Für den Wochenendausflug wollte ich einen möglichst kleine Camcorder. Habe nun die Sony HDR-CX105EB hier bei Amazon gekauft und gleich ein wenig getestet. Vielleicht habt Ihr ja schon meinen Test der Sony HDR-SR11/12 gelesen, die ich beruflich und auf großen Urlaubstouren benutze. Natürlich ist dieser Camcorder als Referenz in Bildqualität und Ausstattung für mich noch unschlagbar, aber auch die CX105 hat mich überzeugt, zumal man hier für 400 Euro wirklich gute Technik bekommt.
Ein Vergleich der beiden Geräte ist natürlich ungerecht, trotzdem möchte ich die Unterschiede kurz aufzählen um zu zeigen, wo man gespart hat und wo die sehr viel günstigere CX105 trotzdem trumpfen kann.
Warum wieder Sony?
Akkus, Kabel, Ladegeräte und sonstiges Zubehör kann man für beide Camcorder verwenden, selbst die Filter, Weitwinkel und Tele-Vorsätze (hier ist nur ein Adapterring von 30mm auf 37mm notwendig).
Da kann man eine menge Geld sparen.
So, nun zur Technik:
Da ist natürlich immer das leidige Thema mit dem Bildrauschen. Heute möchte man einfach seine Familie im dunklen Wohnzimmer filmen und so ein Bild- Sensor zeigt die Umgebung immer heller als sie in Wirklichkeit ist, verstärkt sie sozusagen und wenn der Camcorder nicht genügent Licht bekommt, erfindet er einfach diese Bildpunkte dazu, die dann das Rauschen verursachen. Im Profibereich wird oft mit mehreren tausend Watt Leuchten gearbeitet, wie soll also so ein kleines Consumer-Gerät bei Kerzenschein da mithalten? Manche Geräte kommen damit besser zurecht, andere nicht. Ein Vergleich kann man immer schlecht nachvollziehen, da müsste man alle Geräte in der Preisklasse unter gleichen Bedingungen testen, aber wer macht das? Außerdem ist ein Camcorder, der bei Dunkelheit rauscht oft wieder in einer anderen Disziplin besser: z.B bei der Schärfe oder der Farbtreue. Wenn es zu diesem verstärkten rauschen kommt, wurde der Camcorder einfach überfordert und man sollte einfach eine zusätzliche Lampe aufstellen oder in den nachmittagshellen Garten gehen. So kann man mit wenigen Mitteln ein Problem aus dem Weg schaffen, das hier wohl die ganze Menschheit beschäftigt. So wie man im Winter Winterreifen braucht, so braucht ein Camcorder Licht. Gebt es ihm und ihr werdet zufrieden sein.
Bei Tageslicht ist die Bildqualität des Camcorders sehr gut. Manchmal konnte ich fast identische Aufnahmen von der CX105 und von der teureren SR12 nicht auseinanderhalten und für die Darstellung auf einen 40 Zoll Full HD bei einem Abstand von 4 Metern zum Fernseher sieht man überhaupt keinen Unterschied mehr. Den Weißabgleich stelle ich immer auf Außen, dann werden die Farben wärmer.
Was es bei der CX105 nicht gibt, ich aber selbst bei der SR12 nur sehr selten benutze:
- Keinen Sucher (aber wer schaut heut noch in die Röhre?- Für mich als Brillenträger immer ein Problem)
- Keinen Zubehörschuh (Zubehör-Gimmicks sind oft schlechter als der Camcorder selber)
- Keinen Mikrofonanschluss (Bringt das Gerät ja in sehr guter Leistung selber mit)
- Keinen Kopfhöreranschluss (Man könnte den AV-Ausgang umbauen, aber das geht jetzt zu weit... ;-)
- Keinen optischen Bildstabilisator, dafür einen digitalen, der aber auch sehr gute Dienste leistet.
