Ich bekenne: Seit einigen Wochen bin ich Sony-User. Umsteiger von einer Nikon D7000, welche ich seit Ende 2010 hatte, um genau zu sein. Manche Nikonianer mögen nun missbilligend die Nase rümpfen, aber ich bin, von einigen Kleinigkeiten abgesehen, sehr zufrieden mit meiner Entscheidung.
Die besonders beworbenen Features der A65 (24MP, 10 Bilder/sec) waren für mich allerdings nicht relevant, mein Hauptgrund für den Kauf war das kamerainterne GPS, da Nikon hier keine brauchbare Alternative bietet. Im Prinzip hätte mir dafür zwar auch die A55 genügt (an der ich qualitativ auch nichts auszusetzen hatte), aber leider war mir sie mir zu klein. Auch wenn ich nur mittelgroße Hände habe und nicht gerne unnötiges Gewicht herumschleppe - eine Kamera sollte ordentlich in der Hand liegen, was die A55 bei mir nie tat; sie fühlte sich immer wie ein unbequemer Fremdkörper an.
Nachfolgend also ausführlich meine Eindrücke und Erfahrungen mit der A65:
Haptik:
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Nur ein bißchen größer als die A55, aber haptisch liegen Welten dazwischen. Die A65 hat angenehmere Rundungen und sogar der kleine Finger findet gerade noch Platz, statt in einer verkrampften Haltung nach einem Ruhepunkt zu suchen. Sie liegt, obwohl einen Tick kleiner als meine D7000, sogar besser in der Hand als diese. Im direkten Vergleich wirkt die D7000 etwas kantiger und klobiger. Das mag eine rein subjektive Einschätzung sein, aber den einen oder anderen wirds vielleicht interessieren.
GPS:
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Endlich! Wie oft hatte ich früher das Problem, dass ich bei älteren Urlaubsfotos nicht mehr so recht zuordnen konnte, wo genau sie gemacht wurden. Damit ist nun Schluß! Die Ortsdaten werden direkt im Foto gespeichert (EXIF-Daten) und und können nicht verloren gehen. Sony liefert eine passende Software mit, um sich die Aufnahmeorte auf der Karte anzusehen. Noch besser und unkomplizierter finde ich allerdings die Freeware 'GeoSetter'.
Wer ein Navi hat, kennt das Problem: Die Positionsbestimmung kann etwas dauern. Bei Sony kann man sich kostenlos sogenannte "GPS-Assist-Daten" aus dem Netz laden, was die Satellitenfindung nochmals ordentlich beschleunigt. Feine Sache.
Nikon, Canon & Co. könnten sich davon eine Scheibe abschneiden: Deren DSLR's können bestenfalls (wenn überhaupt) mit einem externen Aufsteck-GPS bestückt werden, welches per Kabel (!) mit der Kamera verbunden werden muß. Selbst wenn eine solche "Lösung" technisch einwandfrei funktioniert (was längst nicht alle tun) und einfach zu bedienen wäre (was eher selten der Fall ist), stellt diese Kabelverbindungs-Sollbruchstelle für mich ein no-go dar. Ausgeleierte oder ausgerissene Kabelbuchsen an der Kamera sind da vorprogrammiert.
Akkuverbrauch:
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Zwar ist die A65 nicht so sparsam wie eine D7000 (1000+ Bilder), aber der Stromverbrauch ist längst nicht so dramatisch wie ich befürchtet hatte - selbst mit dauernd eingeschaltetem GPS und elektronischem Sucher (oder Display) ist der Verbrauch OK.
Nach offiziellen Angaben sind pro Akku ca. 500 Bilder drin, aber diese Zahl kann stark schwanken. Wenn man z.B. vorrangig Serienbilder macht, können es auch über 1000 werden, wenn man blitzt, zoomt, Video aufnimmt, viel an den Einstellungen rumspielt usw., sind es entsprechend weniger.
Ein Akku pro Tag genügt nicht, aber da FM-500H Ersatzakkus auch in anderen Kameras benutzt werden, sind sie schon länger auf dem Markt und daher sehr günstig zu bekommen (Tip: VHBW-Akkus bieten ordentliche Qualität zu einem Bruchteil des Originalpreises). Man kann man sich für wenig Geld einen oder zwei als Reserve gönnen, damit kommt man dann gut aus.
24 Megapixel!
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Uff. Wer braucht das eigentlich wirklich? Ich eigentlich nicht. Für meine Bedürfnisse (das heißt konkret: Fotobücher in A4, Ansehen am Monitor, Fernseher oder Beamer, vereinzelt mal eine 60*40cm Fotoleinwand oder ein 60*40cm Poster) sind 24MP völlig überdimensioniert, da würden auch 12MP reichen - wenn nicht die gelegentlichen Ausschnittvergrößerungen wären, bei denen man für eine Pixel-Reserve dankbar ist. Dennoch: Die 24MP sind für mich kein Kaufgrund, nur eine nette Zugabe.
Übrigens, die Bilddateigröße bei 24 Megapixeln ist:
- in JPG Standard ca. 5MB
- in JPG Fein ca. 7-8MB
- in RAW ca. 25MB.
