In DC Universe Online kann der Spieler die Rolle eines Helden oder Schurken im Universum der DC Comics übernehmen. Im Gegensatz zu Spielen wie "Batman - Arkam Asylum" spielt man jedoch nicht eine der bekannten Figuren, sondern kann einen ganz persönlichen Charakter nach den eigenen Vorstellungen erschaffen. Während des Spiels trifft man ständig auf bekannte Figuren wie Batman, Superman, den Joker, Luthor, Scarecrow, ... - die Liste lest sich endlos fortsetzen. Um wirklich alle Story-Feinheiten zu verstehen muss man sich wahrscheinlich doch etwas besser im DC-Universum auskennen als der Durchschnittsbürger, das tut aber dem Spielspaß keinen Abbruch. Insgesamt ist die Umsetzung der bekannten Figuren durchaus gelungen, und man bekommt wirklich das Gefühl, an der Seite der "Großen" zu kämpfen. Als Schauplatz dienen "Gotham City", bekannt aus den Batman-Comics, und "Metropolis" aus den Superman-Comics.
Im Gegensatz zu MMO-Größen wie "World of Warcraft", "Lord of the Rings Online" oder "Everquest" spielt sich dieses MMO mehr wie ein Action-RPG a la "Bayonetta" oder "God of War" in einer riesigen Multiplayer-Welt. Das bringt einige Besonderheiten mit sich, auf die ich hier auch eingehen möchte.
Mit dem Spiel gibt es einen Freimonat Spielzeit, danach wird eine monatliche Gebühr fällig (ab €12,99.- / Monat)
>> Spielmechanik & Gameplay
Wie bereits gesagt darf man hier kein MMO im Stil des Marktführers WoW erwarten. Jede Attacke muss durch den Spieler selbst und direkt ausgeführt werden, Kombinationen der beiden Angriffstasten (rechte und linke Maustaste) führen zu mächtigen Spezialangriffen, die man nach und nach über Skillbäume erwerben kann.
Am Anfang der Charaktererstellung steht die Entscheidung zwischen Schurke und Held, das Geschlecht und die ungefähre Figur des Charakters. Dann hat man die möglichkeit, zwischen jeweils 3 Mentoren zu wählen (Batman, Superman und Wonderwoman als Held bzw. Luthor, Joker und Circe als Schurke) die den Spielverlauf und die Quests beeinflussen, die man auf seiner Reise erlebt. Über die Wahl einer Spezialfähigkeit (Feuer, Eis, Gadgets, Natur, Zauberei, Mental) und der bevorzugten Waffenart (alles von Nahkampf über Energiestrahlen bis hin zu 2 Pistolen und großen Schlaghämmern) entscheidet sich, welche Rolle man im Spiel erfüllt. Dabei kann jede Klasse Schaden machen und als "Damage Dealer" fungieren, hat aber auch noch eine Zweitrolle, die sich je nach Spezialfähigkeit in Tanks, Controller/Supporter und Heiler unterteilen.
Jede Kombination von Spezialfähigkeit und Waffe hat ihre Besonderheiten: so führt die Kombination Eis/Bogen zu Eispfeilen, Energiestrahl+Feuer zu Feuerstrahlangriffen usw.
Als nächstes gibt es 3 Fortbewegungsarten zur Auswahl: Flug (wie Superman), schnelles Rennen (wie der Flash) und Akrobatik (wie Batman). Alle 3 sind ähnlich effektiv, haben jeweils Vor- und Nachteile, und wirken sich natürlich auch auf den Kampf aus. Persönlich gefällt mir Akrobatik deutlich am besten. Auch die Fortbewegung lässt sich später über Skillpunkte verbessern.
Am Ende der Charaktererstellung steht das Design: aus einer riesigen Liste an Kostümen, Frisuren, Hauttexturen und Farben kann hier frei kombiniert werden. Schade jedoch: durch den festgelegten Körperbau (es gibt nur groß, mittel und klein) wirken die meisten Charaktere relativ ähnlich, und unterscheiden sich oft nur durch ihre Farbgebung... auch die Gesichter lassen sich kaum personalisieren.
Im Anschluss folgt ein Tutorial, bei dem man aus dem Schiff des Bösewichts des Spiels, Brainiac, ausbrechen muss. Danach befindet man sich je nach Mentor und Seite in einer der zahlreichen Unterkünfte in Gotham City oder Metropolis. Die Städte sind riesig, und voller verschiedener Gebiete mit verschiedenen Quests.
>> Steuerung
Da das Spiel ursprünglich für die PS3 konzipiert wurde und die PC-Version im Prinzip eine direkte Portierung darstellt, sind die Steuerungsoptionen anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Da auf der Konsole alles über den Controller zugänglich sein muss, ist auch in der PC-Version die Anzahl der verwendeten Tasten eher gering für ein MMO. 2 Angriffstasten, Bewegungstasten, eine Taste zum Blocken und die Tasten 1-8 auf der Tastatur für Fähigkeiten - viel mehr ist es nicht. Das ist jedoch nicht schlecht, im Gegenteil: statt durch komplizierte Tastenfolgen irgendwelche automatisch ablaufenden Angriffe zu initiieren bringt jeder Tastendruck direkte Folgen auf dem Bildschirm.
Das Resultat ist ein sehr actionorientiertes Gameplay, man hat immer das Gefühl, direkt auf das Geschehen einzuwirken, statt seiner Figur nur Befehle zu erteilen.
