Habe den Camcorder als Nachfolger für meine Mini-DV-Kamera Canon MD216E (vor vier Jahren im gleichen Preissegment erworben, also als Billig-Amateur-Kamera) gekauft, weil ich unbedingt auf SD-Karte filmen wollte. Um es vornweg zu nehmen: Auch Sony kocht in diesem Preissegment nur mit Wasser. Die Bildqualität ist kein bißchen besser, für einen Nicht-HD-Camcorder darf man keine Wunder erwarten. Die Farben sind o.k., d.h., bei Tageslicht und selbst bei Kunstlicht (habe eine Höhle besucht) sehr natürlich, und man merkt kaum Grieseln. Allerdings hat der Camcorder bei wenig Licht Probleme mit dem automatischen Scharfstellen. Beim Filmen im 16:9-Modus verwendet der Camcorder von den 576 Standard-PAL-Zeilen nur 480, um auf das Format zu kommen. Ich konnte weder in der Bedienungsanleitung (liegt in 6 Sprachen + auf CD bei) noch in den Kamera-Menüs einen Punkt finden, wo man auf anamorph gestauchten Breitbild-Modus umschalten kann, um im Breitformat die volle 576iger Auflösung zu verwenden. Da war der Canon klar im Vorteil. Also: Bei 16:9 Abstriche in der Bildqualität hinnehmen!
Der Camcorder hat keinen Sucher zum Durchgucken per Auge. So etwas spendiert man den Billig-Geräten heute leider nicht mehr. Man muss sich also auf das Display verlassen. Am Strand mit Licht von hinten ist man dabei echt verlassen. Außer das Spiegeln des eigenen Gesichts sieht man dann gar nichts mehr. Pluspunkt für den alten Canon (ich habe ihn noch, und werde ihn wohl auch weiter verwenden, auch wenn man beim Überspielen auf den PC das Band in Echtzeit durchlaufen lassen muss). Das Display ist zwar extrem scharf und lichtstark. Das Bild sieht im Display schärfer und farbintensiver aus als die späteren Aufnahmen am PC oder Fernsehgerät, aber es spiegelt eben enorm.
Der Sony hat einen Joystick, keinen Touchscreen. Die Menüpunkte sind logisch aufgebaut und wirklich gut strukturiert. Der Camcorder schaltet sich (mit einer kurzen Verzögerung) ohne weitere Aktion direkt ein bzw. aus, wenn man das Display aufklappt. Beim Start des Filmen selbst (Daumendruck auf den Auslöser) gibt es eine kurze Verzögerung, bis es richtig losgeht. Noch länger ist diese beim Beenden des Shots. Da dauert es bis zu 2 sec., ehe die Daten verarbeitet und gespeichert sind, und sich das rote "REC" in ein grünes "SDBY" gewandelt hat.
Das Display kann man in allen Winkeln drehen, auch nach vorn, für Selbst-Aufnahmen. Übrigens: Zwischen dem Canon und dem Sony hatte ich noch eine JVC GZ-MS210 erworben (nicht bei Amazon). Dieses Teil lieferte ein absolut gruseliges Bild, selbst bei hoher Auflösung grob strukturiert, und die Farben völlig flau und ohne Biss. Habe das Ding dann als Überwachungskamera im Innenbereich eingesetzt, zu mehr taugte es leider nicht.
Der Sony DCR-SX15 ist wie alle modernen Amateur-Kameras so winzig klein, dass man aufpassen muss, ihn nicht einzuatmen. Entsprechend wackel-el-el-el-el-ig werden die Videos, wenn man ihn mit einer Hand hält. Da er nur einen elektronischen Bildstabilisator besitzt (keinen optischen, d.h. mechanischen), sollte man das Stillhalten erst mal üben. Immer mit 2 Händen halten. Rechte Hand durch die Schlaufe (die ist leider nur dünn wie ein Bindfaden), linke Hand mit drei Fingern am Display, keinesfalls aber am linken Ende des Displays halten, sondern direkt am Klappscharnier, jedoch ohne den Scharfstellsensor zu verdecken. Nur so gelingen halbwegs ruhige Aufnahmen. Der elektronische Bildstabilisator (nennt sich "Steadyshot", brrrr.) liefert leider beim Betrachten ein gewisses Bildruckeln. Ich habe diesen Modus bei mir deaktiviert, dann sieht der Bildfluss natürlicher aus. Beim Aufklappen des Displays kommt ein Hinweis: Check Lens Cover. Der kommt auch beim Aufklappen in Dunkelheit, obwohl der Linsenabdeckungsschieber offen ist.
Das eingebaute Videolicht strahlt leider bei Nahaufnahmen unten vorbei, und bei Fern-Aufnahmen ist es sowieso nicht ausreichend. Gut ist die hardwaremäßig seitlich eingebaute Gegenlicht-Korrekturtaste. So ist sie auf die Schnelle erreichbar, wenn man sie braucht. Der Camcorder hat eine Gesichts-Optimierungsfunktion. Was die macht, weiß der Kuckuck. Ich denke mal, Warzen oder Hakennasen kann die nicht hinwegretuschieren. Wenn ein Gesicht erkannt wird, erscheint ein Rechteck im Display. Die Funktion sprang lustigerweise sogar an, als ich ein Flugzeugcockpit von vorn filmte. Die Pilotenfenster hat der Camcorder als Augen erkannt. Tolle Automatik!