Die Bildqualität (Auflösung):
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...kann sich sehen lassen, ist aber natürlich objektivabhängig. Momentan benutze ich am liebsten ein altes Minolta AF 50mm/1.4: klein, leicht, scharf, gutes Bokeh und gebraucht relativ günstig zu bekommen. Außerdem experimentiere ich mit einem Walimex 85mm/1.4: noch schöneres, samtweiches Bokeh und sogar gute Bildqualität bei Offenblende, aber groß, schwer und nur manueller Fokus. Trotzdem: Ein Traum für kreative Fotografie, wenn man mit dem manuellen Fokus klarkommt. Zum Glück hilft die A65 hier mit, die Kantenhervorhebungsfunktion für den Fokus im Sucher ist einfach nur genial. Ein Tamron 17-50/2.8 hatte ich kurz, habe es aber wegen Dezentrierung zurückgeschickt.
Achja, nicht zu vergessen (man möge mich steinigen): Für Urlaub und Allroundzwecke noch ein Superzoom, derzeit das Sigma 18-200 HSM II (wenn ich nicht sogar die schwere DSLR ganz daheimlasse und stattdessen meine kompaktere Bridge (HX100) mitnehme).
Superzoom-Info am Rande: In den letzten beiden Jahren habe ich fast alle am Markt erhältlichen Superzooms durchprobiert (die meisten noch an der Nikon D7000 und zuvor an der D5000) und kann guten Gewissens sagen: Die Mehrzahl genügt nur relativ geringen Ansprüchen. Es gibt aber doch einige bessere Exemplare, die im Schnitt brauchbare und gelegentlich sogar sehr gute Ergebnisse liefern. Nach meinen Erfahrungen sind es das Nikkor 18-200 VR II und obiges Sigma 18-200 HSM II. Mit Einschränkungen auch die beiden Tamron 18-270-Versionen, aber hier muß man schon deutlichere Abstriche machen. Und natürlich wäre da noch die traditionell ziemlich krasse Serienstreuung bei Tamron und Sigma, die den Objektivkauf zum Glücksspiel machen kann.
Was mich bei meinem Exemplar erstaunt hat: Ich habe das Sigma 18-200 HSM II sowohl an der A55 (16MP) als auch an der A65 probiert und die Auflösung an der A65 war trotz der 24MP etwas besser - was eigentlich nicht sein dürfte.
Rein physikalisch müsste es eigentlich umgekehrt sein: Der 24MP-Sensor sollte gnadenlos die Macken 'schwächerer' Objektive aufdecken. Stattdessen habe ich den Eindruck, dass er Höchstleistungen aus dem 400€-Suppenzoom rauskitzelt - einem Objektiv, das theoretisch nicht mal den 16MP-Sensor (und erst recht nicht den 24MP) ausreizen kann. Momentan kann ich noch nicht mehr dazu sagen, aber ich werde mir das gründlicher ansehen, wenn ich demnächst im Urlaub ausgiebig das Superzoom benutze.
Rauschverhalten:
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Hier gab es bereits Kritik, bevor A65 und A77 überhaupt erhältlich waren: 24MP auf APS-C = pfui, hohe Auflösung nur auf dem Papier, das kann doch nur ein Rauschmonster sein usw.
Alles halb so wild: Zwar ist die A65 bei höheren ISO tatsächlich nicht so rauscharm wie meine D7000, aber Unterschied ist nicht so dramatisch, wie die nackten Zahlen vermuten lassen. Ich finde den Sensor bis ISO 400 sehr gut, von 800-1600 gut und drüber ist es situationsabhängig (ich hatte auch bei meiner D7000 durchaus auch schon Bilder mit niedrigem ISO, die absolut nicht vorzeigbar waren). Insofern ist da einiges relativ und ich sehe die Sache ziemlich locker: Der 24MP-Sensor bringt nach meinen Erfahrungen im Schnitt eine ordentliche Leistung und ist für Normalanwender-Ansprüche absolut ausreichend. Grob geschätzt ungefähr 1-2 ISO-Stufen schlechter als der 16MP meiner D7000, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Mag durchaus sein, dass die kamerainternen Rauschunterdrückung ziemlich zu tun hat, aber solange sich das Endergebnis sehen lassen kann - was solls? Pixelpeeper werden natürlich immer ein Haar in der Suppe finden (welches auch tatsächlich vorhanden ist), aber wieviel das mit der tatsächlichen Praxistauglichkeit zu tun hat, sei mal dahingestellt.
Anders ausgedrückt: Wenn man direkt vor einem 6 x 4 Meter Werbeplakat mit der Lupe steht, kann man durchaus zu Recht die Bildqualität bemängeln. Aber wie relevant ist das?
Focus Peaking:
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Eine absolut geniale Funktion, die Sony ab der A65 aufwärts bietet. Damit lässt sich jedes Objektiv ohne AF manuell durch den Sucher fokussieren, die scharfen Bereiche im Bild werden dabei farbig markiert. Ideal für rein manuelle Objektive (z.B. das überraschend gute Walimex 85/1.4) oder wenn man bei normalen AF-Objektiven den Autofokus abschaltet, was gelegentlich durchaus sinnvoll sein kann.
Konkurrenzprodukte mit herkömmlicher DSLR-Technik und optischem Sucher können so etwas nicht, diese müssen umständlich und langsam über Liveview fokussiert werden - was sich insbesondere bei bewegten Motiven oder wenns mal schnell gehen soll als völlig untauglich erweist.
JPG vs. RAW:
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Nein, ich besitze kein "I shoot RAW" T-Shirt und nein, ich werde auch nicht in die Diskussion einsteigen, ob JPG oder RAW sinnvoller ist. Weil es darauf nämlich keine allgemeingültige Antwort gibt, sondern nur eine individuelle.
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