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Sonnenfinsternis: Roman
 
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Sonnenfinsternis: Roman [Broschiert]

Arthur Koestler
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Produktinformation

  • Broschiert: 255 Seiten
  • Verlag: Elsinor Verlag; Auflage: 1 (Dezember 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3942788004
  • ISBN-13: 978-3942788007
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 68.748 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Ungeliebter Verräter

Schatten über Arthur Koestlers «Sonnenfinsternis»

Unlängst – und beinahe unbemerkt – ist im Europa-Verlag eine Neuauflage von Arthur Koestlers «Sonnenfinsternis» erschienen. Der Roman, 1940 zunächst in London unter dem eingängigen Titel «Darkness at Noon» gedruckt, hat eine eigenartige, aber keineswegs unauffällige Biographie. Dazu gehört auch, dass dieses Paradebeispiel eines politischen Gleichnisses – das einer damals noch weitgehend ahnungslosen Öffentlichkeit die erste stalinistische Säuberungswelle von 1936 bis 1938 in einer Eindringlichkeit vor Augen führte, die Anklänge an Kafkas «Prozess» eröffnete – in England zunächst nur schwer ein Publikum fand. Die erste Auflage, ganze tausend Exemplare, ging harzig; der Autor sitzt, durchaus eine kafkaeske Situation, in Frankreich als «Politischer» im Gefängnis.

Der Erfolg des Buches kommt erst nach Kriegsende, und zwar in der französischen Übersetzung. «Le Zéro et l'Infini», so Koestler an einer Stelle des viel später verfassten Nachwortes, habe innerhalb kurzer Zeit eine Auflagenhöhe erreicht, die schliesslich über 400 000 ging. Dass damit alle Verkaufsrekorde des französischen Vorkriegsbuchhandels übertroffen worden waren, erklärt Koestler freilich mit politischen, nicht mit literarischen Gründen. Das mag für 1946 zugetroffen haben: In den Wochen zwischen dem Zerfall der deutschen Besatzermacht und der Errichtung einer gesetzesmässigen Regierung wird fast jeder Landstrich Frankreichs zum Schauplatz summarischer Hinrichtungen; Willkür steht auf der Tagesordnung. Die Kommunisten, so der Ex-Kommunist Koestler, hätten diese chaotischen Wochen zur systematischen Abrechnung mit ihren Gegnern benutzt, unliebsame Konkurrenten als «Kollaborateure» liquidiert, den Gewerkschaften, den Medien und den Gerichten weitgehend ihren Willen aufgezwungen. In dieser drückenden Atmosphäre, das ist leicht nachvollziehbar, erhält ein Roman über die stalinistischen Säuberungen, auch wenn es sich um zurückliegende Ereignisse handelt, Symbolwert.

Moral und Verrat

Das Buch wird zur moralischen Anklage gegen die Politik der Kommunisten im Nachkriegsfrankreich auch deshalb, weil es in der authentischen Parteisprache gehalten ist und folglich nicht als «bourgeoises» Produkt abgetan werden kann. Was passiert? Die Kommunisten versuchen, den Verleger einzuschüchtern. Ohne Erfolg. Daraufhin kaufen sie – mit Erfolg, aber ohne politisches Geschick – ganze Lagerbestände vorstädtischer und provinzieller Buchläden auf und vernichten sie. Das nun macht den Roman erst recht zum Erfolg, Restexemplare des Buches werden zu Liebhaberpreisen gehandelt. Die nächste Auflage, sie steht inzwischen bei einer Viertelmillion, versucht man propagandistisch zu vernichten, Buch und Verfasser werden auf Versammlungen und in der Presse angegriffen, was dem Verleger durchaus nicht schadet. Allerdings lässt der französische Übersetzer, eingeschüchtert, seinen Namen – eh schon ein Pseudonym – vom Titelblatt streichen. – Auch in Deutschland übrigens hatte niemand Geringerer als Ernst Bloch Koestler schon 1942 ins Visier genommen. «Darkness at Noon», so Bloch, habe die neue «Literaturgattung des Verrats» eröffnet. Die Diskussion über das Renegatentum ist lanciert. Ein schlechtes Omen für eine freie Debatte über politische Schuld und Verantwortung, über die seelische Chemie von Geständnis und Schauprozess.

Und heute? Welche Erschütterungen gehen noch aus von Koestlers Roman? Offensichtlich wenige, vielleicht gar keine. Der Verlag hat die Neuedition kommentarlos, ohne jeden Zusatz, ohne die geringste aktualisierende Zeile auf den Markt geworfen. Das ist immerhin erstaunlich. Nicht nur dürften heutige Leser nicht unglücklich sein über eine sachliche Rekonstruktion der der «Sonnenfinsternis» zugrunde liegenden menschlichen und politischen Dramen. Noch mehr: Vor knappen drei Jahren hat eine englische Biographie vermeintlich Neues – und wenig Schmeichelhaftes – über den 1983 freiwillig aus dem Leben geschiedenen Autor zutage gebracht.

