Es hätte ein Desaster werden können. Ist es aber nicht! Nguyen Le, der vietnamesisch-französische Jazzrock- und Weltmusikgitarrist, nimmt ein Album mit Coverversionen auf: von den Beatles über Cream zu Janis Joplin und Bob Marley. Le, aufgewachsen in Paris, spielt die Popmusik seiner Jugend. Und natürlich tut er das als jemand, der nicht nur Popmusik nach den Maßstäben der westlichen Musik wahrnimmt. Da wird Janis Joplins 'Mercedes Benz' schon mal zu 'Uncle Ho's Benz'!
Das hat Le schon mal getan, als er ein absolut empfehlenswertes Album mit Coverversionen von Jimi Hendrix aufnahm. Das Hendrix Album war experimentell angelegt. Mit verschiedenen Sängern interpretierte Le die Musik von Hendrix zwar radikal neu, allerdings mit viel Witz und Respekt: Voodoo Chile unterlegt mit nordafrikanischen Drums und beißender Metalgitarre; Purple Haze als groovende Funknummer. Das hatte was. Für die einen mag das natürlich Leichenschändung sein, aber eines kann man Le nicht vorwerfen: dass er musikalisch konservativ ist.
Songs of Freedom setzt den Grundgedanken des Hendrix-Tributs fort, nur dass der Gesamtsound weitaus jazziger, und weniger rockig, als auf dem Hendrixalbum ist. Le arbeitet mit einem Quartett (Gitarre, Vibraphon/Marimba, Bass und Drums), das er, je nach Bedarf, mit Jazzsängern (u.a. You Sun Nah) und Musikern aus der Weltmusik (u.a. Dhafer Youssef) erweitert. Das gibt Le einen extrem vielseitigen Sound. Was mir sehr gut gefallen hat, sind die warmen und schillernden Klangfarben, die zwischen Gitarre und Vibraphon entstehen. Ein sehr offener und organischer Grundsound, in den sich andere Instrumente problemlos integrieren lassen. Und das Le einer der weltbesten Gitarristen ist ' das ist doch wohl klar, oder?
Das Album selbst schlägt mühelos eine Brücke zwischen verschiedenen Kulturen. So treffen die Beatles auf arabische Figuren und Jazzharmonien. Led Zeppelin's 'Whole Lotta Love' wird mit donnernden indischen Tablas unterlegt, 'Move over' von Janis Joplin mit einer behutsamen Jazzbegleitung durch Saxophon und Vibraphon. Auf Cream's 'Sunshine of your love' wiederum duellieren sich Les trockene Hardrockgitarre und Amars rasende Marimbas. Grenzenloser Einfallsreichtum also. Das kann wohl nur jemand, der seit fast 30 Jahren ein Gradwanderer ist. Das Schöne an dem Album ist, dass es weder gezwungen noch cheesy klingt, sondern organisch und leicht. Es hat viel Witz und so manches Augenzwinkern, ist aber dennoch respektvoll gegenüber den Originalinterpreten. Für aufgeschlossene Musikfreunde! Eines der besten Alben 2011.