Ich habe die Kamera nun seit mehreren Monaten im Einsatz. Die Kaufentscheidung traf ich, weil die Bildergebnisse der letzten, nicht gerade günstigen Kompaktkameras immer mehr enttäuschten. Die subjektiv besten Bilder machte immernoch die uralte Sony P12 mit 5 Megapixel Sensor, ein Zustand, der wohl den immer kleiner werdenden Sensorflächen bei gleichzeitig steigender Auflösung geschuldet ist. Folglich klang eine relativ kompakte Kamera mit APS-C Sensor wie die Lösung dieses Problems.
Bereits unmittelbar nach dem Kauf überraschten die wirklich kompakten Abmessungen der Kamera. Der eigentliche Body ist nicht viel größer als eine Kompaktkamera und lediglich das Objektiv verrät die Geräteklasse. Die Kamera ist gut verarbeitet, wobei sich das Magnesiumgehäuse der NEX 5 noch etwas wertiger anfühlt. Auch der Handgriff weicht im Design ein wenig von dem der NEX 5 ab, so dass jeder potentielle Käufer sich die Handhabung in einem Ladengeschäft ansehen sollte, denn der flache Handgriff der NEX 3 ist nicht Jedermanns Sache; ich persönlich komme damit gut zurecht.
Handhabung:
In der Handhabung zeigt sich, dass Umsteiger von Kompaktkameras zur anvisierten Käuferschicht gehören. Das Menü ist bunt und auch ohne lesen der Anleitung zu bedienen, erst bei Detaileinstellungen muss man das Handbuch bemühen. Umsteiger werden sich auch damit abfinden können, dass einige Funktionen tiefer im Menü angesiedelt sind, für die es bei anderen Systemkameras dedizierte Knöpfe gibt, was aber zumindest Großteils durch das letzte Firmware Update behoben wurde (siehe unten): die wichtigsten Parameter lassen sich jetzt direkt einstellen, so dass auch fortgeschrittene Nutzer auf Ihre Kosten kommen.
Die Automatik funktioniert hervorragend und die verschiedenen halbautomatischen Modi ermöglichen die Beeinflussung der typischen Bildparameter. Einziges Manko ist, dass im Vollautomatikmodus ISO 1600 die höchste Empfindlichkeit ist, hier werden die Möglichkeiten der Kamera nicht in Gänze ausgereizt. Im Programm Modus nutzt die Kamera alle ISO Stufen, und ich war wirklich erstaunt, wie wenig Bildrauschen in den Fotos zu sehen ist. Für die meisten Einsätze konnte ich sogar auf den Einsatz des Blitzes verzichten und trotzdem akzeptable Bilder produzieren.
Der Monitor der Kamera ist schwenkbar und wirkt gestochen scharf. Er ist auch im Außenbereich zu erkennen und kann sehr gut zum manuellen Nachfokussieren genutzt werden, zumal die Kamera dann den Fokusbereich automatisch vergrößert darstellt.
Bildqualität:
Die Bildqualität entspricht voll und ganz meinen Erwartungen. Wie beschrieben rauscht die Kamera kaum und sowohl die Farbwiedergabe, als auch die Detailtreue der Fotos überzeugte. Die Möglichkeiten mit Tiefenunschärfe zu arbeiten gefallen und die Panormaaufnahmen sind einfach nur verblüffend. Selbst am Rechner sind Details gut erkennbar und übertreffen die Ergebnisse meiner bisherigen Sammlung an Kompaktkameras um Längen. Sicherlich kann man in manchen Situationen leichte Verzeichnungen durch das Objektiv (18-55) wahrnehmen, diese fallen aber im Alltag weniger auf. Selbst Bekannte mit eigenen Spiegelreflexkameras konnte die NEX 3 und die damit produzierten Bilder gerade im Anbetracht des Preises überzeugen, denn andere kaufen sich zum Preis des NEX 3 Kits gerade mal ein Objektiv.
Erwähnung sollte ebenfalls der gute Autofokus finden. Im Vergleich mit der Samsung NX Reihe produzierte die Kamera erheblich weniger fehlfokussierte Bilder, gerade unter ungünstigen Lichtbedingungen. Die in der Kamera integrierte HDR Funktion, sowie die Rauschminimierung durch Überlagerung mehrerer Aufnahmen mit hohen ISO Werten sind ebenfalls sehr gelungen und leisten beeindruckende Ergebnisse.
Video:
Die Kamera nimmt Videos im MP4 Format un 720p Auflösung auf. Hier liegt ein weiterer Unterschied zur NEX 5 vor, die 1080i Aufnahmen im AVCHD Format erlaubt. Für mich ist die gebotene Videoqualität mehr als ausreichend. Die Videos wirken scharf und rolling Shutter ist im Gegensatz zu den im Internet gezeigten Videos der Samsung NX10 kein Problem.
Akku:
Die Akkulaufzeit ist leider nicht gerade berauschend und die Ladezeit mit mehr als vier Stunden übertrieben lang. Zum Glück erlaubt Sony die Nutzung von alternativen Akkus, denn die UVP des Originalakkus kann von Sony nicht ernst gemeint sein.
Fazit:
Ich habe lange überlegt, ob ich die NEX 5 oder die NEX 3 kaufen soll. Letztendlich hat die Verfügbarkeit mir die Entscheidung abgenommen und ich habe sie nicht bereut. Die Preisdifferenz zur NEX 5 ist meiner Meinung nach für 1080i Video, ein Magnesiumgehäuse und IR Sensor zu groß und wer gute Bildqualität und eine kompakte Systemkamera sucht, kann bei der NEX 3 bedenkenlos zugreifen und sich den Aufpreis zur NEX 5 sparen, vor allem wenn er vorher hauptsächlich mit Kompaktkameras vertraut war.
Ich würde die Kamera wieder kaufen, vielleicht dann direkt im Kit mit beiden Objektiven...
Update:
Sony hat das auf der Photokina versprochene Firmware Update Version 3 bereit gestellt. Das Update hält, was es verspricht und wirkt nicht "hineingebastelt". Folgende Verbesserungen sind mir aufgefallen:
- Zwei der 3 Tasten sind durch den Nutzer frei belegbar, wobei die mittlere Taste mit bis zu drei Funktionen belegbar ist. Somit sind z.B. die ISO Einstellungen innerhalb eines Tastendrucks erreichbar, anstelle von 5 zuvor.
- Die Menüs springen nun bei Erreichen des letzten Eintrages automatisch wieder auf den Ersten.
- Das Menü merkt sich, welchen Eintrag man zuvor aufgerufen hatte und wählt diesen jetzt auch automatisch wieder aus.
- Die Einblendungszeit der Lupe für die manuellen Fokussierung ist nun auswählbar (2s,5s,unendlich), was das manuelle Fokussieren einfacher macht.
- Die Autofokusunterstützung von bestimmten Alpha Objektiven konnte ich leider nicht testen.