Ich wollte meinen seit Jahren immer wieder verbesserten Marantz-Player überholen und ein neues Laufwerk einbauen, und war auf der Suche nach einem Zweit-Player. Den Sony gab es im ProMarkt für rd 180 Euro, das Gerät wurde bestellt und war binnen 3 Tagen da. Nach kurzem Probehören (ich mußte tatsächlich der netten Verkäuferin erklären, daß die Netzsteckerposition durchaus etwas ausmacht... ; ) nahm ich das Gerät mit, weil es zwar sehr leicht (3,5 kg im Vergleich zum rd Doppelten meines jetzigen Players), die Verarbeitung und v.a. die gefühlte Qualität des (leisen) Laufwerks aber vertrauenseinflößend war.
Zuhause stellte ich den Player ins Holzrack, mit einigen Kork-Untersetzern unter den Füßen, sowie als 5tem Fuß unterlegt und einem 75 Ohm-Abschlußstecker auf den Digital-Ausgang. Die Cinch-Ausgänge sind leider nicht vergoldet - ohne praktische Relevanz, aber schön wär's schon gewesen. Überhaupt, auch wenn man sich das Innenleben anschaut (Bilder gibts im www), Sony hat hier einen tollen Job gemacht, alles teure, das nicht direkt klangbeeinflussend ist, wegzulassen. Das trifft auch die Fernbedienung im Kompaktformat, das an frühere Taschenrechner erinnert, zum Glück aber noch keine 'Card' ist. Der Player spielt an meinem Symphonic Line Verstärker an selbstgebauten Boxen, sowie an Adam Studio-Monitoren, Verkabelung sind Kimber 'Timbre' und Sommer Lsp-Kabel.
Ausstattung? Das Nötigste - (wertige) Kunststoffront, nur analoge und digitale Ausgänge, wobei Sony darauf hinweist, daß bei SACD-Betrieb nur der analoge Ausgang funktioniert - technisch fair. Kein minderwertiger Kopfhörer-Ausgang, ein Scroll-Rad für den Titelsprung mit schön rastender Haptik, ähnlich wie Sendersuchknöpfe an einigen Tunern.
Die Sahnestücke sind aber, neben dem leisen Laufwerk und der massiven Kunststoff-Schublade, die Wandler, v.a. die, die den (SACD-)DSD Datenstrom wandeln und wiedergeben. Der analoge Ausgang hat kaum diskrete Bauteile (Kondenstoren etc), entsprechende Bilder hierzu sind, wie gesagt, im Netz zu finden.
Dementsprechend war ich auf den Klang gespannt, im Vergleich mit meinem Marantz sowie einem noch wesentlich höherstehenden Rega-Player sicherlich nicht ganz fair.
Nach einigem (nächtlichen) Einspielen kann man aber festhalten, daß die klanglichen Abstände fast mehr in den Bereich 'Geschmackssache' gehen, als das sie sich nur an den doch recht exorbitanten Preisunterschieden festmachen lassen:
Das Klangbild hat eine große Bühne, die über die Lautsprecher hinaus geht, ist sehr fein detailiert, aber doch in sich geschlossen. Die Ortung einzelner Instrumente ist sehr gut, die Tiefenstaffelung nicht ganz so ausgeprägt wie die in der Breite. Der Klang an sich ist neutral, fast etwas analytisch, ähnlich wie bei einigen Yamaha-Playern. Allerdings erscheint die Körperhaftigkeit bei den anderen genannten Spielern greifbarer, der Sony spielt hier etwas schwebender - wie gesagt, m.E. Geschmachssache, zumal der Sony klanglich sehr neutral erscheint und keineswegs spitz oder überrund, mit einem schön straffen und geordneten Bass, nicht übermäßig 'digital'.
Ein Wow-Erlebnis ist das Umschalten von SACD auf CD-Betrieb und zurück - Details, Greifbarkeit von Sängern und Instrumenten sind bei SACD wesentlich deutlicher ausgeprägt, selbst der erweiterte Frequenzgang ist durch ein mehr an Luftigkeit deutlich nachzuvollziehen. Schade, daß dieser Standard inzwischen nur noch etwas für Spezialisten und Fans ist....
Unterm Strich bleibt der Eindruck, daß man mit einer aufwändigeren Analog-Ausgangsstufe (und einem größeren Trafo) noch mehr hätte herausholen können.
Aber allein, daß diese Wahrnehmung überhaupt möglich ist, zeugt von der hohen Qualität des Players an sich. Die Detailfreude macht immer wieder Spaß, das Gänsehaut-Moment bei Diana Krall, Katie Melua oder auch bei gut aufgenommenen Opernarien ist klar gegeben - insbesondere natürlich bei SACD-Betrieb! Die Saiten bei 'Friedemann, The Concert' scheinen zum Greifen nah abgebildet zu werden, mit korrektem Timing - überhaupt nicht selbstverständlich in dieser Klasse! Ich experimentiere gerade noch mit unterschiedlichen Kombinationen von Korkdeckeln auf auf dem Gerät, zusammen mit einer MDF-Platte darauf. Hier scheint in Sachen 'Körperhaftigkeit' noch ein bißchen 'was zu gehen, was wohl v.a. dem klassentypischen Blechdeckel geschuldet ist. Ggf. dazu später einmal mehr.
Fazit - für deutlich unter 200 Euro ein SACD-Player, der auch klanglich sehr viel Spaß macht, super verarbeitet ist, eine aufwendige eigene Schaltung hat - das ist zu diesem Preis wohl kaum zu toppen.
Moderne Hörer, die eine bassbetonte, rundere Wiedergabe wünschen, sollten den Sony mit einem entsprechenden Verstärker kombinieren. An meinem Symphonic-Line spielt er aber so toll auf, daß ich ihn noch etwas behalten werde - Chapeau Sony!