Zuerst einmal möchte ich versuchen, die (preiswerten) Aufnahmerekorder von den (teuren) Diktiergeräten abzugrenzen; die digitalen Geräte unter 100¤ sind Aufnahmerekorder, mit denen man in Grenzen auch diktieren kann, Diktiergeräte haben m.E. alle eine "1-Daumen-Bedienung", und mir ist keines unter 200 Euro untergekommen. Den Aufnahmerekordern fehlt fast vollständig die Möglichkeit, ein kurzes Stück zurückspulen zu können, um dann einen Textabschnitt "übersprechen" oder "einfügen" zu können. Um Interviews oder Vorträge mitzuschneiden sind die Aufnahmerekorder allerdings voll ausreichend, und auch für Sprachnotizen und kurze Diktate ohne viele Berichtigungen geeignet.
Man muß schon mehr als 30¤ ausgeben, wenn ein Transfer der Vokaldateien von Gerät zum PC möglich sein soll (Speicherkarte oder USB).
Ich hatte die Möglichkeit, den SONY ICDPX312 ((-1-), ca. 45¤) bzw SONY ICDPX312M und die Olympusgeräte VN-713((-2-), ca. 70¤) und WS-812 ((-3-), ca. 100¤) miteinander zu vergleichen. Vorweg, für mich als musikalisch nicht besonderes interessierten klang der SONY bei der Wiedergabe von MP3-Dateien (Musik) über Kopfhörer etwas dumpf, das kann aber auch an den Dateien gelegen haben. Sonst war der Klang über Kopfhörer bei Aufnahme in den hohen Qualitätsstufen bei allen Geräten einfach WOW, selbst Gezwitscher von Vögeln außerhalb der Wohnung wurde mit aufgenommen. Bei Gerät (-3-) ist sogar noch ein Equalizer vorhanden, um Musik besser genießen zu können.
Geräte (-1-) und (-2-) haben Mono-Mikrofone, können aber bei Anschluß eines externen Steromikofons auch Stereo aufnehmen. Man sagt, dass könne bei Gruppengesprächen hilfreich sein, um einzelne Sprecher zu unterscheiden. Für Diktate sei Mono besser. (-3-) hat ein Stereo-Mikrofon eingebaut, ein externes Mikro ist anschliebar.
Alle Geräte nehmen Störgeräusche, z.B. ein Streichen über das Gerät, sehr deutlich und störend auf. Also anschalten und hinstellen, sehr gut festhalten oder externes Mikro verwenden.
Ergonomisch fällt das SONY ICDPX312 etwas zurück. Bedienungselemente an den beiden Längsseiten und auf der Front, teilweise recht klein und nur mit relativ großen Bewegungen erreichbar. Einige (selten genutzte) Funktionen sind nur über das menu aufzurufen. (-2-) und (-3-) werden häufiger über die Front bedient und haben auf diesem Wege auch mehr Funktionen erreichbar.
Ein Beispiel sei beschleunigte oder verlangsamte Wiedergabe, das ist Konfigurationssache beim Sony, Tastendrücke beim Olympus. Das Display ist bei (-1-) und (-2-) nicht beleuchtet, bei (-2-) ist aber die Schriftgröße verstellbar. Auch hier sind bei Sony weniger wichtige Informationen für den täglichen Betrieb ohne Lesebrille und brauchbare Beleuchtung nicht zu entziffern, relevante Informationen sind größer dargestellt. Die Auswahl von Presets für Aufnahmesituationen wird bei allen Geräten durch Piktogramme ergänzt, und damit kann man gut leben.
Alle Geräte können MP3, (-2-) und (-3-) zusätzlich WMA, und (-3-) zusätzlich PCM, also Aufnahmen unkomprimiert und ungefiltert. Mit letzterem Gerät sind also auch wirklich unverfälschte Aufnahmen von Vogelstimmen oder technischen Geräuschen möglich. Aber auch so war ich, s.o. von der Klangqualität aller drei Geräte überzeugt.
Alle Geräte sind mit Spracherkennungssoftware lieferbar (z.B. SONY ICDPX312D oder Olympus VN-811DNS), ich gehe also davon aus, dass sie sich mit der Vollversion "Dragon Naturally Speaking" kombinieren lassen, um Sprachnotizen und Diktate in Text übersetzen zu lassen. Ob "Home" oder "Premium" erforderlich ist habe ich noch nicht herausgefunden, und ich wüsste gerne, ob auch Interviews transskribierbar sind (ohne umfangreiches "Anlernen" der Software). Die beiden Olympusgeräte haben extra einen Preset "DNS" um Aufnahmen optimiert für die Spracherkennung zu erstellen.
Während die Olympusgeräte eine Funktion haben, um bei Kenntnis eines Datums direkt die an dem Tag erstellten aufnahmen zu finden, benennt der Sony die Dateien nach dem Schema JJJJMMTT-Lfd.Nr., was spätestens auf dem PC auf's Gleiche herauskommt.
Nur das Sony hat rudimentäre Funktionen zum Anhängen oder Einfügen von Sprachkommentaren an bereits existierende Dateien, bei den Olympusgeräten kann man fehlerhafte Teile nur Abtrennen und Löschen.
Ich habe mich letztlich für den Sony entschieden, der alle von mir benötigten Funktionalitäten aufweist, nämlich Mitschnitte von Vorträgen und Besprechungen sowie Sprachnotizen, das alles bei guter Aufnahme- und Wiedergabequalität. Die Editierfunktionen sind nur für wirklich Technikbegeisterte (aber immerhin vorhanden), die wesentlichen Inhalte sind auf dem unbeleuchteten Display ablesbar, der Preis ist wesentlich niedriger als bei den anderen Geräten. Die mitgelieferten Batterien kann man durch Akkus ersetzen, die aber vermutlich nicht im Gerät aufgeladen werden können. Wenn ich mal wirklich DIKTIEREN will, muss ich sowieso ein teureres Gerät anschaffen.
Hätte ich zusätzlich Bedarf an anderen Tonaufnahmen (Musik, technische Geräusche), dann wäre der Olympus WS-812 meine erste Wahl. Mehr Speicherplatz, Equalizer, eine ausgefeiltere Sprachsteuerung für die Aufnahme, internes Stereomikrofon, bessere Bedienung und beleuchtetes Display, mitgelieferter, im Gerät ladbarer Akku, ein integrierter USB-Stecker zum Anschluß an den PC und schlußendlich eine professionellere Anmutung wären mir die 50¤ Euro Aufpreis wert.
Testen könnte man auch die Bundles WS-811DNS bzw. ICDPX312D mit Spracherkennung am PC, hier kostet die Spracherkennung ca. 30 ¤ Aufpreis, wogegen die Spracherkennungssoftware alleine 50 (Home) bis 120 (Premium) Euro kostet.
Vier Sterne sind bei mir ein "gut", die hätten auch die Olympus-Geräte bekommen, fünf Sterne wären nur bei besseren Editierfunktionen drin gewesen.
Das ICDPX312M unterscheidet sich vom ICDPX312 nur durch das Stereo-Kravattenmikrofon, das separat ca. 18 ¤ kosten würde, im Paket nur ca. 8 ¤, und das eine m.E. sehr gut Aufnahmequalität hat.