Mit meiner S95 als "Immer-dabei" bin ich draußen bei gutem Licht und bis ISO 400 wirklich sehr zufrieden. ISO 800 ist, wie man so schön sagt, "verwertbar", aber irgendwie nicht befriedigend. Darüber wirds gruselig. Daher war ich auf der Suche nach eine "low-light"-Lösung: wenn ich "wirklich" fotografiere, dann habe ich die 5D mark II dabei oder die 50D, aber manchmal brauchts eben das schmale Gepäck.
Die NEX C3 erfreut mit einem für diese Klasse recht großen Sensor im APS-C-Format, nur einen Hauch größer als der meiner 50D. Das Gehäuse und das gesamte Äußere sind auf Gewicht und Größe optimiert: Klein statt griffig, Plastik statt Metall. Wenn man weiß, was man will, gibt es keinen Grund, unzufrieden zu sein. das Display ist schwenkbar und dennoch stabil befestigt, sehr schön. Auch bei hellem Licht finde ich es gut nutzbar.
Die Bedienung ist einfach und übersichtlich. Für einfaches Fotografieren mit Zeitautomatik etwa, hat man alles Nötige im direkten Zugriff: Blende, ISO, AF, Belichtungskorrektur. Dazu gibt es noch allerlei Hilfsprogramme, die mir nicht so wichtig sind.
Extras, die ich bei der 5D oder der 50D nicht missen kann, hat die NEX C3 zum Teil nicht: z.B. einen halbwegs gängigen Blitzschuh, die Möglichkeit zur Fernbedienung, ein Programm für extreme Langzeitbelichtungen. Da sie für mich nur einen Ergänzung ist, vermisse ich Nichts.
Die Bildqualität ist für die Größe der Kamera absolut überraschend gut: zwischen ISO 200 und ISO 400 ist Rauschen nicht vorhanden. Die Tatsache, dass die C3 bei ISO 200 nach unten gedrosselt ist, spielt keine Rolle. ISO 800 ist immer noch sehr rauscharm, ISO 1600 bei einigermaßen gutem Licht nur sehr dezent verrauscht, ISO 3200 "verwertbar" und dann wirds gruselig. In allen übrigen Parametern ist der Sensor meiner 50D nicht unterlegen.
Eine Krankheit ist das mitgelieferte Ladegerät: der Akku braucht gefühlt Jahre (tatsächlich ca. 4,5 Stunden) bis er von 0 auf 100% ist. Zweitakku also Pflicht.
Wenn man ein System, dass so neu ist wie das NEX-System kauft, erlebt man den Kontrast zu einer vom Hersteller über mehrere Jahrzehnte aufgebauten Linsenauswahl. Da gibt es Schlechte und Gute. Offenbar hat Sony nicht damit gerechnet, dass irgendwer den Anspruch hat, dass der tolle Sensor auch direkt tolle Linsen haben soll. Das finde ich umso witziger, als dass es für den E-Mount sehr viele Festbrennweiten gibt, die bei weniger ehrgeizigen Fotografen nicht gerade die beliebtesten sind. Naja, blickt man vielleicht als Kunde nicht so rein ...
Das 16mm Pancake ist in der Mitte ab F4 richtig prima, am Rand teilweise weich und verzerrt. Viele Motive stecken es weg, mich schreckt es nicht. Das Bokeh geht so: es ist nicht ganz so cremig, wie man es sich wünscht. Allerdings: Größe der Linse und Gewicht, sogar die Haptik sind beeindruckend. Hier hat Sony eben die Schwerpunkte gelegt und man kann nicht alles haben. Außerdem gehen manche Dinge bei 16mm eben physikalisch nicht.
Gut, dass die Konkurrenz zu Hilfe geeilt ist und Sigma zwei hervorragende Linsen anbietet: 19mm und 30mm, beide sehr zu empfehlen. Schön scharf, im Falle des 30mm auch in Bezug auf die anderen Bildkriterien mehr als gut. Die beiden sind etwa doppelt so groß wie das Pancake und nicht aus Metall. 30mm sind an der C3, bedingt durch den Cropfaktor, etwa Normalbrennweite, also ein sehr schönes Immerdrauf für Festbrennweitenfreunde. Das Problem: Sony kommt mit der Firmware offenbar nicht hinterher bzw. vielleicht ist es auch Firmenpolitik, dass man Sigma hier nicht protegieren will. Der Nachführ-AF funktioniert sehr langsam, die Reaktionszeit der Linse insgesamt wirkt gebremst, mein erstes Exempar hatte "Kommunikationsprobleme", wurde von der Kamera nicht erkannt-wieder erkannt-nicht eraknnt- wieder erkannt, usw. Ist der AF mit dem Pancake zumindest ausreichend für den ein oder anderen Schnapper, das 30mm braucht Zeit. Ich hoffe, mit dem nächsten Firmware-update ist das vorbei und die beiden verstehen sich besser.
Nebenbei auch noch ganz schön ist, dass man endlich den Sensor selbst reinigen kann. Der war bei der S95 schon nach 1000 Bildern dreckig und ich bin wahrlich kein Gewalttäter in Sachen pfleglicher Behandlung. Die Kamera wurde auf Kulanz gereinigt, aber nervig ist das schon.
FAZIT: als Jackentaschenmini für sehr hohe Ansprüche an die Bildqualität und Ergänzung zur DSLR super. Als stand-alone-Lösung nur für Fotografen, die eine Kamera wenig ausreizen und trotzdem super Bildqualität wollen. Dann lieber zur 5N greifen, die allerdings, getrieben durch den Markt, mittlerweile fast das doppelte kostet und für die es auch nur sehr wenige sehr gute Linsen gibt. Als Objektiv besonders zu empfehlen ist das
Sigma 30mm F2,8 EX DN Objektiv (46mm Filtergewinde) für Sony-E.
Ich wollte nur was Kleines für unterwegs und eine ISO, die available-light Fotos bei ordentlichen Belichtungszeiten ermöglichst. Für meine Bedürfnisse also 5 Sterne.