Koestler, der gewiss kein Chorknabe war und dessen private Vita – wie so viele andere; wer darf da den ersten Stein werfen? – keineswegs frei von Widersprüchen und Bizarrerien war, wird in David Cesaranis dickleibigem Wälzer durchaus nicht nach der Maxime De mortuis nil nisi bene behandelt. Vielmehr schon ist es ein dampfender esprit de concierge, der da vorherrscht. Koestler erscheint als fanatischer, ja krimineller womanizer, ein Vergewaltigungsfall wird aufs Detaillierteste untersucht, Verdächtigungen hier, Zitate aus Briefen dort, viel Licht wird gelenkt auf eine obsessive Mutter-Sohn-Beziehung, Mutmassungen über homosexuelle Neigungen, Gesichertes über Alkoholexzesse, schliesslich der Doppelselbstmord, zu dem der Achtundsiebzigjährige seine fünfundzwanzigjährige Frau Cynthia gezwungen habe.

Spiralen des Absurden

Allerdings, da ist viel Zwiespältiges, im Leben vielleicht mehr als im Werk. Aber mit spitzen Fingern und «moralischen» Vorbehalten muss man sich Koestlers Romanen durchaus nicht nähern. «Sonnenfinsternis» bleibt, auch in der verschämten Neuauflage, ein eindringlicher Markstein der politischen Ästhetik, von ferne an Joseph Roths «Radetzkymarsch» erinnernd. Es ist das groteske Schicksal des Mannes N. S. Rubaschow, der im Glauben an das Gute Freunde verraten hat und über Leichen gegangen ist und der dann selbst, in einer absurden Spirale, verhaftet wird, vom Peiniger zum Gepeinigten wird und schliesslich ein falsches «Geständnis» ablegt, um so der «Partei», will heissen: einer menschenverachtenden und aufs Letzte abzielenden Geschichtsphilosophie, noch ein letztes Opfer zu bringen. Doch sind das zusammenfassende Sätze, die den literarischen Sog dieses Romans schlecht wiedergeben. Denn Koestler hat alles andere als eine blutleere Parabel vom verratenen Verräter geschrieben.

Er sitzt mit Rubaschow in der Zelle und berichtet gleichsam aus der Perspektive eines dritten Ohrs, eines parallel geschalteten Nervengeflechts. Er hört mit ihm das Tropfen des Kondenswassers, zählt die Schritte auf dem Korridor, übersetzt die Klopfbotschaften von geheimnisvollen Mithäftlingen, mutmasst über die Folterungen von Nr. 407. Die inneren Dialoge, die Verhöre zumal, dann der Offizier; man übt sich in Dialektik, tauscht Erinnerungen. War er früher nicht ein Freund? Demzufolge jetzt der Feind? Oder ein als Feind getarnter Freund? Als Freund getarnter Feind? Sollte er antworten, dass alles Gerede gewesen war? Ein impotentes Spiel mit dem Feuer? Es berührt ihn die sonderbare Empfindung, in den «glatten Ablauf einer feierlichen Zeremonie» geraten zu sein. Werte erodieren, Grundsätze zerfallen, die Welt ist ein Hort des Absurden. Wenn alles zerbröselt, ist da nicht das «Geständnis» ein letzter Akt der Disziplin? Diese paranoide Aura, diese Seelenzerwürfnisse darzustellen, ist Koestler auf bleibend beängstigende Weise gelungen. Sich selbst hat er damit schwierigen Ruhm eingehandelt. Man liebe den Verrat, aber nicht die Verräter, soll er dazu notiert haben.

