Beim Vernehmen des Namens Shinobi bekommen alte Action-Haudegen man erinnere sich (wenn auch nicht unbedingt jeder von uns) der Knallergames Ende der 80er und Anfang der 90er zu Zeiten des Sega Mega Drives und Master Systems glänzende Augen. Ob man jene Shinobi-Games denn nun als reine Actionspiele oder vielmehr actionreiche Jump and Runs bezeichnen möchte, lasse ich jetzt einmal dahingestellt. Eines war jenen herausragenden Ninja-Abenteuer auf jeden Fall gemeinsam: ein überaus knackiger Schwierigkeitsgrad, an dem sich die überwältigende Mehrheit aller Normalsterblichen die Zähne ausbeißen würde.
Im Fall von Shinobi für die Sony Playstation 2 verhält es sich anders. In vielerlei Hinsicht. Die gute Nachricht: es gibt bei dieser Pal-Version einen niedrigen Schwierigkeitsgrad. Dies dürft Ihr allerdings im vorliegenden Fall nicht fehlinterpretieren, denn leicht heißt hier: für Normalsterbliche eventuell machbar. Knackig sind die Anforderungen trotzdem, nur damit wir uns richtig verstehen. Und nun die schlechte Nachricht: an die Klasse jener herausragenden Module aus (eingangs erwähnter) längst vergangener Zeit reicht diese PS2-Scheibe nicht heran. Zumindest nicht ganz, denn sehr ordentlich ist Shinobi für Sonys 128-Bit-Kasten trotzdem. Ein Multiplayermodus fand leider keine Berücksichtigung.
Wir metzeln und schnetzeln uns als hochtalentierter Ninja durch insgesamt acht Welten, die jeweils in zwei Level unterteilt sind. In den knackigen Spielabschnitten stellen sich Heerscharen an fiesen Samurais, zombifizierten Ninjas, blutrünstige Höllenhunde und sonstige arg mutierte Abarten in den Weg. Sollten wir uns tatsächlich erfolgreich durchgekämpft haben, wartet auf uns am Ende eines Abschnitts ein besonders übler Zwischengegner, der uns das Leben noch schwerer macht. Wichtig ist es dabei, in den Leveln nach den gut versteckten Goldmünzen Ausschau zu halten, denn am jeweiligen Ende eines Spielabschnitts wird ein Kassensturz gemacht, im Klartext: Bonuscharaktere warten darauf, von uns entdeckt bzw. freigeschaltet zu werden. Darüber hinaus erfolgt regelmäßig eine Statistik, in der Ihr Eure Punktstatistik einsehen könnt. Ausschlaggebend hierbei sind die Zeit, in welcher Ihr den Level bewältigt habt, der Prozentsatz im Hinblick auf die getöteten Feinde sowie Bonuspunkte für besondere Taten oder den nicht erlittenen Schaden (wobei Letzteres äußerst selten vorkommen dürfte).
Im Blickpunkt des Geschehens steht aber zunächst Hotsuma, welcher als Ninja-Meister ordentlich aufräumen soll. Mit ihm lassen wir (hoffentlich) serienweise mächtige Komboattacken auf das feindliche Gesocks einprasseln. Bemerkenswert ist dabei, dass ab einer bestimmten Anzahl an quasi am Stück niedergeschnetzelten Gegnern wir eine nicht gerade unblutige Zwischenszene serviert bekommen. Was aber offensichtlich kein Anlass zu moralischen Bedenken ist, die Altersfreigabe ab 12 Jahren überraschte mich selber. Jene blutigen Szenen wirken sehr atmosphärisch, um es möglichst wertneutral auszudrücken, doch dies nur am Rande. Zur Wehr setzen wir uns im Übrigen mit unserem traditionsgemäß extrem scharfen Katana und den guten alten Shuriken als Wurfutensil. Der Clou bei letzterer Waffe ist der, dass sich die Feinde vorübergehend lähmen lassen, was eine Prise Taktik in dieses dämonisch-düstere Abenteuer mit einfließen lässt.
Mindestens genauso wichtig ist speziell in diesem schweren Actionspiel das reaktionsschnelle Ausweichen vor den gegnerischen Attacken. Eine Dash-Funktion als Spezialtalent erleichtert uns dieses, des Weiteren müssen wir aber ziemlich oft die Künste der Magie zur Hilfe nehmen, wollen wir nicht das Zeitliche segnen. Energieblitze und Feuerbälle sind uns da äußerst willkommen, versteht sich. Der (alte) Jump-and-Run-Charakter lässt sich auch bei dieser PS2-Fassung nicht verleugnen: einige knifflige Sprungpassagen verlangen uns nicht wenig ab, das Plattformgehüpfe ist nur mit superpräzisen Doppelsprüngen zu schaffen. Des Weiteren gibt es in den Schluchten der Großstadt die ein oder andere haarige Kraxeleinlage. Wer hier nicht schwindelfrei ist, stürzt an den Wänden der glitzernden Wolkenkratzer ab. Da in einem Level keinerlei Speicherpunkte vorhanden sind, werden wir im Falle unseres tragischen virtuellen Ablebens immer wieder ganz an den Anfang des Levels zurückgesetzt. Das birgt ein nicht zu unterschätzendes Frustpotential.
