Ich habe American Demo verpasst und bin erst mit "... Swinging Lovers" auf die Indelicates aufmerksam geworden. Ich habe in einigen Rezensionen geschmökert, und die Mehrheit beginnt mit dem Versuch einer Stilzuordnung.
Die Platte als Gesamtheit einem Stil zuordnen zu wollen, führt meiner bescheidenen Meinung nach jedoch unweigerlich zum Scheitern. Für die einzelnen Stücke kann man schon die Tendenz angeben: Mal gehen die Songs Richtung Indie-Rock/Pop, andere bedienen sich bei Country oder Folk, Funk-Derivate kann man mit etwas gutem Willen ausmachen, und wenn gar nichts passt nimmt man den Fallback "Pop-Hymnen" als Beschreibung zur Hand.
Aber ist das Genre denn so wichtig? Der Inhalt des Albums sind fragile Klänge im Wechselbad mit wuchtigen Melodien, ruppigen Tönen hier, Balladen da, Pathos-Pop eingestreut, Tempowechsel in Fülle. Jedes Stück ist gespickt mit bitterbösen, sarkastischen, ironischen, zynischen Texten.
Leute, die sich gerne Alben kaufen, weil sie deren Musik als harmonisch zusammengehörendes Gesamtwerk genießen wollen, werden hier unter Umständen nicht glücklich. Die (Stil-/Genre-)Sprünge von einem Track zum nächsten lassen dieses Gefühl nicht oder nur sehr schwer aufkommen. Wenn man etwas wie einen roten Faden sucht, so findet man diesen in den Texten. Und ja: Liebhaber der oben beschriebenen Lyrik-Eigenschaften werden ihre Freude haben.
Ich persönlich bin das was ich als Albumhörer (siehe obigen Absatz) bezeichne und habe den Zugang zu "... Swinging Lovers" nicht sofort gefunden. Und die Vocals plus Pathos oder auch eingestreute Dissonanzen lassen mich das Album auch mal mittendrin genervt stoppen und beiseite legen. Aber nie für lange.
Fazit: Klasse Musik, nicht für jedermann leicht zugänglich, eine Platte, die man auch mal beiseite legt, aber viel lieber wieder hervorholt für ein paar neue Runden.
Auch mit der Tonqualität der CD bin ich hochauf zufrieden.