Nach langem Warten habe ich nun seit ein paar Tagen mit der neuen Alpha77 von Sony experimentieren können.
Erst mal ein paar Grundsätzliche Dinge:
Bestellung bei Amazon Marketplace Händler an einem Sonntag, Lieferung erfolgte bereits am darauflegenden Dienstag, das ist prima, der Preis hat auch gepasst, zumal die Kamera nur sehr, sehr schwer lieferbar ist.
Verpackung und Inhalt wie immer bei Sony, alles drin, ordentlich beschrieben, klasse.
Die Alpha 77 wurde als Ersatz für meine nun betagte Alpha 700, sowie für meine noch nicht sooo alte Alpha 580 bestellt.
Als Objektive setze ich ein Sony G F2.8 70-200mm, ein Sony Zeiss 85F14Z, sowie ein Sigma 24-70 F2.8 EX DG ein.
Die Bedienung der Alpha77 funktioniert für einen bereits an Sony Kameras Gehöhnten, einfach ab. Aber auch für einen Neuling, sind das sehr Umfangreiche Handbuch, sowie die überall abrufbaren Direkthilfen im Menü der Kamera sehr hilfreich.
Alle wichtigen Bedienelemente sind nun wieder mit dem Daumen erreichbar und können nach kurzer Eingewöhnung blind bedient werden. Das war leider bei einigen Vor- und Zwischenmodellen nicht möglich. Ein echter Schritt nach vorn!
Das Display auf der Oberseite der Kamera ist informativ und kann ebenfalls beleuchtet werden. Alle Funktionen wie Blende, Verschlusszeit, Weißabgleich, ISO, etc. sind über feste Tasten erreichbar. Eine umständliche Umstellung über das Menü ist, zwar immer noch möglich aber, nicht mehr nötig, auch das ein echter Fortschritt.
Alle diese Direkttasten können im Menü umgestellt werden. Jeder Funktion, die über das Menü einstellbar ist, kann eine Taste individuell zugeordnet werden. So kann man zum Beispiel die Funktionen Verschlusszeit (vorderes Rad) und Blende (hinteres Rad) tauschen, oder einem Rad, die Belichtungseinstellung zuordnen. Es gibt quasi keine Einschränkungen.
Zum Thema Bildqualität sei nur so viel gesagt: Die Kamera arbeitet mit einem 24 Megapixel Sensor, die Bilder sind gestochen scharf, bereits bei Vergrößerung auf dem Kameradisplay, als auch später auf dem Computer. Im Vergleich zur Alpha 580 und Alpha 700 ist ein merklich besseres Bild zu erkennen. Auflösung, Schärfe, Details, Randausleuchtung der Bilder sind erheblich besser. Die bisher teilweise bei Alpha 55 (SLT Kameras) bemängelte geringere Lichtstärke, im Vergleich zu normalen DSLRs (auf Grund des teildurchlässigen Spiegels), ist bei der Alpha 77 nicht mehr wahrnehmbar. Die Bilder sind sehr gut ausgeleuchtet und selbst Bilder in Dunkelheit haben ein sehr hohes Niveau und dank der vielen Programme und Automatiken und sehr geringes bis nicht vorhandenes Rauschen.
Videoaufnahmen nimmt die Kamera in FullHD mit bis zu 60i oder 50p auf. Der eingebaute Bildstabilisator verrichtet hervorragende Dienste, so dass ein Wackeln auch ohne Rig oder Stativ kaum wahrgenommen wird. Der AutoFokus wird auch bei der Videoaufnahme nachgeführt, wenn man das möchte, so dass ein manuelles Fokussieren wie bei der Alpha 580 oder anderen Konkurrenzmodellen nicht nötig ist.
Nun zum Thema Umgewöhnung und vermutlich einer, wenn nicht der wichtigste Punkt dieser Kamera. Es gibt keinen Optischen Sucher mehr. Nach wie vor, befindet sich ein Sucher an der gewohnten Stelle, da die Kamera, aber keinen "Klappspiegel" mehr verwendet, sondern einen Teildurchlässigen, ist das früher übliche optische Sucherkonzept einem elektronischem Sucher gewichen. Der Sucher besteht aus einem winzigen OLED Display, er deckt 100% des tatsächlichen Fotos ab, was man im Display sieht ist also das, was auf dem Foto landet. Nichts fehlt, oder wie die meisten kennen, ist zusätzlich auf dem Foto, obwohl es im Sucher nicht sichtbar war. Nun mal ein paar Dinge zum Sucher:
Vorteile:
- Hohe Auflösung
- Alles was auf Rückseitigen TFT angezeigt werden kann, kann auch im Sucher angezeigt werden. Dazu zählt auch das Menü, sowie das ansehen von Bilder und Videos im Sucher, das ist zumindest für mich sehr praktisch!
- Im Gegensatz zu einem richtigen optischen Sucher, zeigt der elektronische Sucher, die Bilder so an, wie man sie auch auf dem TFT sehen würde. Viele kennen das, besonders im Dunklen, man sieht fast nichts vom Motiv durch den Sucher, aber auf dem TFT kann man das Bild erkennen. Der neue von Sony verwendete Sucher setzt dies entsprechend um.
