"Songs from the wood" ist ein weiterer Teil einer Reihe von Jethro Tull-Platten der 70er, die mit virtuoser und anspruchsvoller Rock-Musik einen bestimmten Themenkomplex als Leitfaden für das Album bearbeiten und den Hörer somit in eine faszinierende Welt entführen, die durch die Musik erzeugt wird, aber dennoch gänzlich dem Plattencover entspricht.
Dieses Album ist einfach Rock aus dem Unterholz: Bilder von Wäldern und Wiesen, Bergen und Tälern sowie dem Leben auf dem Land verankern sich fest im Kopf des Hörers.
Auf der musikalischen Ebene wird ganz große Kunst geboten:
anspruchsvolle Akzentuierungen, krumme Taktarten und unglaubliche Leistungen der einzelnen Instrumentalisten würden dem Album auch ohne seinen großen emotionalen Stellenwert Höchstwertungen verschaffen, doch wie gesagt, hier wirkt nichts kopflastig; Ian Anderson's Kompositionen lassen alles natürlich, frisch und aus tiefstem Herzen kommend wirken.
Die Songs an sich sind konstant stark und zeigen mit ihrer Mischung aus kraftvollen Riffs und hauptsächlich akustisch orientierter Instrumentierung auf, was der Begriff "Folk-Rock" bedeutet (Ian Anderson's obligatorische Querflöte dominiert als Solo-Instrument).
Der Titelsong ist ein hervorragender Opener, der alle bereits erwähnten Attribute des Albums vereinigt und zusammenfasst.
Es folgt "Jack-in-the-green", ein reiner Folk-Song, der von einem merkwürdigen Waldbewohner erzählt und für einen Erhalt der Naturverbundenheit in den modernen Zeiten plädiert. Der prägnanteste Rock-Song der Scheibe ist das schwungvolle, melodiöse "Cup of wonder", auf das das virtuose "Hunting girl" folgt, welches zu den herrausragenden Jethro-Tull-Liedern zu zählen ist. Mit "Ring solstice bells" ist sogar ein weihnachtlicher Song enthalten. Die nächsten 3 Stücke entführen den Hörer nochmal richtig in den Wald: "Velvet green" und "The whistler" bewegen sich zwischen verwunschener Verspieltheit und eingängigen Hook-Lines, während "Cap in hand" eine sehr ausladende, groß-angelegte Nummer ist, die man sich durch intensives Hören erschließen muss.
Den Abschluss macht das tröstliche "Fires at midnight", welches mit seiner unabstreitbaren Abendstimmung unter Beweis stellt, dass Ian Anderson mit seiner Band jede gewünschte Stimmung allein durch gutes Songwriting und geschickte Arrangements mühelos verbreiten kann. Eine hervorragende Leistung!