Ursula Pia Jauch -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Sonnenfinsternis
OT Darkness at Noon OA 1940 DE 1946 Form Roman Epoche Moderne
Arthur Koestler, der 1938 mit der Kommunistischen Partei gebrochen hatte, sucht in seinem berühmtesten Roman Sonnenfinsternis eine Antwort auf die Frage, warum in den Moskauer Schauprozessen (1936–38) die Angeklagten entwürdigende Geständnisse über nicht begangene Verbrechen ablegten.
Inhalt: Der Bolschewik Nicolai Salmonowitsch Rubaschow wird von seinen Genossen verhaftet und konterrevolutionärer Umtriebe bezichtigt. Durch Verhöre wird er so weit zermürbt, bis er an die Verbrechen, deren er bezichtigt wird, zu glauben beginnt. Zugleich beginnt er das System von »Nummer Eins« (der Name Josef Stalin bleibt unerwähnt) zu durchschauen und seinen politischen Glauben zu verlieren. Die meisten seiner früheren Mitstreiter sind bereits liquidiert. Schließlich unterschreibt er ein falsches Geständnis, überzeugt, der Partei damit einen letzten Dienst zu erweisen.
Rubaschow wird zwischen den Verhören mit anderen, nicht kommunistischen Gefangenen konfrontiert, vor allem aber mit seiner eigenen Vergangenheit. Ein Prozess des Zweifelns und der Irritation beginnt, er erkennt die eigene Schuldverstrickung. So hat er früher die Geliebte verraten, als sie in die Fänge der GPU geraten war. Sein früherer Mitkämpfer Iwanow, der anfangs die Verhöre leitet, wird selbst verhaftet und abgelöst von dem jungen Genossen Gledkin, der den Typus des skrupellosen neuen Revolutionärs verkörpert.
Rubaschow gesteht sich ein, dass er den Begriff der Menschheit über den des Menschen gestellt hat. Am Ende verliert er auch den Glauben daran, er sei in der Rolle von Moses, dem man nicht mehr erlaube, das Land der Verheißung zu betreten: »Er sah nichts als die Wüste und die Finsternis der Nacht.« Der Roman endet mit Rubaschows Exekution.
Aufbau: Zwar würden die Gestalten des Romans auf Erfindung beruhen, erklärt Koestler, doch »die Umstände, die ihre Handlung bedingen«, würden auf Geschichte basieren. Das macht schon die Figur des Rubaschow deutlich, die mit ihrem Autor verwandt ist, aber auch Züge von Karl Radek (1885–1939?), Nikolai Bucharin (1888–1938) und Leo Trotzki (1879 bis 1940) trägt. Mit der morgendlichen Verhaftung zu Beginn wie mit der demütigenden Exekution zu Ende verweist Die Sonnenfinsternis auf den Roman Der Prozess (entst. 1914/15, ersch. 1925) von Franz R Kafka. Ein doppelter, scheinbar widersprüchlicher Prozess wird geschildert: zum einen die wachsenden Zweifel des Angeklagten und zum anderen dessen Instrumentalisierung als Opfer des Systems. Anschaulich gemacht wird diese Spannung von Faszination und Abscheu in den Verhören, die den Charakter geschichtsphilosophischer Debatten gewinnen. Durch die Parallelisierung mit der Französischen Revolution wird dem stalinistischen System ein philosophischer Glanz verliehen – gleichzeitig beschwört der Titel die Vergänglichkeit des Systems: Die Sonne der Vernunft soll wieder erstrahlen.
Wirkung: Neben den Romanen von George R Orwell und dem späteren Werk von Alexander R Solschenizyn ist Die Sonnenfinsternis zu einem der berühmtesten Romane über den Stalinismus geworden und zu einer »ideologischen Waffe« im Kalten Krieg. Vermutlich haben nur wenige andere Werke des 20. Jahrhunderts eine größere politische Wirkung entfaltet. Das Buch wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt.
Zu dieser Wirkung trug das fortgesetzte publizistische Engagement des Autors bei, aber auch die heftigen Reaktionen im kommunistischen Lager – so versuchte die französische KP vergeblich das Erscheinen des Buchs zu verhindern. Mit Humanismus und Terror (1947 )unternahm der französische Philosoph und Kommunist Maurice Merleau-Ponty (1908–61) den Versuch einer geschichtsphilosophischen Widerlegung von Koestlers Roman. M. Ro. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
1934-36 fanden in der Sowjetunion unter Stalin die sogenannten Moskauer Prozesse statt, Schauprozesse, in welchen sich berühmte Persönlichkeiten wie Karl Radek und Nikolai Bucharin der konterrevolutionären Umtriebe und vieler weiterer Verbrechen bezichtigten. Es scheint auf den ersten Blick unverständlich, warum sich solche Menschen damit selbst ans Messer lieferten. Arthur Koestler, der bis 1936 Mitglied der KP war und -unter anderen- Radek und Bucharin persönlich kannte, schrieb mit "Sonnenfinsternis" einen Roman, der vielleicht etwas Licht in dieses Dunkel bringen kann: er zeigt die psychologischen und historischen Hintergründe auf, aufgrund derer sich in den Schauprozessen viele -ganz ohne Folter- selbst beschuldigten. "Unsere Ideen waren alle richtig, die Konsequenzen ausnahmslos fatal", mit diesem Satz reflektiert in Koestlers Roman der ehemalige Volkskommissar N.S. Rubaschow über die Folgen des eingens erschaffenen Systems. Hier frisst nicht nur die Revolution ihre Kinder, sondern auch gleich die Kinder ihre Revolutionäre. Zwischen seinen guten Intensionen und der totalitären Staatsmacht ist in den Stunden seiner Überlegungen sein Schicksal aber längst besiegelt und auch er wird seine Schuld eingestehen, zumindest von einem bestimmten Blickwinkel aus gesehen... Ein Roman und doch auch irgendwie ein Lehrbuch. Obwohl es am Anfang etwas trocken zu sein schien, war es am Ende wohl eines der besten und mitreisendsten Bücher, die ich je gelesen habe. Eine kleine Nachhilfestunde in Sachen Geschichtsunterricht, basierend auf wahren Begebenheiten und persönlichen Erfahrungen Koestlers; meiner Ansicht nach absolut lesenswert!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Totalitäre Systeme 4. März 2011
Format:Broschiert
Der Spitzenfunktionär Rubaschow (in Russland) ist mit der Entwicklung der Revolution nicht mehr einverstanden. Er wird verhaftet, verhört, zum Tode verurteilt und erschossen. Doch trotz der eindrücklichen Beschreibung des Gefängnislebens und der Verhörmethoden ist dieser Teil nur ein Vehikel. Es geht vielmehr um eine markante Analyse und Abrechnung mit der Grundidee des Kommunismus und dessen Hauptthesen wie:
1.Der Zweck heiligt die Mittel (in jedem Fall)
2.Das Kollektiv steht in jeder Hinsicht über dem Individuum (das Individuum: eine Masse von einer Million, dividiert durch eine Million)
3.Die Partei hat immer recht und ist in ihren Taten stets zu rechtfertigen.
4.Die Geschichte - als Ersatz für Gott im marxistischen Gedankengut - verlangt zwingendes Handeln im Sinne der Idee.
Rubaschow beginnt diese Prämissen zu hinterfragen und wird dadurch zum 'Oppositionellen', zum Verschwörer, zum Konterrevolutionär. Dennoch: um der Partei zu dienen bekennt er im Verhör seine 'Missetaten', die er zwar nicht im Sinne der Anklage begangen hat. Ein Belastungszeuge wird durch Folter dazu gezwungen, ihn anzuschwärzen (wird natürlich auch hingerichtet). Selbst ein Untersuchungsrichter (Iwanoff), der die Verhöre anders leitet als sein Untergebener (Hardliner Gletkin), wird eliminiert.
Der Widerspruch: das Glück des Individuums der Zukunft wird durch grenzenlose Gewalt am Individuum in der Gegenwart angestrebt. Das Hinterfragen der eigenen Position ist verpönt, systemfeindlich und verboten. Weder ist der Zweck, der letzten Endes den Terror rechtfertigt, als Wert bewiesen, noch ist der Weg zur Erreichung des Ziels unumstritten.
Ein bedrückendes Buch, das jedem Romantiker, der heute noch den Kommunismus vertritt, zur Pflichtlektüre gemacht werden müsste.
Sehr empfehlenswert, obwohl anspruchsvoll.
Sonnenfinsternis: Roman
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ego versus Vernunft 30. Oktober 2006
Von Henne
Format:Broschiert
Was für ein Buch!