Nachteile:
- man muss sich daran gewöhnen, dass der optische elektronische Sucher bei relativ dunklen Motiven teilweise extrem stark rauscht. Was durchaus ein Vorteil sein kann, weil man durch den Sucher überhaupt etwas sieht, kann am Anfang sehr störend sein, weil man befürchtet, das die Bilder so verrauscht aussehen werden. Ich kann beruhigen, nach einem Tag der Eingewöhnung hat man ein gutes Gefühl dafür, ich komme bereits prima damit zu recht und schätze die Vorteile als erheblich höher ein, als diesen einen "Nachteil".
Zusätzlich gibt es viele neue Funktionen, wie die bereits eingebaute Objektivkorrektur, die man häufig nachträglich in RAW Konvertern, oder Bildbearbeitungsprogrammen einsetzt. Natürlich muss das eingesetzte Objektiv diese Funktion unterstützen.
Für mich ein echtes Highlight: Die Kamera bietet eine Funktion bei manuellem Fokus, mit der Objekte, die fokussiert (also scharf) sind mit einer auswählbaren Farbe umrandet werden. Man kann zwischen 3 Farben und unterschiedlichen Stärken der Umrandung auswählen, je stärker die Farbe leuchtet, umso klarer das im Fokus liegende Motiv.
Etwas schade finde ich, dass nur ein Slot für eine SD oder alternativ MemoryStick Speicherkarte vorhanden ist und keine CF Karten unterstützt werden. Bei schnellen Bildfolgen von 12 Bildern pro Sekunde, muss man somit einen winzigen Moment warten, bis man sich das erste Bild ansehen kann, da die Kamera noch etwas Zeit braucht, die bis zu 30MB großen RAW Dateien zu speichern. CF Karten wären hier evtl. auf Grund der höheren Geschwindigkeit besser, würden aber auch mehr Platz in der Kamera benötigen. Vielleicht helfen zukünftige schnellere SD Karten. Man kann aber sagen, dass es sich hier um ein Luxusproblem handelt, welches nicht mehr wie 1 oder 2 Sekunden andauert.
Alles in allem, ist Sony mit dieser Kamera ein meiner Meinung nach, sehr großer Wurf gelungen. Ich bin mir sicher, dass sie viele Anhänger finden und der Konkurrenz ein paar Kunden streitig machen wird. Das lange Warten auf einen Semiprofessionellen - Professionellen Kameranachfolger hat sich gelohnt. Für mich also eine klare Kaufempfehlung für jeden Sony Kameraequipment-Besitzer und eine lohnenswerte Überlegung für Besitzer anderer Hersteller, wenn Sie denn die Neuanschaffung ihres Equipment in Erwägung ziehen.
Zusatz nach ein paar Tagen Benutzung, sowie Antworten auf Fragen.
Die Ergonomie ist für mich prima. Das Gehäuse der Alpha 77 ist etwas größer wie das der 55er. Auch ohne zusätzlichen Batteriegriff kann man die Kamera gut halten und alle wichtigen Einstellungen mit Daumen und Zeigefinger erreichen. Ich habe (meiner Einschätzung nach) eine normal große Hand...
Ich habe mir zusätzlich auch den Batteriegriff bestellt, da ich sehr viele Porträtbilder mache. Der Griff passt perfekt, bietet wie immer Platz für 2 Sony Akkus und hat im Gegensatz zum Batteriegriff der Alpha 580 wieder alle Buttons, sowie das Steuerkreuz eingebaut. Es sind alle alle Funktionen auch im Hochformatmodus möglich. Das der Batteriegriff "nur" mit Sony Akkus funktioniert, stört mich nicht, im Gegenteil.
Zur Batteriedauer kann ich noch nicht so viel sagen. Allerdings habe ich vor 3 Tagen auf einer Geburtstagsfeier ca. 150 Bilder mit einem Sony 58er Aufsteckblitz geschossen, sowie ein 14 minütiges Video gedreht.
Die Batterie hatte anschließend noch 52% Leistung. Ich würde sagen, das ist in Ordnung, zumal ich jetzt am Anfang auch noch viele Funktionen ausprobiere und somit auch öfters das Menü benutze, was natürlich auch Strom frisst. Das Temperaturproblem des Sensors hat Sony sicher in den Griff bekommen. Meine Alpha 580 kann auch nur ca. 15 Minuten Video Aufnehmen, weil der Sensor zu heiß wird, das spürt man dann auch deutlich am Kameragehäuse. Die Alpha 77 war auch nach 14 Minuten Videoaufnahme nicht wärmer als im Fotomodus.
Auslöseverzögerungen mit Aufsteckblitz habe ich nicht feststellen können. Sowohl mit Eingebauten, als auch Aufsteckblitz, als auch mit Pocketwizard und externer Blitzanlage, waren die Auslösungen absolut synchron.
Bzgl. der GPS Daten kann ich leider kaum etwas sagen. Nur so viel:
- Bilder im Freien wurden mit GPS Koordinaten versehen, im Innenraum nicht.
- Den Status des GPS Signals sieht man, wenn man möchte, sowohl auf dem Display, als auch im Sucher
- Anzeige von Satellitentyp, Signalanzahl etc. scheint es nicht zu geben, bzw. habe ich bis jetzt nicht gefunden.
- Es gibt eine Anzeige, das ein GPS Signal empfangen wird, zusätzlich signalisieren 3 Balken irgendetwas, ob das Signalqualität, oder Menge der Satelliten sind, vermag ich nicht zu behaupten. Das Handbuch liefert hier leider auch nicht viel mehr Informationen. Sie können sich ab Seite 179 im Deutschen Handbuch die Informationen (ca. 2 Seiten) anschauen. Das Handbuch kann bei Sony im Supportbereich heruntergeladen werden.