Freunde der Lightgun-Knallerei werden todsicher den Namen Time Crisis bereits vernommen haben. Auch wenn dieses (sehr) unkomplizierte Genre in den letzten Jahren immer mehr Marktanteile, sprich deutlich an Boden verloren haben dürfte, erreicht uns Europäer hin und wieder doch noch ein solch unkomplizierter Ballerspaß. Nicht zuletzt aufgrund der doch zumindest zarten Erfolge der beiden Vorgängerteile sah sich Namco mehr oder weniger genötigt, auch noch einen dritten Teil herauszubringen, welcher völlig überraschend auf den Namen Time Crisis 3 getauft wurde und meines Wissens nach exklusiv für die Sony Playstation 3 erschien. Die Vor- und Nachteile dieses PS2-Titels dies möchte ich gleich zu Beginn quasi vorwegnehmen sind denen der beiden Vorgänger frappierend ähnlich: dem hohen Actiongehalt, schnellen möglichen Einstieg und vor allem nicht zu unterschätzenden Funfaktor steht eine ultrakurze Spielzeit gegenüber, welche für arge Defizite hinsichtlich der Langlebigkeit bzw. Langzeitmotivation sorgt. Daran können auch die grundsolide Präsentation und kinderleichte Handhabung (was aber nicht heißen soll, dass der Schwierigkeitsgrad niedrig ausgefallen ist) nichts ändern, lediglich die Tatsache, dass ein Zweispielermodus Berücksichtigung fand, bietet etwas Trost. Aber eben nur etwas. Für Solisten wurde seinerzeit im Jahr 2002 einfach zu wenig für ihr Geld geboten, wie ich zumindest fand, heute relativiert sich das Ganze im Hinblick auf Preis-Leistung natürlich erheblich, da dieses Game mittlerweile schon erheblich preiswerter zu haben sein dürfte. Der Action- und auch Brutalitätsgehalt (und somit für viele von uns damit auch Fungehalt) ist hier bei Time Crisis 3 im Übrigen nicht gerade gering, was den ein oder anderen von uns für die kurze Spieldauer entschädigen dürfte, dass eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erfolgte, war demnach nicht gerade selbstverständlich.
Die Rahmenhandlung dieses Lightgun-Spektakels ist wie eigentlich zu erwarten war eher nebensächlich, ihr wohnt keine besondere Bedeutung inne. Das Geschehen spielt sich auf einer Insel im Mittelmeer ab, welche sich urplötzlich finsteren Schergen einer bitterbösen macht gegenübersieht, welche offensichtlich die unverzügliche Invasion der Insel in die Wege leiten wollen. Da wir natürlich auf der Seite der Guten stehen, wehren wir uns wild entschlossen und setzen uns energisch zur Wehr. Zu begrüßen ist auf alle Fälle die Tatsache, dass wir uns tatsächlich zu zweit gleichzeitig ins Getümmel stürzen dürfen, was ordentlich viel Spielspaß verspricht. Dies ist möglich sowohl zu zweit auf einem geteilten Bildschirm im Splitscreen-Modus als auch mittels Link-Kabel über zwei Konsolen, ansonsten steht Euch (dem Solospieler) der Computer zur Seite. Leider ist der Bildschirmausschnitt im Splitscreen-Modus viel zu klein aufgefallen, der Koop-Modus befindet sich zumindest auf gewöhnlichen Fernsehern an der Grenze zur Unspielbarkeit, hier ist ein sehr großer Fernseher praktisch Pflicht, was ja eigentlich nicht unbedingt Sinn der Sache sein kann, wie ich finde. Dies muss definitiv als (empfindlicher) Schwachpunkt dieses PS2-Games festgehalten werden, denn schließlich profitiert solch eine Lightgun-Ballerei wie eben diese hier speziell vom Mehrspielerspaß und der geht eben aufgrund des viel zu kleinen Bildschirmausschnitts nahezu vollständig flöten. Sowohl für Solo- als auch Multiplayermodus gilt auf jeden Fall, dass der Schwierigkeitsgrad ziemlich happig ausgefallen ist, soll heißen dass Ihr Euch fast serienmäßig eine blutige Nase abholen werdet. Dass auf diese Art und Weise die (eigentlich ultrakurze) Spieldauer künstlich in die Länge gezogen wird, schmeckt mir persönlich eigentlich gar nicht. Wieder und wieder und immer wieder im letzten Augenblick aufgrund der chronisch zahlenmäßigen Überlegenheit der CPU-Ganoven doch das Zeitliche segnen und qualvoll ins Gras beißen zu müssen, entfacht auf Dauer nicht gerade Begeisterungsstürme in mir.
