1 Monat ist vergangen, seit dem Playstation Allstars bei mir eingetroffen ist. Welche Spielspass-Höhen und -Tiefen ich in dieser Zeit erlebt habe, werde ich euch jetzt in dieser nicht ganz so kurzen Rezension erklären. Ich versuche so weit wie möglich auf gebräuchliche Beat'em up Terminologie (Fachbegriffe) zu verzichten oder sie gegebenenfalls zu erklären. Viel Spass beim Lesen.
Inhaltsverzeichnis:
Allgemeiner Teil
Roster und Balancing - Alles zu den Charakteren
Partyfaktor
Profi-Ecke - Ist das Spiel tuniertauglich?
Alles Friede, Freude, Eierkuchen? - Was ist verbesserungswürdig?
Ein kurzer Vergleich mit Smash Brothers
Allgemeiner Teil:
Schon seit Ewigkeiten habe ich mir ein Smash Bros. für die PS3 gewünscht, da ich selber keine aktuellen Konsolen von Nintendo besitze. Nun haben wir mit Allstars endlich ein Spiel erhalten, dass in etwa die gleiche Richtung einschlägt. Man zieht mit verschiedenen Charakteren der Playstationgeschichte zu Felde, wie zum Beispiel Kratos, Sackboy und Nathan Drake und kann sich nach Herzenslust verprügeln. Die Besonderheit hierbei ist, dass Punkte nicht dadurch erzielt werden, dass Gegner aus der Arena geworfen werden. Durch Angriffe füllt man vielmehr eine Spezial-Leiste, die nach und nach Zugriff auf 3 unterschiedlich starke Spezialattacken ermöglicht, mit denen man die Gegner erwischen muss. Was am Anfang recht gewöhnungsbedürftig klingt, macht nach einer Weile richtig Spass. Je nach Spielmodus hat man eine gewisse Anzahl an "Leben", muss eine gewisse Anzahl an "Kills" erreichen oder muss nach Ablauf einer festgelegten Zeit die meisten Punkte erreicht haben.
An Spielmodi gibt es folgendes zu Auswahl:
(kurzer) Storymodus
Training inklusive Tutorials für verschiedene Attacken und Combos
Kampfherausforderungen, in denen man verschiedene Aufgaben meistern muss
Online Ranglistenspiele sowie Freundschaftsspiele
und natürlich einen Versusmodus, bei dem man gegen Freunde oder Computergegner antreten kann.
Roster und Balancing:
Da ich nie im Besitz einer PS1 oder PS2 war, stört mich die Abwesenheit gewisser Charaktere (zb. Crash Bandicoot und Spyro) nicht so wirklich. Ich bin vollauf mit den vorhandenen zufrieden.
Auch die Anzahl von 20 Figuren empfinde ich nicht als negativ. Diese Ursache ist dem größten Pluspunkt zu verdanken, den das Spiel aufzuweisen hat: Die Charaktere spielen sich alle unglaublich unterschiedlich. Ich besitze Allstars seit Release und habe noch nicht mal die Hälfte des Rosters richtig ausgelotet. Natürlich habe ich jeden einmal ausprobiert, aber bis ich alle annähernd in ihrer vollen Tiefe verstanden haben werde, werden sicher noch etliche spassige Stunden vergehen. Zudem gibt es bis auf eine (halbe) Ausnahme keinerlei Kloncharaktere.
Überall kann man sehen, mit wieviel Liebe die Designer am Werk waren. Wenn zum Beispiel Sackboy entsetzt das Gesicht verzieht, wenn er getroffen wird, huscht einem schon mal ein Lächeln über die Lippen.
Für jeden Charakter gibt es außerdem Unmengen an freischaltbarem Material. Neben einem zusätzlichen Kostüm, verschiedenen Intros und Outros, Taunts und Musikstücken gibt es noch etliche Bildchen und Hintergründe, mit denen man sein Onlineprofil dekorieren kann.
XYZ IS OP, NERF ASAP (XYZ ist zu stark, schwächt ihn ab, SOFORT)
Wenn ein neues Beat'em up erscheint , gibt es immer erst mal ein Riesengeschrei, da der ein oder andere Charakter als zu stark erscheint oder andere völlig chancenlos sind. Fakt ist aber, dass zum Einen kein Gelegenheitsspieler zu diesem Thema eine vernünftige Einschätzung abgeben kann. Zum Anderen ist das Spiel noch nicht lange genug auf dem Markt, um alle Taktiken und deren Konter zu erfassen. Außerdem wurde das Spiel von Leuten entwickelt, die davon mehr Ahnung haben als der normale Durchschnittszocker. Die Leute bei Superbot haben schon vorher erfolgreich Kampfspiele entwickelt und würden sicher nicht Dinge übersehen, die ein Normalsterblicher nach 2 Stunden spielen als zu stark empfindet.
