Unglaublich, aber wahr: Eigentlich nahm Cohen sein erstes Album eher verlegenheitshalber auf: Weil seine Lyrik und sein Roman "Beautiful Losers" zwar gelobt wurden (zu Recht!), aber leben muss man schließlich auch von irgendwas.
Das Ergebnis dieser "Verlegenheitslösung" war eines seiner besten Platten überhaupt -- und das will schon was heißen bei Cohen. "Songs of Leonard Cohen" hält, was der Titel verspricht: Zehn Songs, spartanisch instrumentiert, mehr nicht. Cohen und seine Gitarre, dazu seine damalige Band Kaleidoscope, die sich seinem zurückhaltenden Stil kongenial anpasst. Nicht, dass Cohen ein Gitarren-Zampano wäre, und sichere Intonation ist seine Sache auch nicht. Aber w i e er singt, w i e treffsicher sein Gitarrenspiel rüberkommt, w i e er seine Melodien entfaltet -- das ist einfach genial. Der Mann kann nicht nur dichten, nein, er hat diesen Instinkt, was wie klingen muss. Diesen Instinkt hat man, oder man hat ihn nicht. Cohen hat ihn.
Zehn Songs, jeder davon ein Klassiker über alle Zeiten und Moden hinweg, kein einziger Durchhänger. "Suzanne", "Master Song", "Sisters of Mercy", "Stories of the Street", "Winter Lady"... wer kennt sie nicht. Der Bass ist 1968 noch nicht so abgrundtief wie später, die Cohen-typischen Background-Sängerinnen machen sich nur selten bemerkbar, aber Cohens Stil ist dennoch fertig; die eindringliche Stimme drückt haargenau das aus, was auch seine Songtexte atmen: Sie handeln von Schmerz und Verlust, Liebe, Einsamkeit und Furcht -- ohne alles Selbstmitleid, stattdessen blitzt die für Cohen so typische Selbstironie immer wieder durch. "I told you when I came I was a stranger"... Und natürlich seine Sprache, diese schwindelfreien Metaphern, die die Alltagsszenen, die er besingt, immer wieder in unbekannte Welten mitnimmt.
Diese Musik ist viel zu schade als Hintergrundmusik. Wie ein gutes Bild braucht sie eine (akustische) weiße Wand, um die ganze Wirkung zu entfalten.