Jetzt da die neue Sony Nex 5n am Markt ist (2011) mit ihrem erheblich verbesserten Sensor gegenüber der Nex 5, läßt sich erst wirklich das Abbildungsvermögen dieses Kit-Zooms einschätzen. Und das ist einfach nur flau, schwach und unzureichend - für den Preis und angsichts der Tatsache, dass der E-Mount-Markt äußerst spärlich ausgestattet ist. Und auch angesichts dessen, dass dieses Objektiv als gängiger Zoom zu den Nex-Kameras im Bundle angeboten wird und der optischen Leistung, wozu die Nex fähig sind, nicht annähernd gerecht wird. Gewiss, wenn man keine besonderen Ansprüche stellt und einfach nur ein paar nette Urlaubsfotos knipsen will, mag es reichen. Aber wozu dann eine Nex? Das tut eine höherwertige Kompaktkamera genauso gut und ist auch noch kleiner und billiger.
Um einen Vergleich zu haben, schoss ich auf dem Stativ eine Reihe Fotos mit dem hier besprochenen Zoom 18-55mm, simple Bedingungen, Tageslicht, ISO 100, Blende 5.6, 55mm. Unter denselben Einstellungen danach Fotos mit dem alten, manuellen Objektiv Porst 1.4/55mm, welches zu den unterbewerteten Geheimtips am Markt hinsichtlich Schärfeverhalten, Verarbeitung und Bedienbarkeit (Bokeh etc. mal außer Acht gelassen) gelten darf. Obwohl das Porst nicht die Oberklasse manueller Objektive dieser Brennweite repräsentiert, zeigt es an der Nex knackige Schärfe bis in die Winkel und Randbereiche. Der Sony-Zoom dagegen ist noch nicht mal im Zentrum scharf, sondern leicht verwaschen; an den Rändern und Ecken jedoch versinkt die Leistung in aufgelöster Unschärfe. Dieser Vergleich zeigt, dass der Sensor der Nex 5n (aber auch der Nex 3 und 5) erheblich bessere Leistungen bringen kann, wenn auch ein entsprechendes Objektiv verwendet wird.
Die Verarbeitungsqualität des Zooms finde ich in Ordnung. Es sieht von außen wertig aus und läßt sich weich und mit den leicht geriffelten Ringen angenehm bedienen. Es "leiert" auch nicht nach viel Benutzung aus, sondern scheint stabil gefertigt zu sein. Doch innen verbirgt sich eine Menge Plastik. Das sieht man ja schon, wenn sich der Zoom aus seiner edel wirkenden, metallischen Hülle schiebt. Schon das Gewicht wirkt für solch ein Objektiv überraschend leicht, welches ja nicht nur die Zoom-Mechanik, sondern auch den optischen Steady Shot in sich integriert hat. Laut Sony beträgt das Gewicht 194g. Das Porst bringt nahezu das Doppelte auf die Waage, obwohl nur feste Brennweite und ohne Stabilisator.
Braucht man so einen Stablisator? Bei einer Anfangsblendenöffnung von 3.5-5.6 unter schwachen Lichtbedingungen sicherlich empfehlenswert. Auch für jene Benutzer mit unsicheren Händen. Doch ein Objektiv wie das Porst mit 1.4 Blendenöffnung macht selbst ohne Stabilisator unter schlechtem Licht immer noch die wesentlich besseren Bilder. Und hier zeigt sich dann die weitere Schwäche der Sony-Linse im Vergleich mit der alten Bolide - bei 1600-3200 ISO bei Schummerlicht (nicht wie bei den bekannten, gut ausgeleuchteten Testfotoreihen) löst sich das Bild in Matschigkeit auf. Nicht so beim Porst, wo bei solchen ISO-Werten zwar die Details leiden, aber das Foto dennoch erheblich sauberer wird.
Sicher, dieser Vergleich Festbrennweite gegen Zoom ist unfair. Er sollte aber nur zeigen, dass mit dem Sensor der NEX viel bessere Fotoqualiät zu erreichen wäre. Sonys einzige bisherige Festbrennweite, das 16mm-Objektiv, ist ja noch schlechter als der Zoom und zeigt noch gravierendere Randunschärfen. Der zweite verfügbare Zoom 18-200mm ist zwar besser, aber an einer Nex ein massives Geschütz und preislich nicht ganz ohne. So darf man hoffen, dass Sony mit den angekündigten Linsen nachbessern wird. Dieser 18-55mm Zoom ist jedenfalls eher eine magere Scherbe, die den Nex nicht gerecht wird. Wenn man allerdings das Negative meiner Kritik mildert - welche auf dem Direktvergleich mit dem, was möglich wäre, basiert - leistet diese Linse durchschnittlich gute Arbeit. Man kann damit gelungene Fotos machen bzw. diese Fotos als qualitativ gut befinden, wenn man sich die Ecken und Kanten nicht zu genau ansieht bzw. wenn nicht die Notwendigkeit oder der Wunsch nach maximaler Schärfe besteht.