Nachdem ich mit einer Fuji F70 schon recht positive Foto-Erfahrungen mit einer Hosentaschensuperzoom gemacht habe, wollte ich sehen, ob dieser Formfaktor nicht eventuell auch noch zusätzlich gute HD-Video-Funktion bieten kann. Die HX5 schien mir hierzu am geeignetsten: Full-HD mit optischem Zoom und Stereo-Ton und kompakter als z.B. Panasonic TZ10. Und nachdem Sony jetzt endlich SD-Karten-fähig ist, konnte ich die HX5 einfach mal ausprobieren, ohne gleich in Memory Sticks investieren zu müssen.
Zum Vergleichen hatte ich die Fuji F70 und eine Panasonic TZ5 zur Verfügung. Generell sollte jedem klar sein, dass eine solche Kamera mit Mini-Sensor und lichtschwachem 10-fach Zoom-Objektiv nicht an die Bildqualitäten einer guten Bridge- oder DSLR-Kamera herankommen kann.
Die HX5 ist vollgestopft mit allen möglichen fotografischen Entmündigern, die aber allesamt hervorragend funktionieren. Man bekommt fast immer das Bild, das man haben wollte, auch wenn man befürchtet hat, dass die Kamera das niemals packen würde. Manuelle Eingriffsmöglichkeiten sind sehr begrenzt vorhanden, aber (bis auf Weißabgleichsanpassung) bei dieser Kamera auch nicht nötig, selbst die Empfindlichkeit kann getrost auf AUTO bleiben: bei ISO 400 macht die Kamera in den allermeisten Fällen Schluss. Programmautomatik, Blendenautomatik, Bildparametereinstellungen, Entfernungseinstellung? Fehlanzeige, gibt's nicht. Es gibt diverse Szenen-Modi, einen HDR-Mode und zwei Modi für wenig Licht (einer für bewegte, einer für statische Objekte), die aus einer schnellen Folge von 6 Bildern ein scharfes, rauscharmes Bild berechnen. Dieser von mir bisher immer etwas belächelte "digitale Bildstabilisator" funktioniert hier zum ersten Mal wirklich richtig gut, da scheint die Geschwindigkeit des CMOS-Sensors zu helfen. Scharfe, rauscharme Fotos mit erstaunlicher Detailwiedergabe in Museen oder Kirchen ohne Blitz oder Stativ sind mit der HX5 problemlos machbar. So etwas hat nach meiner Erfahrung bisher noch keine Kompaktkamera so gut hinbekommen (vielleicht die gute alte Fuji F30/31, aber nicht mit 250 mm Brennweite). Serienaufnahmen sind, dank CMOS-Sensor, mit bis zu 10 Bilder/sec möglich (3 Bildraten wählbar), nach 10 Bildern ist aber Schluss und dann gibt's erstmal einige Sekunden Speicherzeit. Den Panorama-Mode habe ich bisher noch kaum ausprobiert.
Wer sich darauf einlassen kann, dass zwar über Motiv und Auslösezeitpunkt immer noch hinter der Kamera entschieden wird, alles Andere aber dann die Kamera übernimmt, wird in den allermeisten Fällen mit guten Bildern belohnt. Wer um jeden Preis alles unter eigener Kontrolle haben möchte, liegt mit der HX5 falsch.
Und die Bildqualität? Nun ja, insgesamt ist die Bildqualität gut, aber nicht überragend. Bei niedrigen Empfindlichkeiten zeigt die HX5 eine deutlich stärkere Rauschunterdrückung als z.B. F70 und TZ5, mit entsprechenden Detailverlusten (Haare, Gras, Zweige etc.), allerdings bei Weitem nicht so brutal wie z.B. bei der Casio HX10. Bei ISO 400 scheint sich das eher umzudrehen, hier liefert die HX5 bei vergleichbarer Detailwiedergabe sichtbar rauschärmere Bilder als die F70 und insbesondere die TZ5. Bei mehr als ISO 800 ist allerdings, wie bei allen anderen Kompaktkameras auch, kein brauchbares Ergebnis mehr möglich. ISO 400 Bilder der HX5 sehen als DIN A4 Ausdrucke noch richtig gut aus. Farbwiedergabe und Kontrast sind in Ordnung, die Farbsättigung ist eher kräftig (ohne Einstelloptionen). Für meinen Geschmack sind die Bilder teilweise etwas überschärft. In Verbindung mit der stärkeren Rauchunterdrückung eignen sich die Bilder nicht besonders gut für Nachbearbeitungen.
Das Objektiv hat mich dann aber fast umgehauen: Im Weitwinkelbereich sind heftigste, fast schon Fisheye-ähnliche, tonnenförmige Verzeichnungen zu sehen. Bei Fotos werden diese extremen Verzeichnungen offenbar erfolgreich herausgerechnet, bei Videos reicht die Rechenleistung des Bildprozessors hierfür aber wohl nicht aus. Man kann das leicht in der Vorschau auf dem Display sehen: In den Foto-Einstellungen (z.B. "P") ist alles schön gerade, während in der Video-Einstellung die gruselige Abbildungsleistung des Objektivs ungeschönt sichtbar wird. Ab Zoom-Faktor 2 (entspricht also 50 mm KB-äquivalent) ist das Problem dann aber verschwunden und alle Kanten und Linien werden auch im Video-Modus gerade. Wem Weitwinkel-Video wichtig ist kann die HX5 vergessen.