Nicht nur mit den sehr zahlreichen und äußerst angriffslustigen Feinde sowie den kniffligen Jump-and-Run-Sequenzen haben wir zu kämpfen, sondern zu allem Überdruss auch noch mit unserer eigenen Waffe: diese ist uns nämlich nicht immer wohlgesonnen wird. Was sich am Anfang komisch anhören mag, bringt uns mit zunehmender Spieldauer nicht unbedingt mehr zum Lachen. Das Katana leistet nur dann wertvolle Dienste, wenn wir den Blutpegel konstant auf einem entsprechenden Niveau halten. Ansonsten holt es sich das Blut von uns! Au weia. Je mehr Feinde wir hingegen in die ewigen Jagdgründe schicken, umso mächtiger wird unser Schwert. Immer schön am Ball bleiben ist hier demnach oberste Bürgerpflicht. Bringt somit die Gegner ohne größere Verschnaufpause am Fließband um das Spieltempo ist im Übrigen durchweg pfeilschnell - sonst wird uns letztlich unser eigenes Schwert richten. So etwas nennt man, glaube ich, Leistungsdruck.
Grafik und Soundkulisse sind grundsolide, zeigen aber selten Überwältigendes. Zwar wurde uns ein 60-Hertz-Modus spendiert (das 16:9-Breitbildformat jedoch nicht), doch trotzdem kann nicht von einer besonders hochauflösenden Grafikpracht gesprochen werden. Das Leveldesign wirkt auf Dauer eintönig, da können auch die eingestreuten netten Spezialeffekte (Spiegelungen am Boden, Blutszenen) nicht viel am Gesamteindruck ändern. Die Texturen sind zwar nur selten hässlich, doch atemberaubende Passagen finden wir wiederum auch nicht vor, generell wirken diese speziell im Hintergrund ziemlich bieder oder zumindest einfallslos. Die Zeichnung der Figuren geht größtenteils in Ordnung und auch die Animationen sind okay. Mehr aber nicht. Die Zwischensequenzen sind allerdings sehr hübsch anzuschauen, überhaupt keine Frage, sogar deutsche Bildschirmtexte finden wir vor, was wirklich bemerkenswert ist. Die Hintergrundmelodien sind durchschnittlich, spielen eine nicht so dominante Rolle. Die Soundeffekte kommen deutlich besser rüber, hätten aber auch einen Schuss mehr Abwechslung gut vertragen können. Eine Surround-Unterstützung gibt es leider nicht. Ärgerlich ist in erster Linie die schlappe englische Synchronisation in den (hübschen) Zwischensequenzen, hier wurde geschlampt. Alles in allem keine schlechte, aber insgesamt nur mittelprächtige Präsentation.
Wie eingangs bereits erwähnt, stellt Shinobi für die PS2 ein überaus knackig-schweres Abenteuer dar. Der netterweise eingeführte niedrige Schwierigkeitsgrad sorgt lediglich dafür, dass die Feinde weniger Treffer einstecken können, ansonsten rücken diese uns nach wie vor mit Vehemenz auf den Leib. Die Jump-and-Run-Sequenzen (Sprung- und Kraxeleinlagen) werden dadurch nicht beeinflusst, sie bleiben knifflig oder positiv ausgelegt: sehr anspruchsvoll. Spätestens in den letzen beiden der insgesamt sieben Welten wird es ultrahart: Genre-Gelegenheitszocker und erst recht Neulinge streichen hier die Segel, schätze ich. Dies ist dann unter anderem ein (zweifelhafter) Verdienst einer chronischen Unübersichtlichkeit, unter der wir einzig und allein leiden müssen, selbstverständlich nicht die Feinde. Dass keinerlei Rücksetzpunkte in einem Level existieren und wir im Falle eines Absturzes oder Ausgeknockt-Werdens den gesamten Level wieder von ganz vorne anfangen müssen, macht das Gameplay unnötig unfair. Das musste wirklich nicht sein, anspruchsvoll genug wäre dieses Game dennoch geblieben. Die Präsentation ist okay die Zwischensequenzen sind sehr hübsch anzuschauen, weisen aber eine üble englische Synchro auf so dass unter dem Strich ein Schnetzelspektakel für Freunde fernöstlicher Ninja-Kampfkunst übrig bleibt, an dem sich aufgrund des hohen Anspruchs zumindest Action-Veteranen sehr erfreuen werden. Meine Spielspaßwertung: 71%.
PLUS ---> Ein Fest für Schnetzel-Veteranen, sehr hohes Tempo, sehr anspruchsvoll, hübsche Zwischensequenzen, zwei Schwierigkeitsgrade, blutdürstendes Schwert, dämonisch-düstere Atmosphäre
MINUS ---> Heftig schwer (auch auf leicht), gegen Ende unübersichtlich und schließlich unfair, kein Multiplayer, schlechte englische Synchro, nur solide präsentiert