Nicht alle können sich Sonnenkinder nennen ' von der Sonne geküsst zu sein, Glück zu haben ' hatte ich gedacht '.
Nicole Mtawa sieht so viel Elend und Armut, dass sie ihre geplante Karriere über den Haufen wirft und Indien und die Ärmsten der Armen zu ihrem neuen Lebensziel ' ihrem Lebensinhalt mach
Ein weiteres Buch, welches die Autorin schon über sich und ihre Erlebnisse schrieb heißt:
'Sternendiebe: Mein Leben in Afrika '
Inhalt und Gliederung der 'Sonnenkinder'
Das Buch beginnt mit einem mehrseitigen Prolog. Danach folgt Kapitel 1 'Wer mit Flügeln geboren wird, sollte alles dazu tun, sie auch zum Fliegen zu benutzen. Florence Nightingale'
Jedes Kapitel ist mit solchen sinnigen Sprüchen übertitelt !!!
Das Buch ist in der Ich-Schreibweise geschrieben. Man fühlt sich ' auch auf Grund der eingängigen Schreibweise, die sich flüssig lesen lässt, gleich zur Autorin hingezogen, als würde man gemütlich bei einem Kaffee oder Tee zusammen sitzen und Nicole Mtawa würde einem ihre Geschichte erzählen.
Nicole hatte studiert, sie wollte die Welt bereisen. Sie sah dabei sehr viel Elend und Armut, die ihr ans Herz gingen. Neu-Delhi sollte dann zu ihrer Heimat werden. Sie gründete dort ein Heim für verstoßene, pflegebedürftige Kinder und gab ihnen durch ihren Einsatz ein Zuhause und vor allem Geborgenheit.
Die Geschichte, die uns die Autorin erzählt ist ergreifend und zu Herzen gehend. Sie will sich aber mit ihren Erlebnisse und Gefühlen, die sie schildert, das spürt man, nicht in den Himmel heben, sondern sie erzählt sachlich darüber, was sie warum angepackt hat. Man kann sich sehr gut in ihre Gefühlswelt versetzen, dass es natürlich nicht immer leicht war, sich zu entscheiden für oder gegen den Wohlstand, dem sie zu guter letzt den Rücken gekehrt hat.
Gemeinsam mit ihrem Mann geht sie das Projekt an und berichtet uns von allem Für und Wider, von den Hilfen um sie herum und auch von den Dingen, die den Erfolg nicht vereinfachten. Natürlich stellten sich ihnen auch Hemmnisse entgegen.
Kurze Leseprobe an dieser Stelle:
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Bereits drei Tage nach meiner Ankunft war ich am frühen Morgen zu Karibu Textile Mills im Stadtteil Mbagala aufgebrochen. Mama Tarimo hatte mir erklärt, welche Busse ich nehmen musste. Der erste sollte in türkis lackiert sein und würde mich vom Stadtteil Kinondoni, wo ich wohnte, zum vier Kilometer entfernten Stadtzentrum bringen. Dort sollte ich am Postamt aussteigen und einen braun lackierten Bus nehmen, dessen Route direkt an der Fabrik vorbeiführen würde.
Es war gar nicht so schwierig, auch wenn ich ziemlich aufgeregt war. Das große Postamt in der Innenstadt, an dem sich etliche Kleinbusse drängten, war leicht zu erkennen. Der Ticketlöser des zweiten Busses war so nett gewesen, mir nach einer halben Stunde Fahrt ein Zeichen zu geben, dass ich bei Karibu Textile Mills angekommen war.
Von den kleinen und großen Unwegsamkeiten auf dem Weg zu ihrer neuen Heimat, ihrer neuen Bestimmung und von den vielen wegweisenden Begegnungen mit Menschen erzählt uns die Autorin. Sie erzählt einfühlsam, faszinierend und bildhaft, sodass man sich von der ersten Seite in ihrer Geschichte wieder findet. Man wird in ihren Bann gezogen und auf eigentlich einfache Art und Weise mit nach Indien getragen.
Man spürt die Gerüche und das pulsierende für eine Europäerin nicht immer einfach Leben, in diesem Land und man kann erkennen, warum Frau Mtawa so und nicht anders entschieden hat. Man spürt ihren Mut, den sie brauchte, um diesen Weg zu gehen und man spürt aber auch ihre Zweifel '.
