Am Anfang war ich verwirrt von dem Buch. Die Sprache war nicht normal und man wusste nicht, wo man sich nun in der Geschichte befand. Auf den ersten Seiten dachte ich: "So ein blödes Buch!". Doch das änderte sich. Je mehr ich von dem Roman las, umso mehr war ich von ihm fasziniert.
Zunächst einmal: Die Geschichte verläuft weder geradlinig noch chronologisch. Die Autorin springt federleicht von der einen zur nächsten kleineren Geschichte der Protagonistin. Das macht das Lesen nicht leicht. Andererseits erzeugt das ein aufregendes Lesevergnügen: Man weiß nie, wo man gerade ist und wo das hinführt. Hinter jeder Seite kommt etwas Unerwartetes, ein überraschender Schlenker, den die Geschichte einschlägt.
Auch die Sprache ist einzigartig und nicht mit der Sprache aus normalen Büchern zu vergleichen. Es gibt wenige Dialoge, Anführungszeichen fehlen, eine Szene wiederholt sich in genau dem gleichen Wortlaut, um einen Rahmen zu schließen, der Text ist teilweise nicht fortlaufend im Block geschrieben, sondern geht in einer bestimmten Form auf, das ein oder andere Mal wird die Handlungen mit kurzen Sentenzen beschrieben, oft grenzt die Erzählweise an Poesie, der Leser wird mit einem "du" angesprochen. Das "du" macht den Leser betroffen, hier wird nicht der Leser als Zielgruppe sondern als eine in die Geschichte involvierte Person angesprochen, ebenso wie die Ich-Perspektive, durch die man die Protagonistin durch fast den ganzen Roman begleitet, wobei von dieser Sichtweise urplötzlich ein paar Mal für kurze Zeit abgewichen wird; das alles macht das Buch so ungemein spannend und interessant!
Nicht nur die Geschichte, obgleich ebenfalls fesselnd aufgrund einer starken emotionalen Wirkung, sondern die Art und Weise, wie die Autorin mit der Sprache spielt und wie sie den Leser "verschlungen" durch einen Garten der Erinnerungen führt, macht die Erzählung zu einer außergewöhnlichen. Die Geschichte an sich, die einer zerbrochenen Liebe, die sich wieder zu finden scheint, wird "nur" über einen Rahmen erzählt. Dazwischen schlängelt die Autorin von der einen zur nächsten kleinen Erinnerung, alle verbunden durch eine große Anzahl immer wiederkehrender Falken. Als sich der Rahmen schließt, naht schon das emotionale Ende, welches in dieser Art keiner erwartet hätte.
Und der Titel? Ebenso rätselhaft. Und das "Sonnenscheinpferd" schlängelt sich ebenfalls durch das ganze Buch. Was ein Sonnenscheinpferd ist und ob die Protagonistin eines ist, das möge jeder für sich bei unverwechselbarem Lesegenuss herausfinden!