Wer wie ich, lange und intensiv fotografiert, kann mit dieser Kamera nur vollstens zufrieden sein.
Bildqualität:
Die hängt natürlich wesentlich vom Objektiv ab. Ein Gehimtipp hier: Das Sony SAL 24 bis 105 3,5 bis 4,5. Dieses hoch kompakte (nicht viel Größer als ein 1,4 50mm Normalobjektiv) ergänzt die Kamera perfekt. Sehr gute optische Leistungen bei noch guter Lichtstärke und kreisrunder Blende für ein hervorragendes Bokée zu einem vernünftigen Preis von unter 600 . Zusammen mit dem Zusatzblitz HVL 20 (Klappbar und max. 2cm flach über der Kamera absenkbar und damit extrem Kompakt) ein Set für nahezu alle Situationen und das relativ leicht, noch keine 1,5 kg insgesamt.
Im o.g. Set habe ich die Kamera nun mehrere Wochen intensiv getestet.
Ergebnis: Überragend. Aus der analogen Fotografie kommend habe ich mittlerweile etliche DSLrs gekauft, getestet und teilweise wieder verkauft: Zuerst Canon D350, D20, dann umgestiegen (wegen des kamerainteren Bildstabilisators) auf Sony A 100, A700 und A350 zuletzt A850. Keine der Kameras erreicht auch mit hochwertigen Festbrennweiten nur annähernd die Bildqualität der A850. Die Auflösung ist sagenhaft. Kontrast, Farbe etc auch bei schwachem Licht (siehe unten) einfach super. .
Anwendungbereich
Das o.g. Set ist hoch kompakt und vergleichsweise leicht. Mir ist keine kompaktere Vollformatkombination mit Bildstabilisator bekannt.
Die Pixelgröße, d.h. die Größe der lichtempfindlichen Fläche eines einzelnen Sensors entspricht in etwa einer 12 Megapixel APS-C-Kamera. Das bedeutet, dass man die Bilder von 24 auf 12 Megapixel beschneiden kann und immer noch die Auflösung einer 12 Megapixel APS-C-Kamera hat. Beschneidet man die Bilder so (eine entsprechende Markierung gibt's im Sucher), erreicht man eine 1,5 -fache Vergrößerung. Das 24-105 mm wird dann locker zu einem 24-150mm Objektiv. 90 Prozent der Bilder können damit geschossen werden. Super WW- mit Tele. Ein Diagonal-Fisheye mit 10mm Brennweite auf einer APS-C-Kamera wird zu einem Voll-Fischeye mit 180 Grad kreisrundem Bild. Man erweitert somit den nutzbaren Brennweitenbereich seiner Objektive um Faktor 1,5 mindestens in Telerichtung, manchmal (je nach Obkjektivkonstruktion auch in WW.Richtung). Immer ausprobieren.
ISO-Bereich:
Ist "begrenzt" auf ISO 6400. Da können manche Kameras mehr, scheinbar. Wer genauer hinschaut, und ich habe es getan wird Überraschendes feststellen. Eines jedoch vorausgesetzt: Wer mit so einer Kamera fotografiert, legt auf höchste Bildqualität Wert uns wird sicherlich meistens das RAW-Format verwenden. Und dann zeigt sich, was ISO-Empfindlichkeit angeht, ein ganz anderes Bild. Das Rauschverhalten des Sensors und damit des RAW-Bildes hängt herstellerübergreifend nahezu ausschließlich von der Pixelgröße ab. Im RAW-Format zeigen Kameras unterschiedlicher Hersteller aber gleicher Pixelgröße nahezu identisches Rauschverhalten. Erst die nachträgliche kamerainterne Bildbearbeitung zu JPEG entrauscht dann das Bild sehr unterschiedlich stark. Und hier gibt es dramatische Unterschiede in der Philosophie der Hersteller. Da jede Entrauschung zu JPEG auch mit Detailverlust einhergeht und die Prozessorenen der Kameras enorm belastet entrauscht der eine Hersteller (z.B. Canon ) mehr als andere (z.B. Pentax, Sony). Da aber ein JPEG nur 8-Bit Farbtiefe enthält, wird man für die kreative Fotografie den Vorteil des RAWS mit 16 Bit Farbtiefe und mehr nicht verzichten wollen. Damit ist die kamerainteren Bildbearbeitung, die ja nur JPEG liefert, so oder so nutzlos, höchstens als Kontrollbild oder als "Urlaub - ich war mal da" Dokumentation zu gebrauchen.
