Ein Festplattenrecorder verändert die Fernsehgewohnheiten schleichend: erst nutzt man ihn wie einen Videorecorder und freut sich über das nicht mehr notwendige Spulen, dann beginnt man Sendungen zwecks Überspringen der Werbung zeitversetzt aufzunehmen/anzusehen, und schließlich setzt man sich hin und programmiert komplette Tage, um 24h später quasi durch sein eigenes TV-Programm zu zappen - besser geht es nur noch mit Video on Demand. Der Sony leistet all das und noch mehr: nicht nur der Videorecorder, auch der DVD-Player setzt Staub an, da sich das Gerät auch bei der Filmwiedergabe kaum eine Blöße gibt. Wer zudem in den letzten Monaten einen Blick in die diversen Fachzeitschriften geworfen hat, dürfte bemerkt haben, dass der Sony bei Festplattenrecorder-Tests bemerkenswert oft auf dem Titelbild zu finden war - definitiv die Laufstegschönheit unter dem sonstigen Gehäuseeinerlei.
Trotzdem gibt es Kleinigkeiten, die zum Erreichen der völligen Perfektion noch fehlen - nicht ausreichend, um mir den Spaß mit dem Gerät zu verleiden, jedoch sehr wohl, um mit der Vergabe des fünften Sterns zu geizen. Ob das alles völlig belanglos oder aber kaufverhindernd ist, soll jeder für sich selbst entscheiden.
- SMARTLINK: ich besitze auch einen Fernseher von Sony. Zwei Geräte desselben Herstellers zu koppeln müsste doch problemlos möglich sein, sollte man meinen. Dies gilt für die Komfortfunktion Smartlink jedoch nur eingeschränkt. Der Recorder kann Smartlink nur einsetzten, wenn Composite Video für die Signalübertragung verwendet wird; also nix mit S-VHS oder RGB. Der Fernseher hat zwar drei SCART-Anschlüsse, jedoch ist nur eine davon Smartlink-fähig. Dummerweise ist das auch die einzige, die S-VHS-Signale entgegennimmt (die beiden anderen nur Composite oder RGB), weshalb sie bereits durch den AV-Verstärker belegt wird. Um Smartlink nutzen zu können, müssten also sowohl der Recorder wie auch die anderen AV-Komponenten auf die schlechteste der drei möglichen Signalcodierungen zurückgefahren werden. Super. Aber halt: könnte man nicht wenigstens die Senderbelegung vom Fernseher übernehmen und danach umstöpseln? Schon, nur wollte sich der Recorder nach dem Umstöpseln gleich noch mal konfigurieren und hat dabei die übernommenen Kanaldaten natürlich vergessen. Danke Sony. Adieu Smartlink.
- Aus irgendeinem Grund ist die für ShowView benötigte Kanaltabelle nicht vollständig - bei manchen Nummern muss man den Sender (umständlich per "hoch" und "runter") manuell einstellen. Gott sei Dank lernt das Gerät aus den Timerprogrammierungen, so dass dies nach kurzer Einarbeitungsphase kein Thema mehr ist.
- Lüfter: sein Durchstarten wirkt wie eine Androhung seiner wahren Fähigkeiten, jedoch beruhigt er sich sofort wieder und beschränkt sich auf ein (in meinen Ohren) angenehmes Rauschen, dass nur bei absoluter Ruhe auffällt. Zu richtigem Krach konnte ich ihn bislang nicht provozieren, auch nicht beim Brennen einer DVD; der Sommer ist allerdings auch noch ein Stück entfernt.
- VPS-Programmierung: die Suche nach einem VPS-Signal beschäftigt die Elektronik derart, dass der Lüfter auch bei ausgeschaltetem Gerät permanent (leise) läuft - wochenlang, wenn die programmierte Sendung entsprechend weit in der Zukunft liegt. Richtig ärgerlich wird das aber erst, wenn man merkt, dass der Recorder trotzdem seine vollen 45sec zum "booten" braucht - und daher die ersten 45sec der Sendung auch nicht aufgenommen werden. Dies ist besonders ärgerlich bei Serien, bei denen vor dem Serientitel noch ein Teaser läuft - von dem hat man dann u.U. nichts gesehen. Als Abhilfe kann man entweder das Gerät permanent eingeschaltet lassen (der Lüfter läuft deshalb auch nicht lauter) oder man verzichtet auf VPS und gibt Zeit am Anfang und Ende zu - dann stimmt allerdings der Titel der aufgezeichneten Sendung nicht, was sich aber manuell korrigieren lässt. Um übrigens bei der Timerprogrammierung VPS ein- bzw. auszuschalten, muss man äußerst umständlich auf eine "Details"-Seite wechseln, obwohl die Einstellung bereits bei Zeit- und Senderwahl zu sehen ist - nur eben nicht änderbar.
- Fernbedienung: funktionell gut, kann jedoch optisch und haptisch nicht mit dem Basisgerät mithalten. Nicht, dass sie wirklich schlecht wäre, aber eine solche Qualität würde ich eher bei einem 200¤-Gerät erwarten, vor allem die Schutzklappe für die Aufnahmetasten ist sehr schwergängig.
- Bild-Vor-/Zurücklauf: bei jedem mir bekannten Videorecorder oder DVD-Player (inklusive Geräten von Sony) verhielt es sich bislang so: mehrfaches Drücken in eine Richtung beschleunigt den Bildlauf, Drücken in die entgegengesetze Richtung verlangsamt ihn. Hier dagegen bewirkt ein Drücken in die entgegengesetzte Richtung eine Umkehrung des Bildlaufs. Das ist einfach nur lästig und für meinen Geschmack der größte Makel an dem Gerät, da es sich um ein wirklich häufig benötigte Funktion handelt. Um von dreifacher Spulgeschwindigkeit auf zweifache zurückzuschalten, muss erst "Play" und dann wieder zweimal die entsprechende Spultaste gedrückt werden.
- Bedienoberfläche: dezent, übersichtlich, nur für meinen Geschmack ein wenig träge (wozu die schicken Animationen einen Gutteil beitragen; nur sieht man sich daran eben irgendwann satt)
Fazit: Von der Perfektion ist der Sony also noch ein Stück entfernt, doch der Gewinn gegenüber der guten alten Bandaufzeichnung ist gewaltig. Unterm Strich: Kaufempfehlung.