Dass sich noch Balancingprobleme zu erkennen geben werden, ist natürlich schon sicher, aber welches Beat'em up ist schon perfekt zu Release? Das Schöne an der Sache ist, dass Superbot Patches nachreichen kann, der erste wurde schon veröffentlicht.
Mein persönlicher Eindruck ist folgender: Die Balance ist in großen Bereichen stabil, es gibt keine Dinge, die das Spiel an den Rand der Zerstörung bringen könnten (Gamebreakers).
Partyfaktor
Wer den Partyfaktor von Smash Bros geschätzt hat, wird auch mit diesem Spiel seinen Spass haben. Zusammen mit Freunden entfaltet sich ein buntes Durcheinander, ganz im Sinne des Vorbildes. Dabei entstehen zahlreiche lustige Situationen: Wenn zum Beispiel Sackboy das halbe Feld mit Kuchen und Kaugummi überzieht oder sich ein Spieler geschickt an ein sich prügelndes Spieler-Knäuel anpirscht und einen 3-fach Kill abstaubt.
Die Steuerung lehnt sich deutlich an Smash Bros an und ist ebenso einfach zu verstehen. Allstars erfordert allerdings eine etwas längere Eingewöhnungsphase, da die Charaktere mehr einzigartige Fähigkeiten besitzen, was zu einer erhöhten Komplexität führt. Sobald man sich aber mit seinem Charakter eingelebt hat und ein Gefühl für einzelne Situationen bekommen hat, gehen die Kämpfe flott von der Hand.
Profi-Ecke: Why so serious?
Eins vorweg, ich bezeichne mich keineswegs als Beat'em Up Profi. Aber ich bringe so einiges an Erfahrung mit und kenne mich in der Tunierszene unterschiedlicher Kampfspiele aus. Außerdem verfolge ich die aktuellen Diskussionen in den verschiedenen Foren.
Meiner bescheidenen Meinung nach hat das Spiel ein sehr großes Potential, eine stabile Tunierszene zu entwickeln. Sowohl 1v1 wie auch 2v2 bringen genügend Tiefe mit und sind interessant zu spielen. Die Charaktere haben so einige "versteckte" Geheimnisse, die es zu entdecken gilt, zum Beispiel verschiedene Combos oder Dantes False Bold Cancel. Für jedes Match-Up muss eine andere Strategie entwickelt werden, zudem gibt es reichlich Raum für Mindgames.
Alles Friede, Freude, Eierkuchen?
Hier die Sachen, die mich am Spiel stören:
- (noch) kein 1v1 Ranglistenspiele
- Onlinemodus läuft nicht stabil. Ein Freund von mir hat überhaupt keine Probleme, in meiner Studentenbude ist es in Ordnung, aber im Haus meiner Eltern kann ich eigentlich nur mit Leuten aus meiner Kontaktliste spielen, Ranked oder Quickmatches sind wegen zu häufiger Verbindungsabbrüche kaum möglich
- Storymodus hätte ruhig etwas länger sein dürfen
- ohne festen Teampartner keine 2v2 Ranglistenspiele möglich
Ein kurzer Vergleich mit Smash Brothers
Um ehrlich zu sein, mein allererster Eindruck von Allstars hat mich etwas enttäuscht. Warum? Als alter Smash-Hase bin ich das Spiel natürlich genauso angegangen und irgendwie wollte kein richtiger Spielfluss aufkommen. Allstars erfordert nämlich seine ganz eigene Spielweise, eigene Taktiken und Strategien. Wer aber bereit ist, sich darauf einzulassen, wird mit einem außergewöhnlichen Titel belohnt.
Es gibt ein paar Stellen, an denen Allstars für mich klar die Nase vorn hat. Die höhere Komplexität und die zahlreichen Strategien rund um das Super-Kill-Konzept einerseits, die sehr unterschiedlichen Charaktere andererseits.
Außerdem sind die Arenen sehr schön gestaltet und übersichtlich und vor allem nicht so hyperaktiv wie in Brawl und Melee, sondern erinnern eher an das Original Smash Bros auf dem N64.
Alles in allem kann man sagen, dass beide Spiele großartig sind und ihre Daseinsberechtigung haben. Dass Allstars noch nicht den selben Umfang haben kann, wie Brawl sollte jedem klar sein, schließlich mussten die Designer erst einmal die Charaktere entwickeln und ausbalancieren.
Und damit sind wir auch schon(?) am Ende angelangt. Ich freue mich über konstruktive Kritik und beteilige mich gerne an einer eventuellen Diskussion. Und nun viel Spass beim Zocken.