John Banville, Booker-Prize-Träger und einer der bedeutendsten englischsprachigen Gegenwartsautoren. Einer, der aus der Reihe tanzt, denn im Banville'schen Oeuvre steht nicht das epische Erzählen im Vordergrund, sondern die bisweilen sublime Art und Gestalt seiner Prosa. Er macht die Sprache selbst zum eigentlichen Gegenstand. Metaphernreich ist sie, ungemein wortschöpferisch, ungemein kunstvoll. Doch Banvilles Kritiker werfen ihm nicht zu Unrecht thematische Wiederholungen vor, ebenfalls lässt der Autor häufig psychologisches Gespür vermissen, Handlungslogik bleibt bisweilen auf der Strecke und die Charaktere erscheinen hier und da als goldgestäubte Hohlräume.
Ganz anders ist dies im Falle von "Eclipse" (dt. "Sonnenfinsternis"). Alex Cleave, der gescheiterte Schauspieler, zieht sich in ein erinnerungsschwangeres Domizil aus seiner Vergangenheit zurück. Zwischen Traum und Realität beschreibt Cleave eine Welt, die den Leser in große Verunsicherung stürzt: Ist das alles wahr oder sind es bloß Hirngespinste. Banvilles Spiel mit dieser Verunsicherung vermag zu fesseln, während er in enorm dichter und kunstvoller Sprache die Entfremdung des Schauspielers von seiner Frau und der hochbegabten aber psychisch kranken Tochter erläutert. Der melancholische Prozess der Entfremdung, die schemenhaft ist und genau so dargestellt ist, ergibt am Ende der Erzählung ein sehr geschlossenes Bild, mehr als das, ein Gesamtkunstwerk. Traurig, und zwar auf eine faszinierend schöne Weise.
Wer behaupten möchte, BANVILLE gelesen zu haben, der sollte "Eclipse" lesen. Leider konnte der Autor in den nachfolgenden Werken nicht mehr die große Klasse aufbringen, die sich in "Eclipse" offenbart. Dieser Roman ist allerdings wirklich ein faszinierendes, suggestives Meisterwerk. Der beste Banville.