![]() Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Wer in der Sonne steht, wirft Schatten: Ein rumänisches Brevier politisch-praktischen Denkens gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 0,25 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.
Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern. |
Produktinformation
|
Andrei Plesus Aufzeichnungen aus der Verbannung
Wie entsteht ein Buch? Etwa so: Wenige Monate vor dem gewaltsamen Sturz Ceausescus 1989 reist ein deutscher Verleger nach Rumänien. Er hat von Andrei Plesu gehört, dem Kunsthistoriker und Philosophen. Es kommt zum Treffen an der Schwarzmeerküste. Plesu ist gastfreundlich, gewitzt, schier allwissend, ein balkanischer Meister der Konversation. Die beiden unterhalten sich prächtig. Der westliche Besucher verlässt schliesslich Rumänien, um grossartige Eindrücke und einen Freund reicher.
Doch für Plesu (geb. 1948) hat der Besuch schlimme Folgen. Er wird wegen illegaler Kontakte zum Westen auf unbestimmte Zeit in ein verschlafenes Dorf namens Tescani verbannt. Der Verbannte beginnt ein Tagebuch und stellt sich auf ein langes Zwangsdomizil ein. Doch die Dezemberrevolution überrascht auch ihn, er kehrt zurück nach Bukarest und fungiert für einige Monate als Kulturminister. Auf vielen Ebenen engagiert er sich für die demokratische Erneuerung Rumäniens, gründet zusammen mit dem Philosophen Gabriel Liiceanu den wichtigsten Verlag («Humanitas»), eine tonangebende Zeitschrift für Politik und Gesellschaft («Dilema») und das (ehemalige Dissidenten promovierende) New Europe College. Zwischen 1997 und 1999 ist Plesu zudem Aussenminister in der Regierung Constantinescu. Nicht umsonst avanciert er zu einem der angesehensten Intellektuellen Osteuropas, was die Verleihung des Herder-Preises 1998 unterstreicht. Und um den Kreis zu schliessen: Der deutsche Verleger, Ernst Wolfgang Huber, veröffentlicht gut zehn Jahre nach seiner Rumänienreise Plesus Tescaner Tagebuch schliesslich unter dem Titel «Wer in der Sonne steht, wirft Schatten» als ein «Brevier politisch-praktischen Denkens».
Wer nun politische Reflexionen im Stile eines Vaclav Havel erwartet, wird enttäuscht. Das Büchlein ist zeitlos gehalten, ganz ohne Gegenwartsbezug. Kein Gedanke wird an das sozialistische Elend im Land verschwendet, keine Auseinandersetzung mit den Herrschenden betrieben, kein Ausweg aus der Finsternis des Totalitarismus überlegt. Stattdessen ergeht sich Plesu in kontemplativen Betrachtungen über Natur und Religion.
Wahrlich kein Vorbild mustergültiger Dissidenz, möchte man meinen. Doch wer das Tagebuch so liest, bringt sich um das Verständnis eines zutiefst luziden Geistes. Wie viele seiner Generationskollegen antwortete Plesu auf eines der perfidesten und intransigentesten kommunistischen Regime nicht mit Hoffnungslosigkeit, Verbitterung oder Ressentiment, sondern mit der Heiterkeit und Melancholie eines Kulturmenschen, Naturbetrachters und Gottsuchers, der in der inneren Emigration überwintert. Das Tagebuch liest sich wie eine Variation auf einen Satz von Plesus philosophischem Mentor Constantin Noica (19091987): «Wir sind, was von uns bleibt, wenn uns die Welt vernichtet hat.» Dies impliziert, in seiner Radikalität und Verzweiflung, eine Befreiung von allen weltlichen Fesseln, auch denen der Dissidenz. Plesu überlebte moralisch die Verbannung, weil er Kraft im Glauben fand, keineswegs aber, weil er weltfern war. Seine spätere Karriere beweist zur Genüge, dass er zu jener seltenen Kategorie von Intellektuellen gehört, für die tiefe philosophische Reflexion und weit reichende politische Bildung und Engagement keine Gegensätze darstellen.
Doch das Tagebuch erschöpft sich nicht in dieser Einsicht. Naturbetrachtungen, Analogien zwischen Natur und Religion, Notizen zu Literatur, Kunst und Kultur Wittgensteins Verstreute Bemerkungen sind nicht weit zeigen Plesu als einen stil- und urteilssicheren Aphoristen und Essayisten, vor allem aber als einen frommen Menschen: «Die grossen geoffenbarten Texte sind zwischen Gott und den Menschen das, was die Wolken zwischen Himmel und Erde sind: Annäherung erlaubende Schleier, Antlitz verleihende Spiele des Zufalls. Die Bibel oder den Koran zu lesen, bedeutet, die Wolken zu betrachten, die sachte über das Gesicht Gottes ziehen.»
Den Leser überrascht zur Mitte des Buchs ein kleiner Essay über die Vielfalt und die Widersprüche religiöser Erfahrung, gerechter und pointierter als manche voluminöse Abhandlung, wobei für den Autor, darin Thomas von Aquin und Pascal folgend, das rechte Verhältnis zu Gott mutig und optimistisch sein sollte. In facettenreicher, biblisch inspirierter Metaphorik nähert sich Plesu immer wieder so schlichten Phänomenen wie Wolken, Erde, Luft, Pflanzen und vor allem dem Herbst, den er als Verklärung von Natur und Gott und als innere Läuterung erlebt, die ihn gewiss auf die grossen Herausforderungen nach der Revolution vorbereitete. Bezeichnend, dass Plesu demütig mit einem Auszug aus Anselm von Canterburys «Proslogion» endet, wohlgemerkt nicht aus dem Gottesbeweis-Kapitel, sondern dem einleitenden Abschnitt davor, in dem Anselm Gott anruft und um Gnade bittet. Und so hat der Autor vielleicht nur teilweise Recht, wenn er an einer Stelle das Scheitern seiner Generation behauptet: «Wir sind alle die Summe dessen, was uns zu sein verwehrt wurde.»
Edward Kanterian
Tags(Was ist das?)Bei einem Tag handelt es sich um ein Schlagwort, das zum Produkt passt.
Tags erleichtern allen Kunden die Suche und die Sortierung ihrer Lieblingsprodukte. |
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|