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Sonntagsspaziergänge: Entdeckungen in Friedrichshagen, Kreuzberg, Mitte, Nikolassee, Schöneberg, Weissensee Gebundene Ausgabe – 24. August 2011

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Carl-Peter Steinmann wurde 1946 in Lerbeck/Westfalen geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Er lebt dort als Stadterzähler. Zuletzt erschien von ihm »Von Karl May zu Helmut Newton« (2006), »Im Fluss der Zeit« (2008, vergriffen) und »TatOrt Berlin« (2009).

Auszug aus dem ersten Kapitel. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Von Spinnern, Dichtern und AnarchistenBesuch im schönen FriedrichshagenWir brauchen mehr Geld! So das Fazit der letzten Gemeinderatssitzung im Jahr 1879. Seit der Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Berlin – Frankfurt/Oder, mit Station in Friedrichshagen, kamen zwar immer mehr Berliner zur Sommerfrische in den Ort aber die Gemeinde profitierte davon nur wenig. Die Urlauber mieteten Zimmer und brachten den Gastwirten guten Umsatz. Bald kauften sie Grundstücke am Müggelsee um eigene Sommerhäuser und stattliche Villen zu errichten. Trotz alledem blieb die Gemeinde arm und die Kasse leer.So beschloss der Gemeinderat das Friedrichshagen Kurort werden muss. Dann könnte die Gemeinde über die fällige Kurtaxe zum ersehnten Wohlstand kommen. Leider kam dieser Gedanke etwas spät, denn die meisten Wassergrundstücke, die zur Anlage eines Kurparks geeignet waren, hatte man in den zurückliegenden Jahren bereits verkauft. Aber wenn schon nicht am Wasser, dann sollte der Park zumindest zentral angelegt werden – direkt neben dem Bahnhof.Nördlich der Gleise der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn, die mittlerweile über Frankfurt/Oder, nach Schlesien weitergeführt worden war, pachtete die Gemeinde vom Forstfiskus ein Stück Wald und machte es zum Kurpark. Kieswege entstanden und im Zentrum des Parks wurde in leichter Bauweise eine Trink- und Promenadenhalle errichtet, wo die Kurgäste „Mineralbrunnen, Molken sowie frische Milch direkt von der Kuh“ verabreicht bekamen. Eine zwanzig Mann starke Kapelle brachte jeden Morgen zwischen 6.30 und 8 Uhr die Gäste in Schwung und ein Webeprospekt verkündete: „… es wird in vielen Fällen nicht mehr nöthig sein, kostspielige und anstrengende Reisen nach entfernten Gegenden zu unternehmen, um dort auch nicht mehr zu finden als hier.“So erhielt Friedrichshagen den Titel „Klimatischer Luftkurort“. Die Kurtaxe betrug in der ersten Saison, ohne Unterschied der Aufenthaltsdauer, für Einzelpersonen 2 Mark und für Familien 4 Mark. Obwohl das für die damalige Zeit recht teuer war, kamen bereits im ersten Jahr über 2000 Besucher, erheblich mehr als geplant. Das Kurwesen florierte und die Gemeinde kassierte reichlich Steuern und Kurtaxe. Die Zahl der Einwohner Friedrichshagens verdoppelte sich in nur zehn Jahren und die Kurgastzahlen nahmen weiter zu. Es entstanden Biergärten, Cafés, Hotels und neue Straßen, mit der heute teilweise noch vorhandenen gründerzeitlichen Bebauung. 1890 leuchten die ersten Gaslaternen in Friedrichshagen und ein Jahr später wird die Friedrichstraße (heute Bölschestraße) gepflastert.Der Erste Weltkrieg unterbrach das lukrative Kurgeschäft. Als man anschließend den Betrieb wieder aufnehmen wollte, kam 1920 Friedrichshagen, trotz erheblicher Widerstände der Einwohner, zur Stadtgemeinde Groß-Berlin. Der Kurpark wurde nun Teil der ausgewiesenen Dauerwaldflächen und der in Berlin herrschende Wohnungsmangel zwang die Gemeindeverwaltung „Wohnungen und nutzbare Räume allerorten ausfindig zu machen“ um die große Wohnungsnot zu mildern. Wohnraum für Sommergäste freizuhalten war nun nicht mehr erlaubt, was zu einem jähen Ende des Kurbetriebs führte.Wer vom Bahnsteig aus dem Ausgang zustrebt sieht links den einstigen Kurpark, der heute eine Parkanlage mit Tennisplätzen und einem Freilichtkino ist. Hinter dem Park, vom Bahnsteig aus aber nicht zu sehen, erstreckt sich das reizvolle Erpetal. Nach Verlassen des Bahnhofs beginnt südlich der Bahnlinie die Bölschestraße, die für mich so etwas wie der „Ku`damm“ von Friedrichshagen ist. Die Hauptachse des Ortsteils verbindet den S-Bahnhof mit dem 1500 Meter entfernten Müggelsee. Neben vielen gründerzeitlichen Bauten gibt es noch eine stattliche Anzahl dörflicher Häuser. Es fällt auf, dass hier noch zahlreiche typische Einzelhandelsgeschäfte existieren und diese auch großen Wert auf die