Das bedeutet auch, dass Kämpfe - etwa im PvP - zu einem hohen Masse vom Können des Spielers abhängen, viel mehr, als von seiner Ausrüstung oder sogar seinem Level. Mit der richtigen Kombination aus Combos, Abwehren und Ausweichen kann man durchaus auch Spieler zur Strecke bringen, die im Level deutlich über einem selbst sind. Es hängt eben alles vom "Skill" ab.
Ein großer Haken der Konsolen-Portierung ist die Tatsache, dass eine Tastatur eben nicht so kompakt wie ein Gamepad ist. Dadurch sind einige Aktionen, speziell das Blocken/Ausweichen, relativ anstrengend in der Umsetzung während hektischer Kämpfe: Um zu blocken hält man SHIFT gedrückt, will man dann ausweichen muss man bei gedrückter SHIFT-Taste die Richtungstasten drücken - und dann möglichst schnell wieder auf Angriffe umschwenken.
Abhilfe kann die Verwendung eines Gamepads schaffen. Ich habe das Spiel z.B. mit dem Xbox360-Wireless Controller über den PC adapter gespielt (welches übrigens voll unterstützt wird) und hatte direkt das Konsolenfeeling, auf das das Spiel ausgelegt ist. Die Steuerung fühlte sich viel natürlicher an. Allerdings: die Kameraführung ist mit der PC-Steuerung deutlich leichter.
Am Ende muss der Einzelne für sich selbst entscheiden, welche Steuerung er bevorzugt. Ich bin inzwischen wieder zu Maus+Keyboard zurückgekehrt.
>> Interaktion mit anderen Spielern
Das Chatsystem ist ein Graus. So, das wäre das wichtigste. Ernsthaft: hier merkt man sofort, dass man ein Konsolenspiel vor sich hat. Der Chat ist umständlich und wird folglich nur wenig benutzt. Direkte Interaktion mit anderen Spielern der gleichen Seite ausserhalb von Gruppen ist quasi nicht möglich, wenn auch nicht wirklich erforderlich.
Neben Gruppen und Raids kann man sich in "Ligen" zusammenschliessen, was den Gilden anderer MMOs entspricht. Ausser einem zusätzlichen Chat-Kanal und dem Liga-Name unter dem eigenen bringt das jedoch keine ersichtlichen Vorteile im Spiel.
>> Grafik & Sound
Hier gibt es nicht viel zu sagen. Die Grafik ist für ein MMO sehr ansprechend, und passt hervorragend zur Comicwelt. Die Musik ist stimmungsvoll und passend, und die Stimmen im Spiel sind sehr gut besetzt - in der englischen Version.
Das ganz große Manko an der deutschen Version ist die miserable Synchronisierung. Die Schauspieler hatten offenbar keine große Freude bei ihrer Arbeit, viele Figuren sind lieblos vertont und teilweise völlig unpassend besetzt. Hier sollte jeder, der des englischen mächtig ist, beim Original bleiben.
>> Quests
Von anfang an ziehen sich kleine Geschichten wie ein roter Faden durch das Spiel, und halten einen mit aufeinander folgenden Quests bei Laune. Meist geht es um die finsteren Pläne eines Super-Schurken, oder die zu guten Pläne eines Superhelden, die durchkreuzt werden müssen. Zusätzlich können vor Ort Nebenquests erworben werden.
Das Design ist insgesamt einfalltsreich, aber durch die Masse der Spieler und die teils hohe Anzahl der für die Quest benötigten Gegner kann sich eine einzelne Aufgabe schonmal ziehen. Den Ort des Geschehens zu finden ist denkbar leicht: aktiviert man eine Quest in seinem Questlog, dann lotst einen ein Orangener Pfeil an der Minikarte direkt dorthin. Die Gegend, in der man die Quest erledigen muss, ist zusätzlich auf der Minikarte markiert, so dass man sofort sieht, wenn man sich zu weit entfernt.
>> Server, PvP, Gruppen/Raids
In Europa gibt es bislang nur 2 Server: ein PvP (Player vs. Player) und ein PvE (Player vs. Environment) Server. PvP bedeutet, dass jeder jederzeit von Angehörigen der gegnerischen Fraktion angegriffen werden kann - auf dem PvE Server muss man sich dazu erst als "PvP-bereit" markieren. Die Wahl ist Geschmackssache, jedoch muss man damit rechnen, auf dem PvP-Server ständig von Gruppen gegnerischer Spieler ins Jenseits befördert zu werden, während man versucht zu questen.
Das "Open World" PvP bringt einem jedoch keine Vorteile, anders als die organisierten Schlachtfelder, in die man sich ab lvl 9 einreihen kann. Hier können Trophäen und Ansehen gewonnen werden. Im "Legends PvP" kann man in der Rolle einer bekannten Figur - Batman, Robin, Joker, Harlequin usw - in 4vs4 Kämpfen gegeneinander antreten. Leider ist die Auswahl sehr klein, nur 8 Figuren stehen offenbar zur Auswahl (und der Joker ist in 2 Varianten vertreten), zudem müssen diese erst freigespielt werden. So treten auf lvl 5 meist 4 Robins gegen 4 Harlequine an...
Dann gibt es noch "Alerts", also Ereignisse/Notrufe, die in Dungeon-Manier von Gruppen bezwungen werden können.
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