Nach satten drei Jahren melden sich die Dänen also endlich wieder mit einem neuen Album zurück.
Nachdem ihr leicht überkomplexes und etwas zu schnell geschriebenes Drittwerk "Passenger" selbst innerhalb der Band nicht gänzlich auf Gegenliebe traf, sind die Fragezeichen nach all der Zeit freilich groß: Kann die Band zu ihrer alten Stärke zurückfinden?
Ja und nein. Zur alten Stärke? Nein. Zu Stärke? Absolut.
Man könnte das Album als eine Art Selbstdefinition im Rückblick auf das bisherige Schaffen nennen. Und das umfasst nicht nur die weithin bejubelten "alten" zwei Alben mit Sänger Bogballe, sondern eben auch "Passenger".
Aus so ziemlich allen Schaffensphasen der Band finden sich Elemente auf "Sons Of The System".
An "Mechanical Spin Phenomena" erinnern die Songs vor allem in ihren heftigeren Passagen. Die polyrhythmischen Grooves von "Diesel Uterus" oder "Hero(in)" erinnern in ihrer rohen Unbekümmertheit frappant an den Erstling. Wenn sie auch deutlich seltener und nur noch als Stilelement, kaum mehr songführend, eingesetzt werden.
Und doch, die tonnenschweren Grooves, die die Gitarren hier immer wieder präsentieren, stets befeuert vom allzeit präsenten variablen Schlagzeug, verziert mit dem ein oder anderen Ausflug in Richtung Meshuggah wecken Erinnerungen an den Erstling.
An "The Audio Injected Soul" erinnert das Songwriting. Songs wie "Mnightmare" oder "Climbing Towards The Stars" bekennen sich offen zum Reitz eines eingängigen 4/4 Taktes, die Melodien sind treibend, klar definiert, die Songs refrainorientiert.
Man scheut sich nicht vor deutlichem Popappeal, schielt auch mal unverdeckt auf das Hitpotential.
Auch Sänger Bideau orientiert sich sichtlich an seinem Vorgänger. Seine Shouts sind tiefer und roher, seine Gesangslinien aggressiver als noch zuvor. Innerhalb dieser Prämissen jedoch bewegt er sich weiter, als noch auf "Passenger". Verschiedene Shoutvarianten, melodische Untertöne, geschriene Melodien, gewaltige Refrains, er lebt sich innerhalb des Stils seines Vorgängers voll und ganz aus, in wutschnaubenden Strophen und extatischen Refrains.
An "Passenger" erinnert allem voran die epische Opulenz des Neuwerkes. Zu den üblichen Instrumenten gesellen sich atmosphärisch düstere Synth-Soundflächen, die mit Riffs und Melodien verschmelzen und dann und wann zu gewaltigen Wänden anwachsen. Gerade episch angelegte Songs wie "March Of The Tripods" oder "Within" offenbaren Schichtungen in geradezu orchestralen Ausmaßen.
Gerade auch die sehr melancholische Stimmung der Melodieflächen ist es dabei, die stark an "Passenger" erinnert. Und doch zeigt die Band diesmal deutlich mehr Gefühl dafür, wann Synths und Vocals schweigen müssen, um den Blick auf die Riffs freizugeben.
Insgesamt präsentieren sich die Dänen auf "Sons Of The System" mit einem voll und ganz durchdachten Album, das die rohe Haudrauf -Dynamik von "Mechanical Spin Phenomena" mit den opulenten und detailreichen Synthlandschaften von "Passenger" verbindet und die Elemente dabei mit dem refrainorientierten Songwriting eines "The Audio Injected Soul" zu hundert Prozent ins Ziel bringt.
Keine Filler, kein Meandern, einfach nur episch-eingängige Songs mit Hitrefrains und technischer Aura.
"Passenger" Jünger könnte das simplere Songwriting allerdings durchaus enttäuschen, ebenso wie alle, die erwartet haben, dass Mnemic in eine progressivere Richtung steuern würden.
Fans die gehofft haben, Bideau würde sich stimmlich in eine gänzlich eigene Richtung bewegen, werden von seinem sichtlich Bogballe-inspirierten Gesang ebenso vielleicht etwas enttäuscht sein.
Das Alles ändert jedoch nicht das Geringste daran, dass die Band mit dem Viertwerk ein extrem starkes Album abgeliefert hat, das souverän sämtliche Stärken von Mnemic verbindet und mit seinen großartig inszenierten, auf den Punkt konzipierten Songs immenses Suchtpotential hat.