zu meiner titelfrage: ja unbedingt!
trotz der überschneidung von songs ("bird on the wire", "suzanne", "hallelujah" und "closing time") bietet das "ergänzungsalbum" substantielles.
da ist einmal das mit gutem flow und zerbrechlicher stimme vorgetragene "lover, lover, lover", eine elegische version von "chelsea hotel" und ein unwiederstehlich dahinströmendes "waiting for the miracle". großartig auch "the partisan" und endlich "famous blue raincoat" - eines meiner lieblingsstücke vom altmeister, dessen fehlen auf der herrlich zurückgelehnten und lockeren "live in london" ich damals wirklich vermisst habe.
diese nummer wollte ich unbedingt mit dieser abgeklärtheit hören, mit der LC altbekannte songs auf diesem album präsentierte, da ist es nun und erfüllt locker, nein, übertrifft meine erwartungen!
die restlichen songs, allen voran "avalanche" gehören in den hier gebotenen versionen eigentlich auch zur grundausstattung einer wohnung...
seine stimme ist alt geworden, hat gegenüber "live in london" noch an kraft verloren, aber dafür eine neue art der faszination, die aus dieser daraus resultierenden zurückhaltung des jungen alten mannes resultiert, gewonnen.
so gesehen ein wichtiges, dringendes album, das man haben muß, wenn man die musik und die texte von herrn cohen mag, zumal es auch an der tonqualität nicht das allergeringste zu bemängeln gibt. schön räumlich und gut belichtet fluten diese sounds und diese unglaubliche stimme in den hörraum, auch die reaktionen des publikums sind faszinierend festgehalten.
locker eingespielte fünf sterne.
ein wenig gemecker muss aber auch sein:
das format des albums passt weder ins CD- noch ins DVD-regal, das ist aus meiner sicht unpraktisch und macht keinen sinn.
die DVD hat die komplett identische setlist, bietet zusätzlich lediglich einen "backstage sketch" der kein sketch ist, es werden darin primär die mitmusiker vorgestellt - na gut, nette draufgabe, die sich leider auf den preis auswirkt.
die einzelnen songs sind an verschiedenen locations aufgenommen, das beginnt in tel aviv, geht weiter über glasgow, london (in der akkustisch hervorragenden royal albert hall), oberhausen, wieder london, san jose, gothenburg, manchester, helsinki, nochmal london - jeweils in der O2-arena (welch poetischer name, früher hießen die locations wenigstens fillmore east oder roxy), indio und abschließend wieder in einem london (offenbar gibt es in ontario auch eines), in einer namentlich auch nicht besser klingenden location names john-labatt-centre.
so interessant es ist, die akkustik der verschiedenen aufnahmeorte zu erhören, so sehr fehlt mir der flow eines durchgehenden konzertes.
und ja, mein lieblings-livealbum "field commander cohen" wird nicht getoppt, aber immerhin erreicht, wenn auch auf ganz andere art und weise.
eine ordentliche prise kitsch mag hier auch verbraten worden sein, was mir ausnahmsweise völlig egal ist, ich mag den mann und damit auch dieses album, thanks for that leonard!