das ist eines der großen, kanonischen alben der rockmusik, wie "sgt pepper" oder "pet sounds" oder "exile on mainstreet". eine kritische auseinandersetzung mit ihnen ist eigentlich nicht mehr möglich, denn sie sind heiliggesprochen, von der eigenen legende überwuchert. ich versuch's dennoch.
die ersten elf songs zählen für mich zu den aufregendsten strecken, die je aufgenommen wurden. da stimmt wirklich alles. jeder song funkelt und strahlt, gleichzeitig zittert er fast vor dringlichkeit. da hört man in jedem takt: diese musik musste gemacht werden, sonst hätte es den interpreten zerrissen, ja vielleicht sogat das uniiversum. danach lässt die dringlichkeit doch merkbar nach. immer noch erklingen die stücke makellos schön, aber sie wirken mit ausnahme von "as" weniger unmittelbar, weniger notwendig, weniger zwingend. teilweise sind sie fast ein bisschen niedlich (wie "joy inside my tears", "i am singing", "if it's magic" oder auch das enorm berühmte "another star"). ein bisschen hat der zweite teil dieser liederkollektion etwas von wohlklang, von nettigkeit, von designerhaftigkeit. die songs beißen und fauchen und kratzen nicht mehr. schön, dass es sie gibt. aber hätte es sie nie gegeben, hätten wir sie nicht vermisst (- ganz im unterschied zur ersten spielhälfte, DIESE tracks sind lebenswichtig). besonders deutlich wird dies bei den bonusstücken spürbar.
davon abgesehen. stevie wonder breitet hier ein ganzes musikuniversum vor uns aus. soul, funk, pop, calypso, latin, r & b, jazz, rock, blues - es ist beeindruckend und berührend. wobei er nicht nur das spektrum der black musik zeigt, er verarbeitet auch weiße einflüsse, etwa in den pastoralen stücken wie "village ghetto land", wo man die mittleren beatles und die kinks hören kann.
ein album, das bis heute bekannte stücke abwirft ("sir duke", "i wish" und "isn't she lovely" sind zurecht die größten hits. das niemand kalt lassen kann. das ohne ende gesamplet wird. und das nicht wege, sondern ganze autobahnen bereitete. ohne dieses album kein michael jackson, kein prince, aber auch kein lenny kravitz oder ben harper.
fünf sterne, auch wegen der historischen bedeutung, trotz leichter verschleißerscheinungen der magischen kraft im zweiten teil.