Ansonsten sind die Full-HD Videos im AVCHD-Format für eine Taschenknipse dieser Preisklasse wirklich erstaunlich gut. Der Unterschied zum 1280*720 Video der TZ5 auf einem Full-HD-Fernseher ist unerwartet groß. Wie bei allen anderen Digitalkameras auch, wird, zur Vermeidung von EU-Einfuhrzöllen für Camcorder, die Länge der einzelnen Videos auf 29:59 Min begrenzt.
GPS? Wer Europa in 4 Tagen komplett aber ohne Kleindetails bereisen möchte wird das GPS sicherlich ganz praktisch finden. Ich habe es bisher noch nicht ausprobiert. Ich versuche, die Akkukapazität lieber zum Fotografieren oder Filmen zu nutzen.
Die Akkulaufzeit scheint akzeptabel zu sein: bisher ca. 250 Bilder, davon bestimmt 1/4 mit Mehrfachbelichtung, wenig Blitzeinsatz, ca. 20 Min Full-HD Video und der Akku ist laut Balken-Anzeige noch halb voll. Alles aber ohne GPS.
positiv:
- Bildqualität weniger von der Empfindlichkeitseinstellung abhängig als z.B. bei Fuji oder Panasonic
- Gute (Software-)Korrektur des abenteuerlichen Objektivs bei Fotos: wenig Randunschärfe/Verzeichnungen/Farbsäume/Abschattungen über den gesamten Brennweitenbereich.
- Sehr guter Bildstabilisator (Foto und Video), ermöglicht längere Belichtungszeiten und geringere Empfindlichkeiten, Videos aus der Hand gelingen wackelfrei
- Schneller Autofokus
- Erträgliche Einschaltzeit, Ausschalten braucht etwas mehr Geduld ...
- Schneller Serienbildmodus (bis zu 10 Bilder/sec), so etwas geht halt nur mit CMOS-Sensoren....
- Sehr gute low-light Fähigkeiten durch schnelle Mehrfachbelichtungen.
- Gute Qualität der Full-HD Videos ab Zoomfaktor 2, durch AVCHD-Komprimierung erträglicher Speicherbedarf (1 Stunde ca. 8 GB).
- Auch (fast)-Full-HD Videos als MP4 möglich (1440 * 1080), qualitativ aber etwas schlechter als AVCHD, dafür ohne extra Software nutzbar.
- Autofokus sowie optischer Zoom in angepasster (=langsamer) Geschwindigkeit auch bei Videos nutzbar.
- Video-Ton in Stereo
- HDMI-Adapter im Lieferumfang
negativ:
- Für meinen Geschmack zu starke Rauschunterdrückung, dadurch unnötige (?) Detailverluste bei geringen Empfindlichkeiten
- Autofokus bei wenig Licht trotz Hilflicht ab und an etwas unzuverlässig
- Für meinen Geschmack teilweise etwas zu starke Schärfung der Bilder
- einige Sekunden Speicherzeit bei Serienaufnahmen und aus mehreren Bildern zusammengerechneten Bildern.
- Serienaufnahmen auf 10 begrenzt (was aber in den meisten Fällen reicht)
- Schlechter Blitz: geringe Reichweite, keine Entfernungsanpassung, recht lange Wartezeit zwischen zwei Auslösungen. Schade.
- Extreme tonnenförmige Verzeichnungen bei Weitwinkel-Video.
- Bei Videos Motorgeräusche von Zoom und Autofokus in der Tonaufnahme hörbar.
- Display dürfte gerne eine höhere Auflösung haben (wie z.B. TZ10, oder, noch besser, Ricoh CX3 oder Nikon S8000).
- Grottenschlechtes Handbuch: kaum Informationen, das aber in 19 Sprachen. Die Vollversion (nur auf CD) ist kaum besser. Zum Glück ist die Kamera weitgehend selbsterklärend ....
Mein Fazit:
Trotz einiger Schwächen gefällt mir die HX5 in der Summe ihrer Eigenschaften so gut, dass ich sie als immer-dabei-Kamera behalten werde. Die Bildqualität bei niedrigen Empfindlichkeiten wird wohl nicht ganz an die Bildqualität aktueller kompakter Superzoomer (z.B. Panasonic TZ10 oder Canon SX210) herankommen, das relativiert sich bei schlechteren Lichtverhältnissen aber schnell. Zusammen mit den hervorragenden low-light-modi, dem zügigen Autofokus, den schnellen Serienbildern und dem guten Full-HD Videomodus ergibt sich für die HX5 ein sehr großer Einsatzbereich. Mit dieser Kamera kann man bei fast allen Motiven und fast allen Lichtverhältnissen brauchbare bis gute Fotos UND Full-HD Videos machen.
Wer das "all in one rundum sorglos für alle Fälle immer dabei Paket" für Foto und Video im Hosentaschenformat sucht und damit leben kann, den technischen Teil des Fotografierens oder Filmens der Kamera zu überlassen, macht mit der HX5 nichts falsch. Die HX5 kann fast alles, und das meist gut, allerdings nicht wirklich überragend. Wer nur bei gutem Wetter fotografieren möchte und dann aber die bestmöglichen Bildergebnisse haben möchte, wer Schnappschüsse, Serienbilder, Dämmerungsmodi und Full-HD-Video nicht braucht, wer alle Aufnahmeparameter unter Kontrolle haben möchte, oder wer auf Weitwinkel-Video nicht verzichten kann, wird wahrscheinlich mit einer anderen Kamera mehr Freude haben.