Alles in allem eine Biografie der besonderen Art, die ein Stück Leben eines Menschen zeigt und ein Land in seiner Vielfalt mit gut und weniger gut, mit Freude und mit viel Krankheit und Armut zeigt, dass ich sagen muss, ein sehr lesenswertes Buch von einer tollen und faszinierenden Frau '.
Anbei möchte ich abschließend noch ein Interview anfügen, welches ich mit Frau Mtawa per mail führen konnte:
Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über Ihren "Lebenstraum" zu schreiben?
In "Sternendiebe" hatte ich die Situation beschrieben, wie ich mit Juma tagtäglich in der Stadtkantine in Dar es Salaam saß und ihn eines Tages fragte, wie ich ihn unterstützen konnte, da er keine Arbeit hatte. Ich dachte also daran, ihm eventuell eine Ausbildung als Schreiner, Automechaniker etc. zu ermöglichen, doch seine Antwort war prompt: Ich möchte, dass jemand ein Buch über mein Leben schreibt". Anfangs zeigte ich ihm den Vogel und dachte er lebe in einer Traumwelt, erstens müßte dieser jemand Schriftsteller sein, Suaheli können und dazu noch Zeit und Interesse daran haben. Doch je mehr er mir aus seinem Leben erzählte, umso fester stand es dann, dass ich diejenige sein werde, schließlich hatte ich kurz zuvor meine Diplomarbeit für mein Bekleidungstechnik studium beendet und sagte schließlich "wenn ich 100 Seiten Diplomarbeit auf Englisch schreiben kann, dann kann ich auch ein Buch schreiben", denn Juma s Leben bewegte mich mehr und mehr und war es wert aufgeschrieben zu werden. Es war also alles andere als meine Idee, Bücher zu schreiben, ehrlich gesagt hatte ich vorher mit Büchern überhaupt nichts zu tun ... Ich wollte Jumas Traum verwirklichen und dabei ist unsere gemeinsame Geschichte entstanden.
Würden Sie alles noch einmal genau so machen, wie Sie es getan haben?
Auch wenn es nicht immer leicht war, habe ich nichts bereut, denn schließlich hatte sich bisher jeder Kampf gelohnt. Und auch auf Suaheli sagt man: maisha ni mapambano - Das Leben ist ein Kampf. aber man sagt auch maisha ni furaha - Das Leben ist Freude, und genau so sehe ich das auch.
Was sagen Sie zur weißen Massai und kennen sie Corinne Hofmann und ihre Bücher?
Mehr als zur weißen Massai könnte ich dazu sagen, was die Medien aus der weißen Massai und uns machen. Denn anscheinend sehen viele Menschen tatsächlich nur schwarz und weiß und übersehen dabei die zarten Anfänge unserer Liebe und unsere tiefgründigen Gefühle, die weder etwas mit Naivität noch Erotik zu tun haben. Auch Corinne Hofmann hat ihren Traum mutig gelebt, auch wenn er auf vielen Illusionen aufgebaut war. Doch welche Liebe ist schon frei von Illusionen?
Vermissen Sie Ihre Heimat Deutschland und ihre früheren Freunde und die Familie ab und an?
Deutschland vermisse ich nicht, meine Heimat sehe ich in Tansania. ich kenne auch das Gefühl Heimweh kaum und mit Freunden und Familien kann man auch wunderbar übers Internet in Kontakt bleiben oder sich darauf freuen, sich bei unseren kurzen Deutschlandbesuchen mal wieder zu treffen.
Welches waren die schwierigsten Umstellungen, deren Sie sich stellen mussten in der "anderen Welt"?
Als schwierig habe ich die Umstellungen nie empfunden, da ich ein brennendes Interesse daran hatte, in diese neue Welt einzutauchen, mich dem Lebenstandard der Armen so gut es geht anzupassen, nicht herauszustechen (soweit das aufgrund meiner weißen Hautfarbe dennoch möglich war ...). Duschen mit einem Eimer, Licht aus der Petroleumlampe, 6 Quadratmeter Zimmer, das alles habe ich nie als Hindernis angesehen, sondern als eine reiche Erfahrung und in materieller Hinsicht einen befreienden Lebensstil.