Kurz einige Angaben zu meiner Person: 70 Jahre alt, Fotografie seit dem 14. Lebensjahr, Wettbewerbspreise, drei veröffentlichte Foto-Bildbände. Fotografiere derzeit u. a. mit der Nikon D300 sowie besten Nikon- und Zeiss-Objektiven.
Die Kamera Sony HX1 habe ich u.a. für Steifzüge durch zoologische Gärten gekauft, damit ich meine schwere Ausrüstung nicht schleppen oder auf einem Wägelchen hinterher ziehen muss. Mit den Bildergebnissen bin ich höchst zufrieden. Sie stimmen vom Weitwinkel (wie 28 mm KB) bis zum extremen Tele (wie 560 mm KB). Ich hätte das nicht für möglich gehalten. An der Nikon wäre ein Originalobjektiv mit 560 mm Brennweite ohne Stativ nicht verwendbar, sehr schwer und (zumindest für mich) unbezahlbar. Heute fotografierte ich im Kölner Zoo mit 560 mm (echten 100 mm) Bartaffen durch die Scheibe. Die Bilder sind bei f 5,2 gestochen scharf, und zwar einschließlich der Barthaare ...
Kurz die wichtigste Vorteile gegenüber meiner DSLR (die gibt es wirklich!):
1. Rasend schnelle Serien bis zu 10 Aufnahmen pro Sekunde,
2. Aufnahmen bei wenig Licht aus der Hand (sogar bei 1/8 Sekunde;
es werden sechs Aufnahmen geschossen und zusammengerechnet),
3. Panoramaaufnahmen aus der Hand,
4. intelligente Automatik, die selbständig besondere Situationen, z.B. Gegenlicht oder Makro erkennt,
5. Betrachtung des Histogramms vor der Aufnahme und dadurch bessere Belichtung (wie bei anderen Bridgekameras auch),
6. enormer Brennweitenbereich (adäquat 28 bis 560 mm),
7. und einiger Schnickschnack wie Filmaufnahmen, Gesichtserkennung und Lächelautomatik (Brrr...).
Es ist ein kleines Wunder: Man fotografiert z.B. in einer Kirche aus der Hand, und die Kamera macht daraus ein scharfes, rauscharmes Foto. Es gibt eine besondere Einstellung für solche Aufnahmen in der Dämmerung. Dann rechnet die Elektronik etwas herunter, damit das Bild dunkler wird. Natürlich klappt das nicht bei bewegten Objekten; das ist mit Stativ ebenso. Bei der Nachbearbeitung sehe ich dann in Adobe Lightroom, dass bei ISO 1600 oder 3200 fotografiert wurde. Trotzdem ist der Rauschanteil gering. Ich vermute, dass für jede der sechs Einzelaufnahmen nur kleiner Teil der Pixel (1/6?) belegt wird und sich hierdurch die Rauscharmut ergibt. Bei der Zusammenrechnung zu einem Bild dürfte sich die Elektronik nach den Kanten richten.
Ein Nachführen der Schärfe bei bewegten Objekten ist unter "Fortgeschrittene Sportaufnahmen" vorgesehen, habe es nun (25.10.2009) ausprobiert. Es klappt. Die entgegenkommenden Autos haben Gas weggenommen, weil sie eine Kontrolle vermuteten ...
Was die HX1 systembedingt nicht kann, sind Freistellungen gegen den Hintergrund (Schärfenabgrenzungen), z. B. bei Portraits, denn die Tiefenschärfe ist enorm. Andererseits kann man getrost mit größter Blende (2,8 bis 5,2) arbeiten. Ich hatte lange gezögert, weil die Kamera nicht im Rohdatenformat (RAW) aufnehmen kann, doch die JPEGs sind auch ohne Nachberabeitung perfekt. Ein Filtergewinde und eine Gegenlichtblende gibt es nicht, doch ist das Objektiv nicht Streulicht-empfindlich. Das bedeutet leider auch, dass man keinen Graufilter für Bewegungsstudien verwenden kann, es sei denn, man hält ihn mit den Fingern vor das Objektiv. Auch den Drahtauslöser hat man gespart, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Externe Blitzgeräte lassen sich nicht anschließen. Achtung: Vgl. hierzu aber die erste Anmerkung, nach der ein Gewinde angesetzt werden kann.
Den automatischen Weißabgleich verwende ich nicht mehr, sondern fotografiere meist mit der Tageslichteinstellung. Mit der Automatik waren mir die Farben zu kühl - Geschmackssache.
Ich hätte einen größeren "Durchsichts"sucher begrüßt. Das helle 3-Zoll-Display ermöglicht dagegen eine sehr gute Beurteilung des Ausschnitts. Man kann es herunterklappen, leider aber nicht für Hochformataufnahmen (wie z.B. bei der alten Canon G3) drehen. Schade.
Mit diesen Einschränkungen kann ich den Apparat auch ernsthaften Fotografen (ggf. zur Ergänzung, wie bei mir) empfehlen. Die Bilder sind bei allen Brennweiten exzellent und die Technik bei Langzeitaufnahmen aus der Hand ist eine wertvolle Zugabe.