Gestaltung ihrer Schaufenster legen. Ein schönes Beispiel ist rechts der Friseur (Nr. 72) mit seiner alten Einrichtung, holzverkleideten Wänden, den Waschbecken und den alten Spiegeln sowie den großen Kerzenleuchtern in den Fenstern.Auf der linken Straßenseite ist das Kino „Union“. Seine Geschichte beginnt 1872 mit dem Bau eines Billardsaals, der auch für Tanzveranstaltungen und Bälle genutzt wird. 1913 dann die Umwandlung in ein Kino-Theater mit 314 Plätzen, das nach dem Ersten Weltkrieg durch Umbau 579 Besuchern Platz bot. 1948 zerstörte ein Brand das Dach sowie große Teile der Einrichtung. Erst nach dem Wiederaufbau Anfang der 50er Jahre konnte der Kinobetrieb wieder aufgenommen werden. Als nach der politischen Wende das „Union“ privatisiert werden sollte, kaufte es 1994 der Entertainer Wolfgang Lippert, „der sich damit angeblich einen Jugendtraum erfüllte“. Friedrichshagener Kinofreunde beklagten in der Folgezeit die mangelnde Instandhaltung und Vernachlässigung des Traditionskinos. Der Betreiber dachte bereits an einen möglichen Abriss und dem anschließendem Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses und schloss das „Union“ 1998 „wegen Umbau“.Seither tat sich einiges. Nach fünfjähriger Schließung und zwischenzeitlichem Verkauf an einen Bauunternehmer mietete ein filmbegeisterter Architekt, gemeinsam mit einem Projektentwickler das Kino. Ihnen gelang es, womit kaum jemand rechnete, die Leinwand wieder zum Flimmern zu bringen. Ein Jahr später wurden allerdings die mutigen Betreiber geschockt – der neue Besitzer des Hauses wurde von der Polizei verhaftet und saß nun in der Untersuchungshaft. Ihm wurden 45 Vergehen wie Betrug, Urkundenfälschung, Konkursvergehen und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Kinobetreiber wollten aber nicht aufgeben und fanden Unterstützung von zahlreichen Sympathisanten. Als es 2006 zur Zwangsversteigerung kam, erhielten sie den Zuschlag zum Mindestgebot von 285 000 Euro. Die hürdenreiche Erfolgsgeschichte wurde vier Jahre später gekrönt mit dem Preis für das beste Kino-Jahresprogramm.Wir folgen der Bölschestraße bis zur Nummer 87. 1899 hatte Friedrichshagen knapp 10 000 Einwohner. Das alte Amtsgebäude in der Breestpromenade war für die Verwaltung mittlerweile zu klein geworden. So spendierte sich die Gemeinde einen stattlichen dreigeschossigen Rathausneubau mit zwei gestaffelten Giebelwänden, der am 8. November 1899 feierlich eingeweiht wurde. Tagten bis dahin die Gemeindevertreter, vielleicht gar nicht so ungern, in der Gastwirtschaft von Franz Lerche, fanden nun die Sitzungen im prächtigen Ratssaal statt. Seine großen Fenster befinden sich unter der Uhr an der Fassade. Im Mai 1916 stand ein Thema mit auf der Tagesordnung, was uns auch heute noch sehr vertraut erscheint und über das in der „Niederbarnimer Zeitung“ berichtet wurde: „Ein recht häßlicher Unfug wird gegenwärtig von unserer Jugend täglich in großem Umfange verübt. Es werden nämlich überall, wo sich Gelegenheit dazu bietet, die Mauern der Häuser, die Zäune, die Türen und Pforten, Ladenschilder usw. mit Kreide beschrieben und beschmiert, so daß die Straßen (…) stellenweise dadurch einen recht häßlichen Eindruck machen. Auch Schüler des Gymnasiums üben sich in dieser wenig erfreulichen Freskokunst. (…) Es wäre an der Zeit, daß die Eltern und Erzieher die Kinder von diesem (…) Unfug zurückhielten.“Nach der Eingemeindung zu Groß-Berlin kam die Verwaltung nach Köpenick und das prächtige Rathaus war bedeutungslos. Seit 1945 nutzte die Polizei das denkmalgeschützte Gebäude bis zum Februar 2011. Sie bezieht nun einen Neubau, die neuen Mieter sind noch nicht bekannt.Schon vor dem Bau des Rathauses befand sich nebenan, in Nummer 86, der Sitz der „Niederbarnimer Zeitung“ und eine Druckerei. Redakteur Albert Kunzke vereinigte alle Bereiche in Personalunion. Als das neue Rathaus eingeweiht wurde, befand sich seine Redaktion fortan in bester Lage, da er nun sein Ohr stets aktuell am Puls der Gemeindeverwaltung hatte.Ein Stadtquartier erschließt sich am besten nicht auf geraden Wegen sondern immer im Zick-Zack-Kurs – also nie lange geradeaus gehen und sofort die Richtung ändern, wenn es irgendwo reizvoll oder interessant...


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Eine richtige gute Bereicherung um auch als Berliner die Stadt richtig kennen zu lernen.
Kann ich nur weiter empfehlen, ein muss für Berliner.
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