Nachdem ich Larssons zweites Buch "Weiße Nacht" zuerst gelesen habe und wirklich begeistert von dieser neuen Autorin aus Schweden war, habe ich mir, auch wegen der vielen inhaltlichen Bezüge, Band 1 noch nachbesorgt. Und das erwies sich als mehr als lohnend:
Die Hauptfigur, die Anwältin Rebecka Martinsson wird einfühlsam und unaufdringlich entwickelt - sie ist eine sehr geradlinige, wenn auch etwas schwermütige, in sich eingeschlossene und tief einsame Heldin. Sie kommt in ihre Heimat im hohen Norden Schwedens zurück, um ihrer Freundin Sanna aus der Jugendzeit, deren Bruder ermordet wurde, beizustehen. Sanna ist hilflos und haltlos, zieht sich zurück, sobald es schwierig wird, dabei ist sie gleichzeitig manipulativ und selbstbezogen - also eigentlich das genaue Gegenstück zu Rebecka. Die beiden Frauen agieren mit- und gegeneinander im Milieu einer schwedischen Erweckungsgemeinde, die geprägt ist von bigotten, heuchlerischen Pastoren und ihren dubiosen Machenschaften. Und dann gibt es noch die hochschwangere Kommissarin Anna-Maria Mella und ihren Kollegen Sven-Erik Stalnacke, die beide ebenfalls erfrischend menschlich daherkommen und ja auch in Band 2 wieder ermitteln.
Neben den interessanten Figuren lassen sich als weitere Eins-A-Zutaten feststellen: die wirklich spannende, hintergründige Geschichte, die faszinierende Stimmung und Atmosphäre im winterlich-düsteren Lappland und vor allem Larssons großes schriftstellerisches Können, reale und mächtige Bilder im Innern des Lesers entstehen zu lassen. Also wie Band 2 ein echtes 5-Sterne-Buch, und man kann sich nur wünschen, dass diese Autorin ihr hohes Niveau in weiteren Rebecka-Martinsson-Romanen halten kann!