie sich auch überspringen.
Drake ist im Spiel fast nie alleine unterwegs, sondern mit wechselnden Partnern, was eine gewisse Frische ins Spiel bringt, da sich die beiden ständig unterhalten, und lockere Sprüche vom Stapel lassen.
Die Kämpfe sind nie unfair, und das Waffenarsenal ganz ordentlich. Drake kann eine Faustfeuerwaffe und eine größere Waffe bei sich tragen - also immer nur 2 Schusswaffen zur selben Zeit. Stellenweise kann man auch tragbare Geschütze aufsammeln, die nicht als tragbare Waffe gelten, da man sie nicht wegstecken kann, und Drake sich damit nur sehr langsam vorwärts bewegt (kennt man aus Spielen wie Gears Of War). Wer einem damit allerdings ins Visier gerät, der hat nichts zu lachen. Auch Handgranaten kann man aufsammeln und mittels Touchscreen punktgenau den Gegnern vor die Füße werfen. Und sollte es mal nicht anders gehen, kann man sich mit den Gegnern auch Faustkämpfe liefern, die ebenfalls über den Touchscreen gesteuert werden.
Gegen Ende des Spiels steigt der Action-Level rasant an, und man kommt sich vor wie im Krieg. Es macht aber großen Spaß, die bösen Schergen haufenweise wegzuputzen.
Das Spiel speichert automatisch, man bekommt davon nichts mit (es gibt kein Speichersymbol). Wenn man aufhört und dann neu lädt, ist man aber nie weit von dem Punkt entfernt, an dem man beendet hat. Auch die Checkpoints sind sehr fair gesetzt, nach Drakes Ableben - aus welchem Grund auch immer - muss man nur kurze Bereiche nochmals absolvieren.
Was die oft bemängelte kurze Spielzeit angeht: Ich habe für das Spiel schätzungsweise etwa 10 Stunden gebraucht, und das finde ich in Ordnung. Wer wie gesagt wirklich ALLES finden will, der wird deutlich länger beschäftigt sein.
FAZIT:
Mit diesem Spiel wurde meiner Meinung nach alles richtig gemacht, mir fallen keine Kritikpunkte ein. Es ist vielleicht momentan noch etwas teuer, aber ich finde, dass es schon jetzt seinen Preis wert ist. Ich bin erstaunt, was man heutzutage alles auf so eine winzige Speicherkarte quetschen kann - mitsamt langen Ingame-Zwischensequenzen und mehr als umfangreicher Sprachausgabe. Und das ist erst der Anfang, die PSV steckt ja noch in den Kinderschuhen, und ich freue mich schon auf weitere Teile der Uncharted-Reihe :)