Pocket Camcorder - diese Kategorie der Spielzeug-Kameras ist zwar auch schon seit gut zwei Jahren auf dem Markt, aber für ernsthafte Video-Aufnahmen hat sie noch nie was getaugt. Egal von welchem Hersteller und in welchem Gewand die Geräte nun herkommen. Nun ist mittlerweile auch HD-Auflösung zum Standard geworden und dementsprechend protzen mittlerweile alle möglichen Geräte damit, Videos in Äitsch-Die aufnehmen zu können - egal ob Fotokamera oder Handy und natürlich auch die Taschen-Camcorder. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß die Qualität dieser Geräte insgesamt eher bescheiden ausfällt. Ich spreche da aus Erfahrung, da ich schon einige von diesen Dingern getestet habe.
So ist auch die Sony Bloggie keine Ausnahme. Auch sie schwächelt wie die anderen Geräte, die Kritikpunkte sind überall recht ähnlich. Zwar hat die Sony mit dem Schwenkkopf und dem 360 ° C Adapter durchaus Alleinstellungsmerkmale, doch das alles genügt nicht, um über die maue Qualität der Videos hinwegzutäuschen - denn schlußendlich wurde so ein Camcorder ja dafür gebaut.
Was mich an der Bloggy stört:
1. Schärfe der Videos - natürlich hört sich 1920x1080 recht toll an, nur sollte man bei dieser Größenangabe nicht automatisch annehmen, daß eine Kamera auch tatsächlich so scharf aufnimmt. Die Bloggie kann zwar bei knackigstem Sonnenschein halbwegs scharfe Videos aufnehmen, jedoch nie wirklich befriedigend. Schon bei einem bewölktem Himmel bricht die Schärfe sichtbar ein. Die Datenrate ist auch viel zu gering, um wirklich ausreichende Video-Informationen aufzunehmen. Die MP4-Videos haben alle eine Datenrate von etwa 5MB/s, was einfach nicht ausreicht.
Bei Dunkelheit ist die Kamera eigentlich unbrauchbar, da sie schon bei Zimmerbeleuchtung ein sehr dunkles und verrauschtes Video liefert. Überhaupt erstaunte mich die Tatsache, daß sie bei Zimmerbeleuchtung schon fast schwarz aufnahm - andere Geräte rauschen hier zwar auch schon heftig, aber erkennen wenigstens noch was.
Auch störend: Lensflares.
Der Ton ist halbwegs brauchbar, wenn auch keine Offenbarung(Mono und etwas gedämpft).
Die 360 ° Aufnahme-Option ist zwar ein nettes Gimmick, produziert nach Konvertierung mit der mitgelieferten Software aber auch nur einen schmalen Streifen, der über den Bildschirm verläuft. Spielerei, mehr nicht. Man erkennt nicht wirklich viel, und wenn, dann ist es naturgemäß stark verzerrt.
2. Rolling Shutter - wie bei allen Geräten mit CMOS-Sensoren ist das auch hier ein Problem. Durch das zeilenweise Auslesen des Sensors entsteht bei Bewegungen der Eindruck von einem "schwabbelndem" Video. Während höherwertigere Geräte durch eine schnellere Ausleserate das Problem mittlerweile auf ein erträgliches Maß reduzieren, leiden die Pocket-Camcorder immer noch darunter. So auch die Bloggie. 30p ist eigentlich kaum brauchbar, maximal vom Stativ. 60p sieht zwar etwas besser aus, jedoch sieht man es auch hier immer noch. In Kombination mit dem uneffektivem Stabilisator nicht gerade ein Garant für gute Videos.
3. Wie eben erwähnt, ist die Wirkung des Stabilisators eigentlich nicht spürbar. Er läßt sich auch nicht abschalten, was bei Stativ-Einsätzen sinnvoll wäre.
4. Bedienung und Verarbeitung - das Display ist sehr blickwinkelabhängig und spiegelt stark. Es ist schwer, immer etwas darauf zu erkennen. Dies stört auch besonders bei Aufnahmen "aus der Hüfte" mit dem schwenkbaren Kopf der Kamera - dieses Feature wird dadurch eigentlich in seiner Nützlichkeit deutlich reduziert. Abgesehen davon wird eh nur ca. die Hälfte des Displays für das Vorschaubild verwendet, der Rest für Laufzeit, Auflösung etc. - so hat man im Endeffekt nur ein recht kleines "Guckloch".
Die Verarbeitung ist ok, aber die Knöpfe für die Aufnahme lassen sich etwas schwer drücken, so daß man oft nicht weiß, ob die Kamera nun aufnimmt oder nicht.
Störend ist die Verwendung von speckigen Hochglanzmaterialen, auch mal wieder - klar, bei einem "Lifestyle"-Produkt kann man wohl nicht erwarten, daß man sich mit solch läppischen Dingen wie praktischer Nutzbarkeit aufhält, Hauptsache es sieht "cool" aus, auch wenn die glänzenden Flächen(Plastik und das Metallimitat an der Seite ob der Fingerabdrücke dann doch schnell an Glanz verlieren, im wahrsten Sinne des Wortes...
Das Menü ist auf das Wesentliche reduziert - finde ich durchaus in Ordnung.
Daß der Akku nur über den Computer geladen werden kann, nervt etwas - aber vermutlich wollte man das Geld für den Lader sparen. Immerhin: Ein 4GB Memory-Stick wurde mitgeliefert.
Fazit:
Ernsthafte Videos kann man mit solchen Geräten leider nach wie vor nicht aufnehmen. Ich habe keine Wunder erwartet, aber wenigstens mal Videos, die ohne Gewackel auskommen, wenn man nun nicht gerade ein Stativ verwenden will(was die Kompaktheit der Kamera ja auch wieder zunichte machen würde). Oder auch Videos, die nicht nur bei hochsommerlichen Lichtbedingungen taugen. Ich würde lieber 50 ¤ mehr ausgeben, um eine halbwegs ernsthaft verwendbare Kamera zu haben als nun ein Gerät, was für ca. 130 ¤ nun das ultimative Film-Erlebnis mit allem Pipapo verspricht, davon aber nicht mal die Hälfte einhält. Schade, das war wohl nichts.