Sonnige Traurigtage - in dieser Doppeldeutigkeit erleben sich oft Kinder von psychisch erkrankten Eltern(-teilen).
Wie können sie mit den oftmaligen Widersprüchen im Verhalten und den Aussagen des Erwachsenen umgehen? Welche Ängste bewegen diese Kinder? Wie kann man ihnen die psychische Erkrankung angemessen erklären? Dies sind nur einige der Fragen, die in diesem dreiteiligen Kinderbuch sehr einfühlsam beantwortet werden.
Gerade im Alter von 9 Jahren ist es für Mona, der Hauptfigur des Buches, schwierig, all das, was um sie herum geschieht angemessen einzuordnen. Da ist es gut, sich anderen anzuvertrauen, die Hilfe von der Lehrerin, der Nachbarin sowie auch der Klassenkameraden anzunehmen.
Sonnige Traurigtage" greift aber auch die Phantasien der betroffenen Kinder auf, welche oftmals meinen, durch ihr eigenes Handeln, die psychische Erkrankung zu mildern oder gar zu beseitigen.
Zunächst wird die fiktive und doch realitätsnahe Geschichte wird in einer sehr altersadäquaten Sprache erzählt. Die Sätze sind kurz, verständlich und vom Schriftsatz her gut zu lesen. Der Text wird meist in die Bilder integriert und lebt insbesondere von der direkten Rede.
Die farbig sehr reich gestalteten Illustrationen - teils aquarelliert, teils mit Kreiden, Paperschneidetechnik bearbeitet - sind sehr lebendig und vielfältig. Sowohl die Ausführungsbandbreite als auch die dargestellten Situationen sind sehr breit gefächert und spiegeln die Alltagswelt von Welt sehr gut wieder.
Nach diesem Hauptteil wird in einem speziellen Ratgeber für Kinder" auf bald 40 Seiten auf die spezifischen Fragen von Kindern eingegangen. Die Hauptfigur Mona spricht hier die Kinder direkt an und erklärt ihnen, wie ihre Geschichte mit der psychisch erkrankten Mutter weiterging. Sie erläutert, was psychische Krankheiten sind, wer Betroffenen wie helfen kann, wo so eine solche Hilfe geleistet wird und von wem. Daneben beschreibt Mona auch, was und wer ihr geholfen hat, welche Hilfsstellen man wie im Telefonbuch oder auch im Internet finden kann. Aber auch persönliche Schuldgefühle, das Ärgern anderer Kinder und die Angst vor einer Ansteckung oder Vererbung thematisiert Mona.
Die Erklärungen sind so angedeutet, dass ein betroffenes Kind selbst die wichtigsten Punkte für die je eigene Situation dazunehmen oder ausschließen kann, ohne mit zusätzlichen für die persönliche Lage unrelevanten Informationen verunsichert zu werden. Die beigefügten Illustrationen zu diesem eher textbetonten Teil lockern die Aussagen angemessen auf.
Der dritte Teil dieses Fachkinderbuches" besteht aus einem 15 seitigen Ratgeber für Eltern und andere Bezugspersonen.
Hier werden auch Statistiken eingeflochten (u.a wird geschätzt, dass in Deutschland 500.000 Kinder leben, deren Eltern/-teil an einer Schizophrenie oder Depression erkrankt ist).
Während in den vorangegangenen Kapiteln eher die Fragen der Kinder beantwortet wurden, geht es hier mehr um das Verstehen der betroffenen Kinder. Wie können Erwachsene ihnen Unterstützung geben, ihre Reaktionsweisen einordnen und für Notfallsituationen Hilfe organisieren. Daneben werden - wenn auch leider nur reduziert - Tipps für Lehrer/-innen und Erzieher/-innen gegeben. Das Buch schließt mit sehr gut sortierten und überschaubaren Hinweisen zu weiterführender Literatur und Internetseiten ab.
Dieses Buch der Sozialpädagogin Schirin Homeier ist ein Meilenstein in der Hilfe für Kinder psychisch erkrankter Eltern. Selbst erfahrene Fachkräfte als auch mit der Thematik noch nicht so vertraute Personen erhalten hier einfühlsame Anregungen - zunächst ganz nebenbei und im Schlussteil sehr kompetent und direkt.
Mögen viele Menschen diese Denk- und Gefühlsanregungen aufgreifen zum Wohle der Kinder und mögen diese selbst durch diese Geschichte angesprochen werden und sich mehr verstanden fühlen.