Nun wird es allerdings Zeit, zu den positiven Gesichtspunkten zu kommen, schließlich sind kurze Spieldauer, überzogener Schwierigkeitsgrad und zu kleiner Bildschirmausschnitt beim Splitscreen-Modus dann (zum Glück) die einzigen derben Mängel. Was meines Erachtens dann aber auch genug sein sollte. Wir erfreuen uns jedenfalls daran, dass wir es nicht mit einem stupiden Ballerspiel zu tun haben, in welchem bis zur Besinnungslosigkeit einfach wild umhergeschossen wird, sondern vielmehr gezielte (Kopf-) Schüsse gefragt sind. Dass dies angesichts der feindlichen Horden, die sich auf uns stürzen, nicht gerade leicht ist, vermag sich jeder von uns sicher gut vorstellen. Wichtig ist, den Munitionsvorrat bzw. die noch verbliebenen Patronen im Auge zu behalten. Schnell heißt es dann, in Deckung zu gehen und in Windeseile nachzuladen, bevor Ihr wieder auftaucht und dem feindlichen Gesocks erneut (hoffentlich) Saures gebt. Die Computergegner sind hier bei Time Crisis 3 nämlich wahrlich nicht auf den Kopf gefallen, sie agieren oft sehr intelligent, was das Ganze natürlich noch weiter erschwert. Es liegt also nicht nur an der numerischen Überlegenheit des Feindes, dass Ihr ins Schwitzen kommt, sondern auch an dessen Verhalten, Letzteres halte ich für absolut begrüßenswert, nur die Anzahl der Feinde hätte man eben nur ruhig etwas herunterschrauben können. Meiner Meinung nach zumindest. Manche Gegner möchten Euch nur allzu gerne in den Nahkampf verwickeln und Euch mit scharfem Messer an die Wäsche, andere bevorzugen hingegen die sichere Entfernung und gehen mit ihrem Raketenwerfer in Stellung. An der Farbgebung der Feinde erkennt Ihr im Übrigen, mit wem Ihr es genau zu tun habt: die gelb unterlegten Feinde sorgen im Falle des erfolgreichen Eliminierens für wichtigen Munitionsnachschub, die blauen verstehen sich auf die eben erwähnten Messer im Nahkampf und Raketenwerfer im Fernkampf, die orangefarbenen erweisen sich als äußerst robust und können erschreckend viel einstecken und die roten schließlich fungieren als talentierte Scharfschützen, leicht wird es uns wahrlich nicht gemacht.
Da ist es fast schon Pflicht, dass auch wir auf mehr als nur unsere Standardwaffe zurückgreifen können. Neu im Gegensatz zu den beiden Vorgängern ist die Tatsache, dass nicht nur unsere Pistole zur Anwendung kommt, sondern zudem Schrotflinte, MG und Granatwerfer, na immerhin etwas. Für den Fall, das Ihr schnell die Waffe wechseln sollt, müsst Ihr natürlich kurz in Deckung gehen, da Euch unentwegt die feindlichen Geschosse um die Ohren fliegen und Ihr keinen Bruchteil einer Sekunde ungeschützt im freien Gelände verweilen dürft. Solltet Ihr es tatsächlich geschafft haben, die komplette Mission erfolgreich zu bewältigen, dürft Ihr nachdem Ihr Euch selber auf die Schulter geklopft habt, versteht sich Euch einem Spezialauftrag als weibliche Protagonistin widmen, die in der Folgezeit nicht nur unentwegt Feinde niederstrecken sondern auch peinlichst genau darauf achten muss, nicht aus Versehen unschuldige Zivilisten abzumurksen. Ab und an dürfen wir mit ihr als begabte Scharfschützin zu Werke gehen, was für willkommene Abwechslung im Lightgun-Alltag sorgt. Schließlich warten noch vierzig Mini-Missionen auf uns, welche uns die Erfolgsbedingungen (zum Bestehen einer Mission) streng vorgeben: in diesen kommt es in der Regel darauf an, alles in Grund und Boden zu schießen ohne sich selbst auch nur einen einzigen Treffer einzufangen. Diese Krisenmissionen sind allerdings teils sehr schwer zu bewältigen, macht Euch hier auf einige sehr knackige Aufträge gefasst. Lasst Euch jedenfalls durch die drei verschiedenen Modi (Haupthandlung, Nebenmission, Miniaufträge) nicht täuschen: je nach Begabung und Durchhaltevermögen beträgt die Spieldauer zumindest im Solospielermodus nur mickrige 2 bis maximal 4 Stunden. Das ist nicht gerade viel, denke ich. Da der Zweispielermodus aufgrund des bereits erwähnten zu kleinen Bildschirmausschnitts nicht das Gelbe vom Ei ist, hält sich (trotz der vielen freispielbaren Extras) die Langzeitmotivation in Grenzen, wenn auch nicht von der Hand zu weisen ist, dass man dieses sehr unkomplizierte Ballerspiel gerne einmal wieder hervorkramt, um sich kurzzeitig unterhalten zu lassen. Vorausgesetzt, man kommt mit dem leicht überzogenen Schwierigkeitsgrad klar, versteht sich.
An der Präsentation gibt es grundsätzlich nichts zu bemängeln außer der Tatsache vielleicht, dass sonderlich Spektakuläres es nicht zu bestaunen gibt. Die unterschiedlichen Spielgebiete sind abwechslungsreich gestaltet, zahlreiche Spezialeffekte (Mündungsfeuer, Explosion, Rauch) erfreuen das Auge, die Figuren sind angenehm groß gezeichnet und verfügen auch über ansprechende Animationen und auch die Hintergründe sehen größtenteils ganz ordentlich aus, wenn sie auch oft besonders detaillierte Zeichnungen vermissen lassen. Letzteres fällt aber in der Regel nur dem Zuschauer auf, da man selbst viel zu sehr in die pausenlose Action verwickelt ist, als dass man die Spielumgebung in aller Seelenruhe betrachten könnte. Von der Soundkulisse hatte ich mir mehr Abwechslung erhofft, sowohl was den Soundtrack als auch was insbesondere die Soundeffekte angeht.
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