Das Gerät kann auch Fotos machen. Aber maximal mit 640 x 480 Pixeln, und nicht mit der Start-Taste, die man zum Filmen verwendet, sondern mit einem oben angebrachten separaten Auslöser, so dass man sich fast die Finger bricht. (Habe ewig lange vergeblich mit der Video-Taste probiert). Zeitraffer oder Zeitlupe ist leider nicht möglich. Auch kein automatisches Einschalten, wenn Bewegung ins Bild kommt. Das konnte nun wiederum die JVC.
Der kleine Akku hält je nach der Häufigkeit des Ein- und Ausschaltens zwischen einer 3/4 und 1 1/2 Stunden. Habe mir einen preiswerten größeren Akku (keinen originalen, da wird man arm bei) erworben. Der hielt eine gefühlte Quasi-Ewigkeit. Dazu noch eine Video-Tasche für den Hosengürtel. Ursprünglich dachte ich, die Mechanik meiner alten Mini-DV-Kassetten-Kamera ist es, die den Batteriestrom schluckt, und beim Filmen auf SD-Karte müsste die Batterie ewig halten. Dem ist offenbar nicht so. Bei allen Amateur-Kamera-Rezensionen klagten die Kunden über zu kurze Akku-Laufzeiten. Das Laden der Batterie ist nur in der Kamera selbst möglich. Es gibt also kein separates Ladegerät. Das empfinde ich eigentlich sogar als Vorteil. Man hat dann im Urlaub nicht so viel Zeugs mitzunehmen.
Die Dateien werden auf SD-Karte im MPEG-2 - Format gespeichert und haben die Endung .MPG. Aber Achtung! Im HQ-Modus sind die Dateigrößen absolut riesig, verglichen mit meiner alten Mini-DV-Kamera (die mir nach dem Überspielen auf den PC .wmv-Dateien lieferte) ca 1,5 mal so groß. Dies brachte mir mein Schnittprogramm (MS Movie-Maker unter Vista) völlig aus der Fassung, dauernd sagt es, dass der Film nicht veröffentlicht werden kann, und ich für ausreichend Speicher sorgen soll. Beim Filmen im SP-Modus haben die Dateien wieder eine handelbare Normalgröße, ohne sichtbaren Qualitätsverlust. (ca. 4 GByte für ca. 1,5 h Filmmaterial). Ich habe die beiliegende Software nicht installiert. Somit habe ich die auf der SD-Karte in einem Unterverzeichnnis befindlichen MPG-Dateien einfach in einem Ritt per Drag and Drop in meinen PC gezogen, nachdem ich die SD-Karte in den Slot am PC eingelegt habe. Die ebenfalls auf der SD-Karte in separaten Unterverzeichnissen gespeicherten Dateien enthalten also nur ergänzende Infos, die fürs Abspielen oder für den Bild-Schnitt nicht benötigt werden.
Eigenartigerweise haben die Einzel-Clips eine Macke, die sich erst im Schnittprogramm offenbart: Am Ende des Clips laufen die Bewegungen noch mal für zwei, drei Einzelbilder rückwärts. Das war bei meinen anderen Kameras nicht der Fall und ist später am Fernseher oder bei der PC-Wiedergabe eigentlich gar nicht sichtbar. Der Effekt tritt nachweislich unabhängig davon auf, ob der digitale Verwacklungsausgleich aktiviert ist oder nicht. Sehr eigenartig.
Der Zoom-Bereich ist enorm, aber kann nur mit Stativ richtig ausgereizt werden. Sonst nur Wackelpudding.
Zusammenfassung: Eine praktikable, leicht zu bedienende Alltagskamera für den Amateur. Kann man zum Kauf empfehlen, wenn man sie mit anderen Geräten vergleicht. Wunder darf man nicht erwarten. Nicht für umsonst sind Profi-Geräte wesentlich teuer, mal abgesehen davon, dass es Profi-Geräte neu wahrscheinlich nur noch für HD-Qualität mit 1080 Zeilen gibt (unter anderem haben Profi-Kameras größere Bildaufnehmer-Chips und speichern das Material unkomprimiert. Sie verfügen daher über riesige Rechenleistungen und Speicherbänke). Langfristig, liebe Filmfreunde, auch wenn wir Amateure sind, sollten wir lieber doch den Kauf einer HD-Kamera in Erwägung ziehen. Durch die neuen Flachbildschirme sind unsere Augen mittlerweile hinsichtlich der Bildauflösung und Schärfe sehr verwöhnt. Wenn man sich doch für eine nicht-hochauflösende, also eine Nicht-HD-Kamera entscheidet, so ist die SONY DCR-SX15 durchaus zu empfehlen.