Seit fast 14 Jahren kenne ich die Musik von Bugge Wesseltoft und finde seine musikalische Entwicklung bemerkenswert. Zwar veröffentlichte er 1997 schon eine Solo-Piano-Platte (die ich nicht kenne), aber besonders auffallend war in dieser Zeit seine Verknüpfung aus Jazz und Elektronik, die zeigte, dass es sehr wohl eine Verbindung zwischen der scheinbar so "altmodischen" Musik und der aktuellen Clubkultur geben kann. Später dann kamen mit "IM" und "Playing" vor ein paar Jahren zwei klavierbetonte Werke, in denen aber die klangliche Erweiterung durch elektronische Elemente noch eine entscheidende Rolle spielte.
Jetzt erscheint (nach der Zusammenarbeit mit dem deutschen Elektroniker Henrik Schwarz) nun "Songs". So schlicht und klar wie das Cover ist auch die Musik, die der Norweger hier vorträgt. Die Stücke sind samt und sonders Fremdkompositionen (zum Teil aus dem American Songbook, zum Teil auch Jazzstandards, wie z. B. "Giant Steps" von John Coltrane).
Wesseltoft spielt völlig in sich versunken. Er bricht keine Geschwindigkeitsrekorde, er dekonstruiert nicht, sondern erweckt den Eindruck, als ob er diese Musik für sich ganz allein interpretiert. Dabei bleibt er durchwegs langsam und bedächtig; in den mittleren bis tiefen Tonlagen. Er lässt die tiefen Akkorde lange klingen und sucht ganz behutsam den Kern der Melodien.
Es empfiehlt sich, diese Platte in einem Stück anzuhören. So gerät man ganz in den ruhigen, warmen Fluss der Musik, die bei aller Langsamkeit jeden Kitsch und jede Romantisierung vermeidet. Man merkt: diese Songs bedeuten dem Künstler etwas.
Schön, dass Bugge Wesseltoft uns an diesem ganz persönlichen Stück Musik teilhaben lässt.