Diese Rezension bezieht sich auf die Doppel-CD-Variante des Albums. Für die normale Version einen Stern abziehen.
Wer hier gelandet ist, weiß sicherlich über die Geschichte der Band "Apoptygma Berzerk" bescheid, deswegen erspare ich mir an dieser Stelle die Hintergrundinformationen. Nur so viel sei gesagt: Sonic Diary soll APBs Wurzeln zeigen und stellt eine Sammlung alter und drei neuer Coverversionen verschiedenster Interpreten wie Metallica, The House of Love, Kim Wilde & Co. dar.
Der Opener "Cambodia" ist ein sehr mainstream-kompatibler Ohrwurm, leider im negativen Sinne. Mir geht der Song leider sehr schnell auf die Nerven und ich kann in keinster Weise verstehen, warum er solche Beliebtheit erlangen konnte.
"Bend And Break" und "Who's Gonna Ride Your Wild Horses" sind zwei unkonventionelle und emotionale Balladen, die wohl zu den Highlights dieses Albums zählen.
Mit "A Strange Day", "Coma White" und "Fade To Black" werden vor allem die altehrwürdigen Fans von vor der Jahrtausendwende angesprochen, die diese Tracks aber bereits ihr Eigen nennen müssten, da sie nun mal langjährige Fans sind.
"Shine On" ähnelt "Cambodia": Charttauglich, massenkompatibel und ein wahrer Ohrwurm. Zwar nervt "Shine On" nicht so sehr wie "Cambodia", dafür hat man sich auch hier schnell sattgehört und muss sich unweigerlich die Frage stellen: "Ist das Apoptygma Berzerk?". Denn derart plump kennt man die Norweger gar nicht.
"The Dammned Don't Cry" ist ein durchschnittlicher Song mit erwähnenswerter weiblicher Gesangsunterstützung, während das bisher nicht veröffentlichte Cover "All Tommorrow's Parties" beim Gesang übertreibt: Niemand wünscht sich künstlich gestreckte und aufgesetzt wirkende Gesangspassagen, die einen noch dazu sehr schnell anöden.
"Electricity" und "Ohm Sweet Ohm" wirken wie Experimente, eignen sich vielleicht auf der Tanzfläche, nicht aber auf einem Apoptygma Berzerk-Album.
"Bizarre Love Triangle" ist die dritte und letzte Ballade des Albums und stellt für mich neben "Bend And Break" und "Who's Gonna Ride Your Wild Horses" einen klaren Höhepunkt der Scheibe dar. Groths Gesang ist emotional und stimmig, der ganze Song will einem nicht aus dem Kopf gehen. Denn "Bizarre Love Triangle" ist wirklich einzigartig, zumindest in der Diskografie Apoptygma Berzerks.
Über den letzten 13. Track "All Tommorow's Parties (Nico Vs. Apoptygma Berzerk)" will ich eigentlich gar nicht schreiben, weil er unfassbar schlecht ist. Nichts passt und ich frage mich: Warum ist das der Abschluss dieses ungewöhnlichen Albums?
Aber der ist es auch gar nicht, denn als Hidden Track versteckt sich noch das grandiose "Nothing Else Matters", das vierte Highlight dieses Albums. Warum dieses gute Cover nur ein versteckter Track ist? Keine Ahnung.
Die Bonus-CD enthält 9 Remixe von bekannten APB-Tracks, darunter Mourn von Mesh und Pikachu von Sonic Code. Für richtige Fans ist diese Version des Albums "Sonic Diary" sicherlich ein Muss, doch bis auf das ungewöhnlich gute "Deep Red (Blackmail Version)" enthält die Zusatz-CD leider keine weiteren Highlights.
Tipps: Bend And Break, Who's Gonna Ride Your Wild Horses, Bizarre Love Triangle, Nothing Else Matters und Deep Red (Blackmail Version)
Fazit: Ein sehr durchwachsenes und ungewöhnliches Coveralbum. Für Hardcore-Fans, die sich für die Wurzeln Stephan Groths interessieren. Und für Freunde gepflegter Balladen, denn die hier enthaltenen retten die Bewertung auf 4 Sterne. Die Bonus-CD mit dem grandiosen Deep Red in der Blackmail Version erhöhen dann noch mal auf 5.
Cover und Booklet können übrigens überzeugen.
mfG Martin Ge