Das Rauschen des Sensors der A850 im RAW-Format ist im Vergleich zu den heutigen am Markt befindlichen Kameras mit 15 bis 18 Megapixeln bei APS-C Format sogar sehr gering. Es sind halt nur 12 Megapixel bezogen auf APS-C, und das wirkt sich positiv auf das Rauschverhalten aus. Trotzdem hat man bei Bedarf eine extrem hohe Auflösung, nämlich 24 Magapixel.
In der kreativen Fotografie wird man die Entrauschung so oder so viel gezielter und sauber gesteuert nachträglich am PC-Durchführen und dabei in der Regel viel bessere Ergebnisse erreichen, als die kamerainterne Unterdrückung..
Und dann kann man einen Trick verwenden, den man aus der analogen Fotografie kannte: Das Puschen. Ich nehme das RAW-Bild (und nur damit geht das wegen der 16 Bit) mit 2 bis 4 Blenden Unterbelichtung auf und erreiche damit die notwendig kurzen Belichtungszeiten. In der nachträglichen Bildverarbeitung im 16 Bit-Modus überbelichte ich das fast schwarze Bild dann um jene 2 bis 4 Blenden und staune, was da im wahrsten Sinne zu Tage kommt (16 Bit halt!!!). Das dann grauenhaft entstehende Gerausche reduziere ich dann mit einem Entrauschungsprogramm (Neat-Image, Noise Nigna, Nik Define etc) und erreiche Erstaunliches. So werden meine ISO 6400 dann zu ISO 12800, 25600, 51200 und letztendlich zu 102400. Nichts anders machen die Algorithmen der "Nachtsichtkameras" der neueren Generation.
Eins ist aber auch klar: Vollformatkameras mit geringerer Auflösung (z.B. Nikon D3S) erreichen aufgrund der größeren Pixel noch besseres Rauschverhalten auch im RAW-Modus. Allerdings hat man auch nicht den Vorteil der Brennweitenverlänerung bei Bildbeschnitt (siehe oben).
Sucher und Bildschirm:
Sucher: Super, kaum eine andere derzeit aktuelle Kamera bietet mehr, erst recht nicht zu dem Preis.
Der Monitor ist auch super, allerdings kein Live-View. Ein Live-View macht allerdings nur Sinn, wenn auch der Monitor wenigstens klappbar ist, so dass ich problemlos auch ungewöhnliche Aufnahmesituationen nutzen kann. Da können die kleinen Sonys tasächlich mehr und das vermisse ich ein wenig. Notlösung: Winkelsucher oder der Zig-View. Letztere funktioniert aufgrund des großen Sucherbildes an der A850 hervorragend.
Geschwindigkeit:
Für die kreative Fotografie sind 3 Bilder/sec völlig ausreichend: Sportfotografen sehen das möglicherweise anders.
Bildstabilisator:
Sehr wirkungsvoll und anwendbar wie bei Sony üblich auf alle Objektive, auch Festbrennweite und Makro. Nirgendwo anders gibt's das sonst. Und genau hier bereue ich meine Entscheidung in 2006 nicht, mich von meiner kompletten Canon-Ausrüstung zu trennen. Die bildstabilisierten (BS) Objetive waren und sind mir zu groß, zu schwer, zu teuer und nur in sehr hochwertigen Ausführungen wirklich gut. Festbrennweiten und Makros mit BS gibt es so gut wie überhaupt nicht. Gerade bei letzterem ist aber der Bildstabilisator ein riesige Hilfe.
Zusammenfassung:
Sie hat alles perfekt an Bord, um in nahezu jeder Situation hervorragende Fotos zu machen.
Sie hat allerdings kein Video und Live View, der nur mit Klappmonitor Sinn machen würde.