Nach der erstklassigen ersten Singleauskopplung "Nine Lives" macht sich unwiderruflich Vorfreude auf dieses Album breit und es stellt sich die Frage, ob etwa wieder ein solches Hammeralbum auf uns zukommt wie "Pyromania" oder "Hysteria" aus den glorreichen 80ern. Um es vorwegzunehmen - leider nicht...
Dieses eingängige, harte Riff und dieser hymnenhafte, LEPPARD-typische Gesang in Bridge und Refrain in "Nine Lives" sind eindeutige Trademarks dieser Ausnahmeband, haben sie damals so populär und erfolgreich werden lassen und machen auch diesen Song - so wie eigentlich alle ihrer alten - zu einem absolut gnadelosen Ohrwurm allererster Güteklasse, der sich wochenlang in den Gehörgängen festsetzt und man sich an ihn einfach nicht sattzuhören weiß. Doch leider war dies auch schon das einzig wirklich Positive, was es zu "Songs From The Sparkle Lounge" zu sagen gibt. Der Rest dieses Albums ist bestenfalls guter Durchschnitt und erfüllt keinesfalls die durch "Nine Lives" entstandenen hohen Erwartungen.
Der Opener "'Go"' kann noch ein wenig durch sein markantes, hartes Riffing überzeugen, versagt dann textlich aber völlig und verkommt letzten Endes zu einem 08/15-Standardrocksong, wie ihn jede x-beliebige Rumpelkapelle auch hätte fabrizieren können. Zu standardmäßig und belanglos wirkt auch der Großteil der übrigen Songs. '"C'mon C'mon"' erinnert von Refrain und Melodie her sehr an einen Schützenfest-Partyschlager à la Hermes House Band und Konsorten. Die darauffolgende, absolut schreckliche und überflüssige Ballade '"Love"' verursacht Stresspusteln anstatt Gänsehaut und lässt jegliche Emotion vermissen. Lediglich beim pompöswirkenden Gitarrensolo wird etwas Atmosphäre erzeugt. In "'Only The Good Die Young'" soll dem 1991 verstorbenen Gitarristen Steve Clark Tribut gezollt werden, was allerdings missrät, da der Song viel zu fröhlich und eingängig scheint, als dass er seinem eigentlichen Zweck, welcher ein wenig Tiefgang und Emotionalität voraussetzt, erfüllt. Immerhin weist der Refrain gewisse Ohrwurmansätze auf. '"Cruise Control'" und '"Hallucinate'" sind noch die Songs, die neben dem Überhit (und wohl deutlich auf Kommerz und erste Singleauskopplung getrimmten) "'Nine Lives"' die meisten Erinnerungen an frühere Zeiten wecken - jedoch auch nur in geringem Maße. Als weiterer kleiner Hit entpuppt sich '"Tomorrow"', der ebenfalls einen eingängigen Chorus besitzt, ansonsten textlich leider abermals ins Belanglose, Oberflächliche und Austauschbare ausufert.
Um es zusammenzufassen: "Songs From The Sparkle Lounge" ist schlichtweg zu unspektakulär und belanglos ausgefallen, als dass es das Erbe seiner grandiosen Vorgänger aus den 80ern antreten könnte. DEF LEPPARD klingen eindeutig anders als früher. Joe Elliots Stimmfärbung ist sehr viel dunkler und tiefer als noch vor 20 Jahren - was nicht unbedingt schlecht sein muss. Doch auch die Tatsache, dass beim Songwriting nicht alle Bandmitglieder an allen Songs mitgeschrieben haben (wie es früher der Fall war), sondern einige Songs von einer Person alleine geschrieben wurden, ist wohl eine weitere Ursache dafür, dass DEF LEPPARD einfach nicht mehr so klingen, wie man es vom Namen her erwartet...
Als ich 2006 den von ihrem Coveralbum "Yeah!" stammenden Song "Waterloo Sunset'" im Radio hörte, diese Band somit (leider) erst kennengelernt habe und mir anschließend ältere Stücke anhörte, war ich absolut davon überzeugt, dass es sich um unterschiedliche Leadsänger handele. Dem ist bekanntlich nicht so. Nur hat sich der Stil der tauben Leoparden auf diesem Album so sehr verändert, dass man rein klanglich eigentlich nicht ausmachen könnte, es handele sich um DEF LEPPARD, wenn man diese CD ohne jegliches Vorwissen quasi blind anhören würde (was für ein Wortspiel)...
Das ist sehr schade und es bleibt nur zu hoffen, dass unsere einstigen Helden nach dieser langen Strecke an schlechten Alben endlich wieder zu alter Stärke und Form zurückfinden und wieder übertolle Knaller bringen. "Nine Lives" ist da ja schon mal ein guter Ansatz...