Es wäre eine wunderbare Gelegenheit gewesen, die betagte, aber thematisch immer noch aktuelle Dreigroschenoper einem aufgeschlossenem, jüngeren Publikum zugänglich zu machen - anscheinend sah die Weill-Foundation dies anders und untersagte kurzerhand die Veröffentlichung der schon gepressten Dreigroschenoper. Der Kompromiß ist nun diese "Sparversion": nur fünf der ursprünglich dreizehn Songs sind nun entstaubt, in den Slut-Klangkosmos adaptiert und hervorragend produziert auf eine EP gepresst worden. Dabei wurde sorgfältig darauf geachtet, die Lieder nicht einfach nur zu "verrocken"; mit sehr viel Feingefühl und nach dem letzten Album ungewohnter Klangvielfalt wurden die doch für meine Ohren sehr sperrigen und teilweise nur schwer hörbaren Stücke in unsere Zeit herübergerettet. Dass die Songs nun gefälliger klingen (die Stimme von Chris Neuburger ist oftmals geradezu hinterhältig sanft) lässt den Gegensatz zwischen Musik und bitterbösem Text eher noch stärker erscheinen und verleiht so dem ganzen eine tiefere und nachhaltigere Wirkung als dies sonst möglich gewesen wäre. Allein bei der "Seeräuberjenny": Die Zeile "...und wenn dann der Kopf fällt, sag ich:Hoppla" klingt so nett, dass man erst nach dem Hören denkt ...???!!! - und ggfs. das Lied gleich nochmal hören will. Einzig die Tatsache, dass der Spaß nach nicht einmal zwanzig Minuten schon vorbei ist und die Dramaturgie der Stücke durch die Auswahl zerrissen ist, trübt die Freude. Tja, 2020 oder so kommen dann der "Anstatt-Dass-Song", der "Barbarasong", die "Grabschrift" (meine Favourites) und die anderen fehlenden Kleinode vielleicht doch noch ans Tageslicht, denn da laufen die Rechte aus...
Bis dahin jedenfalls eine tolle Auswahl und ein Beweis, dass man auch mit nur fünf Songs sowohl Kunst als auch Käufer bedienen kann.