Vor ein paar Wochen hab ich ihn (den MZ-N710) nach langem Zögern doch gekauft, meinen dritten mobilen MD-Recorder, der zusätzlich zu MD LP (LongPlay) auch noch über die komfortverheißende NetMD Technologie verfügte.
Gut ausschauen tut das fesche silberne Aluminium-Gehäuse des MZ-N710 ja... - auch die nach HighTech aussehende Fernbedienung ist genausogut wie die modische Tischhalterung mit integrierter Stromversorgung gut geeignet um Eindruck bei weniger informierten Zeitgenossen zu schinden. Leider sind damit allerdings die herausragenden positiven Aspekte bereits genannt, bestenfalls fallen noch die gute Klangqualität mit hochwertigen (und hochempfindlichen) Kopfhörern sowie als LineOut-Gerät, die gute Verarbeitung, die bisherige (sogar beim Joggen) hohe Zuverlässigkeit und die geringe Größe ins Gewicht, dann aber beginnen die Ungereimtheiten...
Größtes Manko ist die sehr geringe Ausgangsleistung des Kopfhörerverstärkes, der weder für normalempfindliche Kopfhörer ( weniger als ca. 105dB/1mW) noch zur Übertönung etwas erhöhte Umgebungslautstärke (z. Bsp. im Flugzeug) ausreicht. So kann man zwar sicher viel Strom sparen, mir wäre es aber lieber, wenn ich überall, auch bei ein wenig Nebengeräuschen Musik hören könnte!
Zweites Ärgernis ist die mitgelieferte Software SonicStage zur Verwaltung und Überspielung von Musik vom PC auf den NetMD Player... - abgesehen von langer Ladezeit, umständlichem Datei-Handling und paranoidem Sicherheits(Kopierschutz)wahn, neigt die Software zu häufigen Abstürzen, sowohl (seltener) auf meinem Selbstbau-Heimrechner unter Win98SE als auch kurioserweise vor allem auf meinem neuen SONY VAIO Notebook unter WinXP!!!
Die im Internet verfügbaren Updates lassen sich leider nicht installieren, da die mitgelieferte Software angeblich nicht passend ist. Der peinliche Sony-Support verweigert leider jedwede Auskunft zu diesem Thema. Selten fühlt man sich als Kunde so wohl umsorgt... :-(
Das man nicht einmal selbst per Mikrofon oder Mischpult gemachte Aufnahmen über USB-Kabel auf den PC übertragen kann ist ja bereits bekannt und hat mich angesichts der Sony-Paranoia auch nicht mehr gewundert. Dafür verwende ich dann halt einen "großen" HiFI MD-Player (auch von Sony...), von dem aus ich die Daten dann Digital per Lichtleiterkabel übertrage.
Drittes Ärgernis ist die schicke Fernbedienung, die zwar positiverweise eine sehr sichere Hold-Schaltung hat, leider aber auch eine mit einer Hand unbedienbare Lautstärkeregelung, die durch verdrehen (!!!) des oberen Ringelements funktioniert. Mit einer Hand kann man nicht verhindern, dass diverse andere Tasten mit gedrückt werden, sehr ärgerlich! Auch die anderen Tasten sind viel zu klein und unauffällig beschriftet, als das man sie sinnvoll nutzen könnte. Fazit: völlig überflüssig.
Nettes, wenn auch nutzloses weil klangverschlechterndes Gimmick ist der SurroundProzessor, der dem Tonsignal virtuelle Raumsignale zumischt und damit selbst mittelgute Aufnahmen zumatscht, von guten Aufnahmen ganz zu schweigen.
Der 6-Band-Equalizer ist eine weitere nette Zugabe die sogar einigermaßen funktioniert, auch wenn die Filter nicht steil genug sind und sich gegenseitig beeinflussen. Da ich überwiegend gute Kopfhörer einsetze, bleibt mir die Nutzung dieses Features glücklicherweise erspart. Sinnvoller wäre sicher die Beschränkung auf eine einfache Bass- und Höhenregelung, wie sie sogar der billige Sharp MT-270 schon bietet.
Letztes Ärgernis ist der Mikrofonverstärker, dessen Empfindlichkeit nur begrenzt einstellbar ist. Im Zweifelsfall bei Bedarf besser vorher mit dem angedachten Mikrofon ausprobieren. Überhaupt ist der analoge Aufnahmeteil hörbar weniger klangtreu als der digitale Eingang. Bei Bedarf sollte man einen höherwertigen Wandler als Eingang verwenden und die Musik per Lichtleiterkabel oder PC USB-Link übertragen.
Fazit:
Insgesamt ein gut verarbeiteter und auch gut klingender MD-Recorder dessen hoher Preis allerdings kaum gerechtfertigt ist, da hier fast ausschließlich überflüssige Show-Gimmicks bezahlt werden und kein Praxis-Mehrwert erkennbar ist. Keine Empfehlung!