Im Sony HVR-HD1000E steckt bekanntlich die Technik des Konsumer-Modells HC7. Die Bildqualität ist gut und zeigt lediglich bei Lowlight (30 Lux) Schwächen, die Videoaktiv digital nach einem Test auf Herz und Nieren als befriedigend einstuft. Der 1/2,9 Zoll CMOS-Sensor zeigt einen geringen Smear-Effekt und macht deutlich, dass ein 3CCD-Chipper nicht von Vorneherein einem CMOS-1-Chipper überlegen ist (siehe Vergleichstest mit Panasonic AG-HMC 71E) in Videoaktiv digital 4/2008). Die Filmaufnahme geschieht auf Band wahlweise in HDV oder in DV. Auf Karte (Memory Stick Duo) nimmt der Sony nur Fotos auf, die aber mit einer maximalen Auflösung von 6,1 Megapixel.
Ich setze den HVR-HD1000E in der Schule in meinem Arbeitskreis Videofilm ein. Aufgrund seiner Größe und des Gewichts ergibt sich auf der Schulter eine sehr ruhige Kameralage, die ich mit einer Handkamera nicht erreiche. Die große, fein dosierbare Zoom-Wippe ist aus dem Konsumerbereich praktisch verschwunden und auch den Objektivring findet man dort kaum noch. Mit dem Objektivring der HD1000E kann man zwar immer nur eine Option verstellen (wahlweise Fokus, Zoom, Belichtung, Verschlusszeit, Autom. Belichtung, Weißwert-Verschiebung), die Einstellungen werden jedoch fixiert und so kann eine zweite oder dritte Option eingestellt werden. Auf diese Weise ist es möglich z. B. die Verschlusszeit üben den Ring vorzuwählen und dann zur Fokusfunktion per Ring zurückzukehren. Die Schärfe stellt man nun manuell ein, die vorher festgelegte Verschlusszeit bleibt gespeichert.
Ich selbst habe eine Panasonic NV-GS 330 und in der Schule benutze ich noch eine NV-GS 500, beide mit Joystick-Navigation. Beim Sony wird fast alles über das Touch-Screen-Menü geregelt. Ich habe aber nur wenige Stunden benötigt um mich in diese Art der Bediengung einzugewöhnen. Der Sony bietet überdies eine unglaubliche Vielzahl von Einstellmöglichkeiten. Es wird Wochen dauern bis ich jede einzelne Einstellung durchprobiert habe.
Die Kamera, obwohl ganz aus Plastik, ist dennoch gut verarbeitet. Die in diversen Foren bemängelte Schulterstütze ist leicht gummiert und lässt bei einem Gewicht von 3 kg die Kamera bequem auf der Schulter ruhen. Das Gehäuse klingt im hinteren Teil tatsächlich hohl, was es mit Sicherheit auch ist. Aber technisch ist für unsere Bedürfnisse alles drin, was man von einer Kamera dieser Preisklasse erwarten kann. Highlights sind: Intervall-Aufnahme, Super-Night-Shot mit Infrarotlicht und eine Zeitlupenfunktion (macht aus 3 Sekunden 12!). Das ebenfalls als zu gering bemängelte Gewicht geht meines Erachtens in Ordnung, bringt doch der über 6000 ¤ teure Sony-Henkelmann HVR-Z7E bei etwas geringeren Abmessungen auch nur knapp 3 kg auf die Waage.
Viel Negatives steht über die HVR-HD1000E in diversen Foren zu lesen. Das meiste ist nach meinen bisherigen eigenen Erfahrungen mit der Kamera nicht zutreffen. Die eigentlichen Schwächen sind:
1) Der Sucher hat tatsächlich eine zu geringe Auflösung für HDV. Als Abhilfe empfehle ich beim Filmen in HDV auf den Autofokus zu vertrauen oder bei manueller Einstellung die Schärfe mit dem Monitor zu kontrollieren. Der ist nämlich gar nicht schlecht.
2)Es gibt nur wenige Tasten für den schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen. Sony hat hier tatsächlich am Bedienungskomfort gespart mit nur einem Ziel: Den Preis der Kamera deutlich unter 2000 ¤ zu halten. Das Menü kann jedoch den persönichen Bedürfnissen angepasst werden. Hier können die wichtigsten Funktionen so angeordnet werden, dass sie mit wenigen Handgriffen zu erreichen sind. Mit ein bisschen Übung gelingt das recht gut und schnell.
3)Es gibt, anders als bei Profi-Camcordern üblich, keine XLR-Anschlüsse für den Ton. Hier gilt zu bedenken: Den HVR-HD1000E habe ich bei meinem Händler für etwas über 1500 ¤ gekauft. Die Kamera ist also kein Profigerät im eigentlichen Sinn, sondern etwas für den ambitionierten Hobbyfilmer oder "Semiprofi". Wenn ich den entsprechenden Ton benötige, werde ich ihn extern aufzeichnen. Ansonsten reicht mir das mitgelieferte Mikrofon mit Miniklinke.
4) Sicherlich gibt es je nach Ansprüchen und Verwendungszweck weitere Schwächen und Kritikpunkte. Aber eines darf man, wenn man bei klarem Verstand ist, nicht tun: Man kann die HVR-HD1000E nicht mit einer Profikamera für 4000 oder mehr Euro vergleichen. Und verglichen mit ihrem Preis schlägt sie sich recht wacker gegen die hochpreisige Konkurrenz, zum Teil aus dem eigenen Hause. Das Testurteil von Videoaktiv digital lautet dann auch: sehr gut mit 73 von 100 möglichen Punkten. Damit liegt die HD1000E nur knapp hinter den 4000 und mehr Euro teuren Profi-Camcordern Sony PMW-EX1E (79 von 100 Punkten) oder Canon XH A1E (75 von 100 Punkten).
5 Sterne von mir ganz persönlich, weil die Kamera zu meinen Anforderungen passt und sich in der Schule bewährt hat. Ich lege dieser Bewertung aber ausdrücklich keine Kriterien für eine Profi-Kamera zugrunde, die man in diesem Preissegment logischerweise nicht erwarten kann.