- Keine Dockingstation (Da verstaubt wenigstens nichts auf dem Schreibtisch)
- Weniger auflösendes Display (Schade, aber auch mit weniger Stromverbrauch)
- Kein 5.1 Sound (hier pfeift der Wind nur in Stereo)
- Keine Fernbedienung (aber optional mit Kabel erhältlich)
- Keinen Blitz (Da ich immer ein Weitwinkel oder Schutzfilter benutze, fällt der Blitz sowieso flach)
- Objektivschutz muss manuell geöffnet werden (durch die Verwendung eines Schutzfilters kann man ihn immer offen lassen)
- Einige Einstellmöglichkeiten (nur wegen der Vollständigkeit)
Fünf Sachen, die mir super an der CX105 gefallen:
1. Bildschirm aufklappen und schon kann die Aufnahme losgehen. Die SR12 braucht etwa 3x soviel Zeit. Klappt man den Bildschirm wieder zu, geht der Camcorder aus. Diese Funktion kann man aber im Menu auch ausschalten.
2. Außer den Zoom-Motor hört man nichts und auch der ist so leise, das man das Ohr an das Gehäuse halten muss um was zu hören. (Da bekommt die SR12 mit der surrenden Festplatte einen Minuspunkt).
3. Die Kombination aus Punkt-Fokus und -Helligkeitsmessung. Man berührt den Monitor an der Stelle, wo das Bild scharf und richtig belichtet sein soll, beides wird ausgeführt und bleibt als manuelle Einstellung erhalten. So schnell ist bei der SR12 nicht mal das Einstellrad.
4. Auf dem internen 8GB Speicher passen etwa 56 Minuten beste HD Qualität. Mit zusätzlichem Memory Stick kann man den Speicher erweitern.
Der Memor-Stick wird ja gern preislich mit SD Karten verglichen. Aber da vergleicht man Äpfel mit Birnen und ein Class 6 SD Karte ist auch nicht so viel günstiger. Selbst ein Memory Stick von SanDisk kann da geschwindigkeitsmäßig nicht mithalten. Hier sollte man nicht an der falschen Stelle sparen und das original von Sony kaufen (hier von Amazon und nicht von Drittanbietern aus China).
5. Klein und leicht. Wenn ich nach einem Wochenendausflug mit der CX105 die SR12 in der Hand halte, dann wirkt sie wie ein klobiges schweres Monster. Zum Glück wird sie meistens mit einem Stativ benutzt.
Vier negativen Punkte:
1. Diese ständigen Fingerabdrücke auf dem Display. Ich kann mich nicht daran gewöhnen, aber das scheint wohl Zukunftssicher zu sein und zu bleiben.
2. Manche Funktionen wünscht man sich als Knopf an der Gehäuseseite. Den Bildstabilisator suche ich heute noch in den Irrwegen der Untermenüs. Den Easy-Modus könnte man ganz weglassen oder diesen schönen Knopf anders belegen. Früher gab es mal die Möglichkeit, das man sich Favoriten anlegen konnte. Schade, das man dieses nur mit ein wenig Programmiersprache zu realisierende Feature heute gänzlich weglässt.
3. Dadurch, dass die Hand-Schlaufe sehr weit unten am Camcorder angebracht ist, neigt er immer ein wenig dazu, nach links zu kippen, da sich das "Übergewicht" im oberen Teil befindet. Für mich persönlich nicht so vorteilhaft.
4. Schade, dass man die Lautstärke der Sounds nicht verändern kann. Sie wären teilweise schon hilfreich, sind aber viel zu laut.
Dadurch, das die vier negativen Punkte heute bei den meisten Camcorder zu finden sind, gibt es keinen Stern weniger.
Benutze folgendes Zubehör:
- Canon Weitwinkelkonverter WD-H37 II (OK! Ist nicht von Sony, funktioniert aber mit der Sony SR12 und mit 30mm auf 37mm Adapter auch mit der CX105)
- Bilora 1157 Professional Auto-Kugelgriff Stativ
- Samsonite Safaga DV 60 Kameratasche schwarz/grau
- Sony NP-FH70 Original Camcorder Ersatzakku
- Sony MS Pro Duo Mark2 Memory Stick 16GB
Kann ich NICHT empfehlen: Fremdakkus und Memory Sticks von Sandisk
Fazit: Wer nicht jeden Tag im dunklen Keller filmt, sich mit der Vermeidung von Bildrauschen durch mehr Licht zu helfen weiss und einen leichten, schönen Camcorder mit sehr gut funktionierender Grundausstattung sucht, ist beim CX105 genau richtig.