Ich habe mich an den Roman Sonnenfinsternis herangewagt in dem Irrglauben eine fiktive Geschichte zu lesen. Gut, die geschilderte Geschichte ist fiktiv. Doch was mich wirklich verblüfft hat war der Umstand, dass diese Fiktion auf wahren Begebenheiten in der ehemaligen Sowjetunion beruht.

Nach einem verstörend raschen Einstieg befindet sich der Leser zusammen mit dem Protagonisten in einer Zelle. Da steht er dann nun, und der Leser mit ihm. Erst Stück für Stück schlüssen sich die Begebenheit die zu seiner Verhaftung geführt haben auf. Das faszinierende ist aber nicht wie es zu der Verhaftung gekommen ist (auch wenn dies nicht unwesentlich und sehr interessant ist). Diese Geschichten hat man ohnehin schon zu dutzenden gehört. Und tatsächlich steht auch dies nicht im Vordergrund von Köstlers Roman. Er legt in seinem Buch viel mehr Wert darauf, wie die Charaktere mit der gegebenen Situation umgehen. Es gibt keine panischen Momente der Flucht, kein Gewimmer und Verhandeln. Auch die Wärter agieren ganz anders, als man es erwarten würde. Alleine die eiskalte Vernunft regiert die Personen und ihr Handeln.

Sonnenfinsternis ist ein Hauch "1984", eine wenig "Wir!" und trotzdem etwas ganz erschreckend Reales. Köstler fängt mit Sonnenfinsternis ein dunkles Kapitel der Menscheheitsgeschichte ein, was wohl nicht zuletzt zum Titel des Romans geführt hat. Ein Handeln der Menschen das man vieleicht aus dem heutigen Standpunkt nicht einmal mehr so recht nachvollziehen vermag. Und dabei sind die Geschehnisse dieses Buches noch nicht einmal ein Jahrhundert alt.

Ein Buch, das man nur empfehlen kann.
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