5.0 von 5 Sternen
Meisterhafte Federführung, 13. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Sonne und Mond 1 (Broschiert)
Mit Sonne und Mond hat es endlich mal wieder ein koreanischer Manwha nach Deutschland geschafft, wenn man mal von dem ganzen Carlsen-Lollipop-Gedöns absieht. Schon ein flüchtiger Blick im Laden hatte mich sofort von Kwan Gaya überzeugt. Die Strichführung erzeugt in nie gesehener Weise fleischige, ausdrucksstarke und sehr lebendige Charaktere, die vorallem durch ihr Handeln innerhalb der Panels beeindrucken...leider weniger durch ihre Dialogzeilen.
Aber im ersten Band von Sonne und Mond ist das aber gar nicht nötig, schließlich wird hier die Geschichte des Fischer Baik Il Hong erzählt, der gedankenverloren durch seine Umwelt gleitet und einem Autisten gleich, lieber in sich gekehrt, über den Sinn seines Daseins und die Beziehung zu seinem Vater nachdenkt. Aus diesem passiven Zustand bricht er erst heraus, als ihn ein Hund zum Kampf herausfordert. Natürlich kläfft der nur, aber Il Hong lässt sich von niemandem beleidigen! ...und prügelt sich allen ernstes mit einem Hund.
Mit dieser irritierenden Szene eröffnet der Comic und bleibt auch gleich in den Vollen. Geschlagen wird eigentlich Alles und Jeder, bzw. Jede, Il Hong weist unbeirrt sogar die schöne Nang Lang zurecht, die sich auf der Flucht vor den Kopfgeldjägern befindet. In seiner kindlichen Naivität zögert Il Hong nicht, das Mädchen zu beschützen und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Überhaupt weiß er vom Leben ziemlich wenig, nur von der Kampfkunst versteht er so einiges, allerdings führt er auch die mit der gewohnten Passivität aus. Das führt zu ziemlich komischen Situationen, da er sich selten für sein Gegenüber interessiert.
Nach dem Abschluss des dritten Bandes muss man leider feststellen, dass weniger Il Hongs Leben im Mittelpunkt steht, als der Kampf um die Vormachtstellungen zweier Kopfgeldjägerbanden. Dadurch ist der Band angefüllt mit malerischen und höchst aufwendig gezeichneten Kampfszenen, die in ihrer Dynamik und künstlerischen Fertigkeit Ihresgleichen suchen! Allerdings bleibt dadurch einen stringente Haupthandlung völlig auf der Strecke. Es werden sogar so viele Nebenstränge aufgezogen, dass nicht alle unbedingt einen Sinn ergeben.
Der erste Band lohnt trotzdem, wegen der Inszenierung der vielen illustren, fast grimassenhaft gezeichneten Charaktere, dem Strich und der Art wie schraffiert und getuscht wurde.
Während ich den ersten Band noch unbedingt empfehle, und der Kauf des zweiten eigentlich fast folgerichtig erscheint (obwohl der nur noch aus Kampfszenen besteht!), ist mir der Abschlußband ein Rätsel. Die Qualität ist gleichbleibend hoch, allerdings entsteht bei all den zähen Kämpfen kaum Handlung und wenn dann wird sie nur in ewig langenweiligen Texten nebenher erzählt.
Aber davon sollte sich jeder selbst ein Bild machen, wichtig ist eigentlich nur der erste Band, Kwan Gaya at his best!
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